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Wirtschaft
07/25/2022

Gazprom senkt Lieferung durch Nord Stream 1 auf 20 Prozent

Nach der Reaktivierung vergangenen Donnerstag lag die Auslastung bei nur 40 Prozent und wurde nun halbiert.

Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 hat die russische Gazprom eine Halbierung der Liefermenge angekĂŒndigt. Der russische Staatskonzern teilte am Montag mit, die Gaslieferungen wĂŒrden auf 33 Mio. Kubikmeter pro Tag von mehr als 160 Mio. Kubikmetern bei voller KapazitĂ€t verringert. Dies werde ab Mittwoch gelten. Dies entsprĂ€che einer Pipeline-Auslastung von etwa 20 Prozent. Derzeit lĂ€uft sie mit etwa 40 Prozent. 

Das deutsche Bundeswirtschaftsministerium erklĂ€rte, es beobachte die Lage mit der Bundesnetzagentur und dem Krisenteam sehr genau. "Es gibt nach unseren Informationen keinen technischen Grund fĂŒr eine Reduktion der Lieferungen", sagte eine Sprecherin.

Erst am Donnerstag voriger Woche hatte Gazprom nach einer zehntĂ€gigen Wartungsunterbrechung wieder Gas durch die Pipeline geschickt. Die erneute Verringerung begrĂŒndete der Konzern nun damit, dass eine weitere Turbine gewartet werden mĂŒsse.

Der Chef der fĂŒr die Regulierung der GasmĂ€rkte zustĂ€ndigen deutschen Bundesnetzagentur, Klaus MĂŒller, hatte zunĂ€chst mitgeteilt, die Anmeldungen fĂŒr den Pipeline-Gasfluss seinen bereits fĂŒr Dienstag halbiert worden. Er korrigierte sich aber kurz darauf, und erklĂ€rte, die Nominierungen bezögen sich auf Mittwoch.

Gazprom hatte zuvor im Streit um eine Gasturbine von Siemens Energy nachgelegt, die zur Wartung in Kanada war und nun von Deutschland aus nach Russland zurĂŒckgelangen soll. Das Unternehmen habe Unterlagen von Siemens Energy erhalten, aber es seien immer noch Fragen offen im Zusammenhang mit den von der EU und Großbritannien verhĂ€ngten Sanktionen.

Das Wirtschaftsministerium widersprach dieser Darstellung. Dort herrscht ohnehin die EinschĂ€tzung, die bereits gewartete Turbine werde von Russland nur als Vorwand genutzt, um den Gasdurchfluss zu reduzieren und damit im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine Druck auf Deutschland und die EuropĂ€ische Union (EU) auszuĂŒben. "Die sanktionsrechtlichen Genehmigungsvoraussetzungen fĂŒr die Auslieferung der in Rede stehenden Turbine liegen vor", sagte eine Sprecherin. "Kanada hat die nach kanadischem Recht notwendige Ausnahmegenehmigung erteilt. Nach den EU-Sanktionsrecht ist keine Ausnahmegenehmigung erforderlich."

Gaspreis steigt

Nach der angekĂŒndigten Reduzierung der Gaslieferungen durch den russischen Staatskonzern Gazprom ziehen die Gaspreise deutlich an. Der europĂ€ische Future stieg um rund zehn Prozent auf 177 Euro je Megawattstunde. Gazprom reduziert die Gaslieferungen ĂŒber die Pipeline Nord Stream 1 ab 27. Juli auf nur noch rund 20 Prozent.

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