The logo of Swiss insurance group Zurich is seen behind a red traffic light on a building in Bern August 15, 2013. Zurich Insurance Group cautioned that it would be challenged to meet certain performance targets after posting a 27 percent fall in second-quarter net profit due to natural disaster payouts. REUTERS/Ruben Sprich (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS LOGO)

© Reuters/RUBEN SPRICH

Todesfälle
08/27/2013

Erneut Schweizer Manager tot aufgefunden

Der Finanzchef der Zurich Insurance beging wie vor einem Monat der Swisscom-Boss Selbstmord.

In der Schweiz hat zum zweiten Mal innerhalb eines Monats ein Top-Manager Selbstmord begangen. Beim Tod des Finanzchefs des Versicherers Zurich Insurance Group, Pierre Wauthier, sei nach den ersten Ergebnissen einer Obduktion und der Situation am Wohnort von einem Suizid auszugehen, teilte die Kantonspolizei Zug am Dienstag mit. Aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen würden keine weiteren Einzelheiten bekanntgegeben. Wauthier hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Der in der Nähe der Stadt Zug wohnende Wauthier wurde Montag früh tot in seiner Wohnung gefunden. Der Franzose, der auch einen britischen Pass besaß, wurde 53 Jahre alt. Er war nach Tätigkeiten im französischen Außenministerium und bei der Investmentbank JP Morgan 1996 zu Zurich Insurance gekommen. Nach verschiedenen Stationen unter anderem bei der US-Tochter Farmers Group wurde er im Oktober 2011 zum Finanzchef des Versicherers ernannt. Vorläufig übernimmt der Chef des Gruppen-Controlling, Vibhu Sharma, die Aufgabe des Finanzchefs.

Swisscom

Vor einem Monat wurde Carsten Schloter, der Chef des Schweizer Telecom-Konzerns Swisscom ebenfalls am Morgen tot in seiner Wohnung gefunden. Schloter beging Selbstmord. Er wurde 49 Jahre alt.

In den letzten Jahren gab es etliche Aufsehen erregende Fälle

23. Juli 2013: Swisscom-Chef Carsten Schloter wird leblos in seiner Wohnung in Villars-sur-Glane aufgefunden. Die Polizei geht beim Tod des 49-Jährigen von Selbstmord aus

24. November 2011: Der Chef des Bonbon-Konzerns Ricola, Adrian Kohler, setzt seinem Leben im Alter von 53 Jahren ein Ende, nachdem er den Verwaltungsrat über "Unregelmäßigkeiten in seiner persönlichen Geschäftsbesorgung" orientiert hatte.

7. Mai 2011: Der deutsche Industriellenerbe, Fotograf und Kunstsammler Gunter Sachs erschießt sich im Alter von 78 Jahren in seinem Haus in Gstaad. Er hatte befürchtet, an Alzheimer erkrankt zu sein.

7. September 2010: Der ehemalige deutsche Flick-Manager und Industrieberater Eberhard von Brauchitsch und seine Frau Helga, beide 83-jährig, scheiden in Zürich mit Hilfe der Sterbehilfeorganisation Exit aus dem Leben.

22. April 2009: Der Finanzchef des verstaatlichen US-Hypothekengiganten Freddie Mac, der 41-jährige David Kellermann, wird erhängt in seinem Wohnhaus in einem Vorort Washingtons entdeckt.

6. Jänner 2009: Steven L. Good, der 52-jährige Chef von Sheldon Good & Company Auctions International, eines führenden US-Immobilienauktionshauses, nimmt sich in einem Wald bei Chicago das Leben.

5. Jänner 2009: Der deutsche Milliardär Adolf Merckle begeht wegen Millionenverlusten in seinem Unternehmensimperium, zu dem auch der Baselbieter Generikahersteller Mepha gehörte, Suizid.

23. Dezember 2008: Der 65-jährige Franzose Thierry Magon de la Villehuchet, Gründer eines in der Madoff-Betrugsaffäre geschädigten Investmentfonds, wird in seinem New Yorker Büro mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden.

