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Wirtschaft
09/26/2020

Fussl-Chef zu Webshop: „Dafür haben wir keine Zeit“

Der Textilhändler eröffnet Läden und sucht Mitarbeiter. Obwohl er damit rechnet, dass die Lust auf Shopping bald sinken wird

Zum oberösterreichischen Familienunternehmen Fussl Modestraße zählen mehr als 180 Filialen in Österreich und Bayern (knapp 30 davon). Die Corona-Krise ist kein Grund, die Expansion einzubremsen, findet Firmenchef Ernst Mayr, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau, seinem Bruder und dessen Frau führt. Wie er ganz ohne Internetshop im Geschäft bleibt, erklärt er im KURIER-Gespräch.

KURIER: Die Maskenpflicht ist nun in allen Geschäften zurück. Drückt das auf die Kauflaune?

Ernst Mayr: Ich habe keine Freude damit. Meine Mitarbeiterinnen und Kunden auch nicht. Aber was ist die Alternative? Ein zweiter Lockdown wie in Israel? Dann habe ich doch lieber die Maske.

Dem Textilhandel sind in der Krise die Umsätze weggebrochen. Der Staat springt sogar mit einem Fixkostenzuschuss für liegen gebliebene Ware ein. Haben Sie diesen schon beantragt?

Nein, ich glaube auch nicht, dass wir ihn brauchen werden. Wir haben die Preise brutal reduziert und so die Ware abverkauft und die Lager geleert. Das hat zwar zu einem enormen Spannenverlust und auch zu einem Umsatzminus geführt, aber wir sind liquide geblieben.

Um wie viel ist der Umsatz unter dem Strich rückläufig?

Im österreichischen Filialgeschäft sind wir umsatzmäßig durch den Lockdown bis Ende August 17 Prozent hinten, wir reden also von 13 Millionen Euro netto. Wenn nichts Gröberes passiert, schreiben wir in Österreich wie in Deutschland trotzdem ein positives Jahresergebnis.

Sie wollten diesen Herbst sechs neue Filialen eröffnen. Bleibt es dabei?

Ja, es werden sogar um zwei mehr werden. Im kommenden Frühjahr werden wir weitere vier bis sechs Standorte aufmachen. Wir haben auch im Zuge der Finanzkrise in den Jahren 2009 und 2010 jeweils 25 Filialen eröffnet, während andere Standorte geschlossen haben. Wir würden sogar gern noch mehr Geschäfte aufmachen, derzeit spielen uns aber keine größeren Konkurse in die Hände, durch die Handelsflächen frei werden.

Das könnte sich noch ändern. Viele fahren zudem das Filialnetz zurück ...

Schon, aber es werden ja immer weniger Einkaufsflächen gewidmet und gebaut. Und die frei gewordenen Flächen von OVS und Vögele sind ja längst verteilt.

Woher kommt das Geld für die Expansion?

Als Familienunternehmen haben wir nie Geld aus der Firma gezogen, das zeigt sich auch in unserer guten Bonität. Außerdem sind wir extrem effizient aufgestellt.

Das behaupten viele andere auch von sich. Was meinen Sie mit effizient?

Wir haben gerade einmal 15 Einkäufer, bei vergleichbaren Textilhändlern sind es doppelt so viele. Dadurch, dass wir den Ladenbau selbst machen, sparen wir uns rund zwei Millionen Euro im Jahr, unsere Stromkosten liegen bei 50 Prozent des Branchenschnitts. Es sind viele Kleinigkeiten, die sich summieren.

Sie haben 1.200 Mitarbeiter. Wie viele sind noch in Kurzarbeit?

Seit Ende Juni keiner mehr. Wir suchen sogar Mitarbeiter, unter anderem zehn Lehrlinge im Verkauf und einen Lehrling im Büro.

Mode ist ein internationales Geschäft. Gab es Probleme in der Lieferkette?

Ja, manches wurde mit viel Verspätung geliefert. Das hat uns aber auch geholfen, weil wir dadurch Sonderkonditionen durchgesetzt haben.

Sie haben im März gesagt, dass bis zu 30 Prozent der Modegeschäfte wegfallen könnten. Bleiben Sie dabei?

Ja. Wenn die Kurzarbeit ausläuft, werden die Arbeitslosenzahlen steigen. Damit sinkt die Kaufkraft, das wird Auswirkungen haben.

Auf der Überholspur sind derzeit internationale Onlinehändler. Sie haben nie einen Web-Shop gestartet. Ist der Zug abgefahren?

Derzeit haben wir auf jeden Fall keine Zeit. Ich setze weiter auf das Filialgeschäft und Beratung.

Gegründet wurde das Unternehmen mit Sitz im oberösterreichischen Ort im Innkreis 1871, damals als Gemischtwarenhandlung. Heute führen die Brüder Karl und Ernst Mayr gemeinsam mit ihren Frauen das Textilunternehmen in 5. Generation. Der Betrieb beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter.

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