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Wirtschaft
12/05/2011

Eine klassische Karriere

Schwerpunkt: China (Teil 9) Der Chefdirigent des Nationalen Symphonie-Orchesters hat in Wien den Grundstein für seine Laufbahn gelegt.

Pam, pampam. Li Xincao ist hoch konzentriert, spornt seine Musiker an, die heiklen Passagen noch einmal, noch genauer zu präsentieren. Der erste Geiger lächelt verlegen. Lis strenge Blicke gelten ihm. Der Chefdirigent kratzt sich am Kopf, schwingt den Stock. Lässt die Arme fallen und erklärt zum fünften Mal, wie er die Töne haben will. Die klingen für einen Laien ohnehin schon sehr gut. Und für jemanden aus Wien gerade so, als wäre man gar nicht weit von zu Hause fort: Mitten in Peking, in einem der Proberäume des neuen Nationaltheaters, muss das Orchester des Hauses die Fledermaus von Johann Strauß einstudieren.

Später, bei der Generalprobe, ist schließlich alles auch für den Profi perfekt. Das Publikum applaudiert. Es hat dank der chinesischen Übersetzung via elektronischer Anzeigetafel den Witz der Operette verstanden. Die Musik sorgt offenbar auch so über kulturelle Grenzen hinweg für die viel beschworene Harmonie. Chinesen lieben klassische Musik - vor allem, wenn der Dirigent sein Handwerk in Wien gelernt hat.

Erste Lektion

"Es war schon als Kind mein Traum, dort zu studieren", erzählt Li Xincao dem KURIER. Der 40-Jährige kann sich noch genau daran erinnern, wie er 1996 das erste Mal nach Wien gekommen ist - ohne Sprachkenntnisse. "Ich hatte ein wenig Angst, wollte aber unbedingt gleich sehen, wo ich gelandet bin." Der junge Mann hatte sich sorgfältig die Straße notiert, in der er wohnte: "Einbahn". Nach ein paar Metern kam er drauf, dass das so nicht ganz stimmen konnte. Das stand ja überall. "Bei uns stehen Straßennamen auf einem Schild. In Wien an den Hauswänden", lacht er schallend über seine erste Lektion, der noch etliche folgen sollten: Die ersten Monate hat Li Xincao jeden Tag Deutsch gelernt. Nicht nur, um sich besser zu orientieren. "Das ist auch wichtig für meine Musik." Die Erfolge kamen schnell. Auch beim Dirigieren. Tagsüber studieren, abends als Abwäscher in einem Chinarestaurant Geld verdienen. Es war schwer.

Wenn er traurig war oder sehr allein, hat er sich eine günstige Stehplatz-Karte für die Oper gegönnt. "Das habe ich geliebt. Das hat mich wieder glücklich gemacht." Sobald Li in seinem mit Partituren und Büchern vollgestopften Zimmer war, kam die große Aufgabe, der er sich stellen wollte, geballt zurück.

Angebote

Als Neunjähriger hatte Li eine Kassette gefunden, auf der jemand erzählte, wie Beethoven nach Wien gereist war. Auch seine Musik war darauf interpretiert. "Das war das erste Mal, dass ich von dieser Stadt gehört habe. Von dem Tag an habe ich nie mehr aufgehört, mir vorzustellen, selber dort zu sein." Etliche Angebote in die USA hat er als Student deshalb abgelehnt. Es hat sich gelohnt.

Nach der Uni kam das Angebot, das Nationale Symphonie-Orchester, das renommierteste Chinas, zu leiten. Wie sehr Li seine Lehrjahre, "die Kultur, die Menschen, die Landschaft" schätzt, zeigt sich bis heute: "Jedes Jahr fliege ich mit Frau und Tochter nach Wien und wir fahren von dort aus weiter in das Salzkammergut."

Studenten: Musik lockt nach Wien

Musikstadt Wien ist ein beliebtes Ziel für chinesische Musikstudenten. Derzeit studieren 200 Chinesen und Taiwanesen auf den Wiener Musikhochschulen und an der Universität. Das Salzburger Mozarteum hatte zuletzt 38 Musikstudenten aus China.

Österreich Insgesamt gibt es fast 1400 chinesische Studenten in Österreich; damit belegen sie Platz 1 der außereuropäischen Studenten. Neben musikalischen Fächern sind auch BWL und technische Studien gefragt. Die Möglichkeit für Stipendien und auch Abkommen zwischen China und Österreich erleichtern den Studentenaustausch.

China Für ein Auslandsstudium in China entscheiden sich jährlich rund 300 Österreicher. Für die Vermittlung chinesischer Kultur und Sprache ist das Konfuzius-Institut an der Universität Wien eine erste Anlaufstelle: Tel.: +43 1 4277 241-50

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