16. Dezember 2008: Der dänische Topbanker Christen Schnor von der HSBC erhängt sich im Alter von 49 Jahren in einer Suite eines Londoner Luxushotels.

3. Dezember 2008: Alex Widmer, einer der bekanntesten Privatbankiers der Schweiz und seit 2007 Chef der Bank Julius Bär, nimmt sich im Alter von 52 Jahren in seiner Villa in Baden das Leben.

Praktikant der Bank of America gestorben

72 Stunden Arbeit ohne Schlaf? Nach dem Tod eines Praktikanten der Bank of America Merrill Lynch in London ist vergangene Woche eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen in der Finanzbranche entbrannt. "Die Ausbeutung der Jugend ist nicht akzeptabel", kritisiert EU-Sozial- und Arbeitskommissar Laszlo Andor. Ben Lyons, Gründer einer Organisation zur Förderung fairer und bezahlter Praktika, sieht vor allem die Personalabteilungen der Londoner Banken in der Pflicht. Sie müssten sich um die Praktikanten kümmern. Politiker fordern die Banken auf, für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter mehr zu tun und vor allem junge, schlecht bezahlte Praktikanten zu schützen. Die Bank of America teilte mit, zunächst die Fakten abzuwarten, bevor eine interne Überprüfung angeordnet werde.

21-Jähriger Deutscher

Der Deutsche Moritz Erhardt war Ende vergangener Woche tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden worden. Der 21-Jährige soll zum Ende seines siebenwöchigen Praktikums in der Investmentbanking-Sparte 72 Stunden ohne Schlaf durchgearbeitet haben. Die Todesursache ist aber noch nicht bekannt. Entsprechende Tests stehen noch aus.

Allerdings: Viele Studenten und Uni-Absolventen sagen selbst, dass sie in ihren Praktika freiwillig extrem lang arbeiten, um sich einen lukrativen Job im Investmentbanking zu sichern. Sie werden vor allem von den noch immer guten Einstiegsgehältern in der Finanzbranche angelockt. Auch wenn die Boni vieler Banker mittlerweile gedeckelt sind, bieten die Häuser noch immer viel Geld. Die Einstiegsgehälter sind rund ein Fünftel höher als in der Realwirtschaft.

Selbst wenn es keine dringend zu erledigende Arbeit gebe, schreibe die Kultur vor, lange im Büro zu bleiben, sagt ein Ex-Praktikant von Merrill Lynch, der sich durch sein Engagement einen Job gesichert hat, diesen aber aus gesundheitlichen Gründen nach einem Jahr wieder kündigte. "Du brauchst ein Jahr bis 18 Monate, um zu merken, dass es das einfach nicht wert ist." Man brauche zwingend einen Ausgleich, ergänzt der Ex-Praktikant, der mittlerweile als Projektmanager in der Modebranche arbeitet.

Ein früherer Praktikant von Goldman Sachs, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden wollte, berichtet, er habe bei der Investmentbank in New York im Sommer 2012 im Schnitt 18 Stunden am Tag gearbeitet - inklusive beider Tage am Wochenende. In einer Woche habe er drei Nächte durchgearbeitet und das Büro nur verlassen, um kurz zu duschen, seine Anzüge zu wechseln und für eine Stunde im eigenen Bett zu schlafen. Goldman Sachs wollte sich dazu nicht äußern.

Viele Praktikanten sagen aber, man habe sie nie zu so langen Arbeitszeiten genötigt. "Die Leute zwingen sich selbst dazu, weil sie ein Angebot der Bank wollen und die Chance auf eine große Karriere und viel Geld", sagt ein Ex-Mitarbeiter einer US-Großbank. Dies werde sich so schnell nicht ändern. Professor Andre Spicer von der Cass Business School in London fordert dagegen, Firmen müssten genau diese Kultur verändern, wenn sie als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen werden wollten.

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