Wirtschaft
19.07.2018

„Horrorszenarien waren übertrieben“

Mehr Jobs geschaffen. Ökonom Martin Kocher über Digitalisierung und Arbeitsmarkt

KURIER: Die Digitalisierung kostet Jobs, hieß es immer. Aber wir eilen von einem Beschäftigungshoch zum anderen. Was stimmt jetzt?

Martin Kocher: Die Horrorszenarien waren immer übertrieben. Natürlich gibt es einen Strukturwandel. Im Moment entstehen aber mehr neue Jobs – pro Jahr bis zu 80.000 –, als wir verlieren.

Und die einfachen Hackler sind die Verlierer?

Einfache Arbeiten, die leicht von Maschinen ersetzt werden können, sind sicher betroffen. Wir müssen diese Menschen höher- und umqualifizieren. Bei schlechten Qualifikationen sehen wir tatsächlich eine Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit.

Brauchen die Betroffenen ein Grundeinkommen?

Das würde das Problem nicht lösen, es gibt ja schon die Mindestsicherung.

Muss es höhere Beschäftigungsanreize geben?

Mangelnder Anreiz entsteht daraus, wenn die Differenz zwischen der sozialen Sicherung und dem Verdienst nicht groß genug ist. Aber das Hauptproblem ist, dass wir viele offene Stellen und gleichzeitig viele Arbeitslose haben: Angebot und Nachfrage passen in Sachen Qualifikation nicht zusammen.

Gefährdet der Fachkräftemangel das Wachstum?

Ja, langfristig ist das eine Gefahr.

 

Video dazu aus der Schau-TV-Sendereihe "Warum eigentlich?" unter https://schautv.at/warum-eigentlich/martin-kocher-angebot-und-nachfrage-passen-nicht-zusammen/400068455