Wirtschaft
28.03.2017

Firmengründer: Nach Psycho-Test gibt es Geld von der Bank

Die Erste Bank zahlt vifen Firmengründern den Lebensunterhalt, damit diese ihr geschäftliche Visionen umsetzen können. Ein Geschäft mit beschränktem Risiko.

"Die Erste Vision Capital investiert künftig in Menschen." Was auf den ersten Blick etwas esoterisch anmutet, ist das Geschäftsmodell eines neuer Risikokapital-Fonds der Erste Group.

"Das Land braucht Menschen, die an sich glauben", sagt Erste-Group-Vorstand Peter Bosek. "Potenzielle Gründer sollen nicht durch finanzielle Risiken abgehalten werden, ihre Visionen zu erfüllen." Doch selbst vife Gründer mit interessanten Ideen können oft ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren, weil sie anfangs noch keine Einnahmen lukrieren.

Hier will ihnen die Bank unter die Arme greifen. Sie will Gründern im Alter von 25 bis 40 Jahren die Lebenshaltungskosten, sprich das Gehalt und die Weiterbildungskosten, in Höhe von bis zu 1500 Euro im Monat zahlen – pro Geschäftsfall aber maximal 60.000 Euro. Laufzeit: bis zu zehn Jahre.

Beteiligung an künftigen Einkünften

Im Gegenzug will der Fonds an den künftigen Einkünften des Gründers partizipieren und zwei bis zehn Prozent kassieren. Das Investment selbst müssen sie nicht zurückzahlen. Auch Sicherheiten werden nicht verlangt. Rund 100 Gründungen sollen pro Jahr so angefeuert werden. Maximal fünf Millionen Euro nimmt die Bank dafür in die Hand. Da auch die Erste Bank nichts zu verschenken hat, müssen die potenziellen Nutznießer zuvor einen Psycho-Test absolvieren. Die Persönlichkeit der Gründer wird anhand von 560 Kriterien überprüft. Die Bewerbung erfolgt online, am Schluss gibt es ein persönliches Gespräch. Fakt ist: Nur starke Typen sind gefragt.

Streetfighter gesucht

"Wir sind die erste Bank weltweit, die in Personen investiert. Wir suchen nicht die Summa-cum-Laude-Typen, sondern legen Wert auf Streetfighter-Mentalität, also auf Personen, die mit Niederlagen gut umgehen können", sagt Erste-Managerin Natalia Corrales-Diez. " Auch soziale Kompetenz gehört dazu." Da Eltern "noch eine Spur ehrgeiziger sind als Kinderlose", werde diesen auch ein Kinderbonus bezahlt.

Verlust oder Gewinn

"Wir wissen aber erst am Ende der Laufzeit, ob wir etwas verdienen oder ob wir Verlust gemacht haben", sagt die Managerin. Indes räumt Bosek ein, dass das Risiko für die Bank überschaubar sei, weil "die Überlebensrate" beruflich erfahrener Gründer sehr hoch sei.