Glyphosat wird vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt

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Wirtschaft
12/10/2019

Frankreich will Großteil der Glyphosat-Produkte verbieten

Nationale Lebensmittelbehörde untersagt ab 2020 Nutzung von fast drei Viertel aller bisher verkauften Unkrautvernichter.

Während Österreich derzeit mit einem womöglich EU-rechtswidrigen Totalverbot von Glyphosat hadert, geht Frankreich einen anderen Weg. Nationale Lebensmittelbehörden können laut EU-Recht nämlich den Einsatz des umstrittenen Unkrautvernichters beschränken. Die französische Agentur für Lebensmittel- und Umweltsicherheit ANSES tut dies und will laut Reuters einen Großteil der in Frankreich verkauften Produkte mit dem Unkrautvernichter verbieten.

Ab 2020 dürften insgesamt 36 Glyphosat-Produkte nicht mehr verwendet werden. Diese machen nach Angaben der Agentur fast drei Viertel des Volumens der im Jahr 2018 in Frankreich verkauften Glyphosat-Produkte aus. Weiteren vier Produkten, die Glyphosat enthalten, soll die Zulassung aufgrund unzureichender Daten zu möglichen Gesundheitsrisiken verweigert werden. Die staatliche Agentur für Lebensmittelsicherheit prüfte, welche Pestizide auf Glyphosat-Basis wirklich unersetzlich sind – nur die können in Frankreich noch eine Marktzulassung erhalten. Ein Totalverbot von Glyphosat scheiterte im Vorjahr im französischen Parlament.

Mehrere Hersteller

Glyphosat wurde vom US-Konzern Monsanto entwickelt, den der deutsche Chemieriese Bayer 2018 übernommen hatte. Da das Patent von Glyphosat seit Jahren abgelaufen ist, wird das Herbizid inzwischen auch von zahlreichen anderen Firmen hergestellt.

42.000 Klagen

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bayer sieht sich in den USA deshalb mit mehr als 42.000 Klägern konfrontiert. Ein Bayer-Sprecher erklärte, das Unternehmen wolle zusätzliche Daten an ANSES übermitteln und sei zuversichtlich, dadurch die Zulassungen für seine glyphosathaltigen Produkte in Frankreich verlängern zu können. Bayer stehe “voll und ganz” hinter seinen Produkten.

Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat der Konzern stets zurückgewiesen und darauf verwiesen, dass Zulassungsbehörden weltweit das Herbizid bei sachgemäßer Anwendung als sicher bewerteten. Erst dieses Jahr hatte die US-Umweltbehörde EPA ihre Einschätzung bekräftigt, dass Glyphosat nicht krebserregend sei.

In der EU läuft die Zulassung noch bis Ende 2022, in Deutschland soll es bis Ende 2023 komplett verboten werden. Österreich hatte im Juli als erstes EU-Land ein Totalverbot beschlossen. Dieses hätte am 1. Jänner inkraft treten hätte sollen, wurde aber wegen eines Formalfehlers vorerst nicht umgesetzt. Der Entwurf des Gesetz hätte der EU im Voraus zur Notifizierung übermittelt werden müssen.