Wirtschaft
15.05.2018

EU-Vergleich: Pleiten gehen zurück, Firmen verbessern Ertrag

Creditreform-Aufsichtsratschef fordert von der EU nun Rückgrat nach der amerikanischen Iran-Entscheidung.

Die Unternehmenspleiten in Westeuropa sind im Vorjahr um 4,2 Prozent auf 164.000 Fälle zurückgegangen. Das ist der niedrigste Stand seit 2008. So entwickelten sich die früheren Krisenländer Portugal, Irland und Spanien positiv; Spanien zählte neben Deutschland sogar zu den Stützen der Konjunktur in Europa. Mit 54.470 Firmenpleiten ist Frankreich für ein Drittel des Insolvenzgeschehens verantwortlich, Deutschland lediglich für ein Achtel. Doch auch in Frankreich sinken die Pleiten mittlerweile. Konsum und Investitionen befeuern das Wachstum, die Franzosen müssen aber noch den Arbeitsmarkt und das Abgabensystem reformieren.

„Die rückläufige Insolvenzentwicklung ist auch ein Spiegelbild der verbesserten Ertragslage der Unternehmen“, sagt Helmut Rödl, Uni-Professor und Aufsichtsratschef des Informationsdienstleisters Creditreform. „Ein Drittel der westeuropäischen Unternehmen arbeitet sehr profitabel.“

Fast 44 Prozent haben eine Eigenkapitalausstattung von mehr als 50 Prozent. Vor allem in der Baubranche hat sich die Eigenkapitalquote weiter verbessert. „Die wichtigste Säule des Aufschwungs 2017 war die Binnenkonjunktur“, sagt Rödl. Groß sind die Unsicherheiten und deutlich die Inflationstendenzen in Großbritannien – der geplante Brexit schlug schon im Vorjahr auf die Wirtschaft der Insel durch.

Rückgrat zeigen

Indes drohen Europa nun protektionistischen Wirtschafts- und andere Strafmaßnahmen der US-Regierung unter Donald Trump.

„Die EU müsste hier Rückgrat zeigen und dagegenhalten“, sagt Rödl. „Wenn Europa sagt, wir bleiben im Iran-Atomabkommen und die USA verhängen dann Strafen, dann muss man sich sagen, es gibt auch andere Märkte.“ Laut Rödl könnte Europa auf drei Märkte ausweichen: China, Indien und Russland.

„In China kann man die bereits bestehenden Geschäfte noch ausweiten“, sagt Rödl. „Die Marktpotenziale in Indien sind erheblich und auch Russland sollte man wieder mehr in den Fokus rücken. Die Krimfrage kann man, wenn überhaupt, nur durch Verhandeln und Diplomatie, aber nicht durch Sturheit lösen.“