© HelloFresh

Wirtschaft
11/02/2021

Hellofresh rechnet 2021 mit noch mehr Umsatz

Vorstand rechnet mit währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 57 und 62 Prozent. Bisher ein Plus zwischen 45 und 55 Prozent in Aussicht gestellt.

Nach einem weiteren Quartal mit Zuwächsen will der Kochboxen-Lieferant Hellofresh in diesem Jahr noch mehr erreichen. Allerdings belasteten im Sommer erhöhte Kosten die Bilanz. Denn neben saisonal erhöhten Ausgaben nimmt Konzernchef Dominik Richter viel Geld in die Hand, um neue Produktionsanlagen zu bauen. An der Börse wurden die Nachrichten mit einem Kurssprung begrüßt: Die Hellofresh-Aktie ging Dienstagfrüh um ca. 14 Prozent nach oben und damit an die Spitze des DAX.

Der Vorstand rechnet in diesem Jahr mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum zwischen 57 und 62 Prozent, wie das Unternehmen überraschend am Montagabend mitgeteilt hatte. Bisher hatte er ein Plus um 45 bis 55 Prozent in Aussicht gestellt. Dabei profitiert Hellofresh auch von der jüngst vollzogenen Übernahme des australischen Unternehmens Youfoodz, eines Anbieters von verzehrfertigen Mahlzeiten. Dieser soll etwa 0,4 Prozent zum Wachstum in diesem Jahr beitragen.

Bei dem Ziel für die operative Marge soll sich hingegen nichts ändern. So sollen weiterhin 8,25 bis 10,25 Prozent des Umsatzes als bereinigter Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) beim Unternehmen hängen bleiben. Das wäre zwar deutlich mehr, als das Unternehmen im dritten Quartal für sich verbuchen konnte - allerdings in etwa so viel wie in den ersten sechs Monaten des Jahres.

In den Monaten Juli bis September sprang der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte auf 1,4 Mrd. Euro nach oben. Analysten hatten im Schnitt mit etwas weniger gerechnet. Hellofresh profitierte zwar vor allem von deutlich mehr aktiven Kunden. Damit bezeichnet das Unternehmen Menschen, die in den vergangenen drei Monaten mindestens eine Kochbox bestellt haben. Allerdings hatten sich Experten hier mehr erhofft. Ähnlich stark entwickelte sich die Zahl bestellter Mahlzeiten, allen voran in den USA, dem für das Unternehmen wichtigsten Markt. In der Konsequenz stieg der durchschnittliche Bestellwert leicht.

Operativ verdienten die Berliner aber deutlich weniger als noch vor zwölf Monaten. Grund dafür waren neben höheren Beschaffungs- und Vertriebskosten erneut gestiegene Marketingausgaben. So muss Hellofresh in den heißen Monaten etwa in Kalifornien, Texas und Florida zusätzliches Verpackungsmaterial nutzen, damit die Mahlzeiten frisch bei den Kunden ankommen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag mit 79,8 Mio. Euro gut 30 Prozent unter den 114,7 Mio. Euro aus dem Vorjahreszeitraum. Die operative Marge rutschte von 11,8 auf 5,6 Prozent ab.

Kosten entstehen auch durch den Bau neuer Produktionsstätten. Zu den bisher 25 Anlagen weltweit sollen im kommenden Jahr weitere hinzukommen. Eine genaue Zahl nannte Richter in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Dienstagmorgen nicht. Zudem wolle er "Hunderte Millionen" Euro investieren, um in den kommenden Jahren Prozesse zu automatisieren. Neben schnellerer Fertigung verspricht er sich davon auch ein höheres Liefertempo - wenn auch nur eingeschränkt: "Ich glaube aber nicht, dass wir je in der Lage sein werden, unsere Produkte am gleichen Tag zuzustellen."

Erst Anfang Juli hatte das Unternehmen den Bau einer neuen Produktionsanlage in der Nähe von Magdeburg bekannt gegeben. Ab dem vierten Quartal in kommenden Jahr sollen dort rund 1.500 Arbeitsplätze entstehen. Der Standort in Barleben ergänzt den Angaben zufolge die bisherige Fabrik in Verden an der Aller, in der seit 2016 Produkte für Deutschland und Österreich hergestellt werden. Mit dem Start in Italien war auch eine Produktionsstätte nahe Mailand in Betrieb gegangen.

Neben der Expansion nach Italien und Norwegen könnte Hellofresh noch in diesem Jahr auch nach Japan expandieren. "Wir hoffen, dass wir noch im Dezember ausliefern können, aber vielleicht wird es auch erst Jänner", sagte Richter. Ein genauer Zeitpunkt stehe noch nicht fest. Allzu lange dürfte es aber nicht mehr dauern, sagte er.

Jefferies-Analyst Sebastian Patulea nannte das vorgelegte Zahlenwerk des Kochboxenlieferanten "beeindruckend". Dabei verwies er auf das angehobene Umsatzziel und die Verbesserung des operativen Ergebnisses, "insbesondere vor dem Hintergrund des Kostendrucks". Analystin Sarah Simon von der Privatbank Berenberg zeigte sich ebenfalls angetan: Hellofresh habe weit höhere Erlöse erzielt als erwartet. Damit habe das Unternehmen Befürchtungen getrotzt, dass es ähnlichem Druck ausgesetzt gewesen sein könnte wie viele Wettbewerber im E-Commerce-Bereich. Das operative Ergebnis (EBITDA) im dritten Quartal habe jedoch unter ihrer und der durchschnittlichen Markterwartung gelegen.

Verhaltener äußerte sich JPMorgan-Experte Marcus Diebel, der vor allem den Zuwachs bei den aktiven Kunden kritisierte. Die Zahl jener Menschen, die mindestens eine Box in den vergangenen drei Monaten bestellt haben, sei nicht so stark gestiegen wie von ihm erhofft. William Woods vom Analysehaus Bernstein Research bemängelte die operative Marge, die sich im Jahresvergleich halbiert habe.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.