Wirtschaft
30.07.2018

Hypo-"Bad Bank" bringt Regierung unerwarteten Geldsegen

Die Abbaueinheit Heta überwies im Juli 1,8 Milliarden Euro, berichtet der Finanzdienstleister Bloomberg.

Interessiert an einem Grundstück in Montenegro? Dann muss es jetzt schnell gehen: Am 1. August kommen 65.572 Quadratmeter im Ski- und Luftkurort Kolasin unter den Hammer. Ob sich für dieses Angebot, das viel Ruhe in ländlicher Umgebung verspricht, ein Käufer findet, ist offen.

Tatsache ist aber: Viele der hunderten Immobilien, Hotels, Wohnungen, Autos, Jachten und Kreditpakete, die die Abbaueinheit der notverstaatlichten Pleitebank Hypo Alpe Adria - etwa unter der "Alpe Adria Asset Plattform" - zum Verkauf gestellt hat, haben Abnehmer gefunden.

Dadurch ist mehr Geld hereingekommen als ursprünglich erwartet. Die Heta überwies der Regierung im Juli 1,8 Milliarden Euro extra, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Österreich könnte somit 2018 deutlich weniger neue Schulden aufnehmen, rechnet Bloomberg vor. Die Bundesfinanzierungsagentur hatte dafür für 2018 ursprünglich 27 bis 30 Milliarden Euro veranschlagt.

Hypo dennoch Milliarden-Debakel

Nicht darüber hinwegtäuschen sollten die neuen Zahlen darüber, dass das Hypo-Debakel ein milliardenschweres Minus-Geschäft bleibt. Laut Angaben des Finanzministeriums von Juni hat die Kärntner Katastrophenbank die heimischen Steuerzahler schon vor der Abwicklung zwischen fünf und sechs Milliarden Euro gekostet - dieses Geld wurde vor allem für Kapitalzuschüsse in einer Phase verbrannt, als die damaligen Regierungen die Bank unbedingt retten wollten. Zumindest die Abwicklung wird nun so viel Geld erlösen, dass die vom Bund vorgestreckten Beträge zurückgezahlt werden können.

Und auch die Gläubiger, die bei der nach den neuen europäischen Gesetzen erfolgten Abwicklung kräftig rasiert wurden, erhalten zumindest einen Teil ihrer Forderungen zurück. Anfang Juli wurde ihnen eine Zwischenausschüttung von 2,4 Milliarden Euro bewilligt, wovon allerdings eine halbe Milliarde aufgrund noch offener Rechtsfragen einbehalten wurden.

Restposten und weniger attraktive Werte gehen üblicherweise weniger leicht und zu guten Preisen über den Tisch wie die sogenannten Filetstücke aus dem Portfolio. Ein solches Vorzeigeprojekt war etwa die kroatische Luxusimmobilien- und Tourismusanlage "Skiper" auf der Halbinsel Savudrija in Kroatien.

Der Hypo-Skandal kostete der Republik auch die Top-Bonitätsstufe bei internationalen Rating-Agenturen. Der Weg zurück zum "Triple A" könnte durch die unerwartete Heta-Geldspritze möglicherweise schneller von der Hand gehen, ist aber noch keine ausgemachte Sache.