EasyJet-Maschine.

© APA/AFP/PHILIPPE HUGUEN

Klassenkampf
10/04/2019

Easyjet-Chef fordert höhere CO2-Steuer für Passagiere der 1. Klasse

Eine feste Steuerhöhe für alle Tickets bringe keinerlei Anreiz, effizienter und umweltfreundlicher zu fliegen, meint EasyJet-Chef Lundgren.

Flugzeug-Passagiere in der Ersten oder Business-Klasse sollten nach Ansicht des Chefs der britischen Fluglinie Easyjet, Johan Lundgren, eine höhere CO2-Abgabe zahlen. "Der größere Platz für einen Passagier in der Ersten Klasse oder Business-Klasse im Flugzeug bedeutet, dass auf ihn rechnerisch mehr CO2-Emissionen entfallen. Das sollte bei der Luftverkehrsabgabe berücksichtigt werden", sagte Lundgren der Zeitung "Welt" (Freitagsausgabe).

Die jüngst beim Klimagipfel der deutschen Regierung verkündete Steueranhebung sei falsch, sagte Lundgren demnach. "Eine feste Steuerhöhe, also eine Flat-Steuer, bringt keinerlei Anreiz, effizienter und umweltfreundlicher zu fliegen", sagte Lundgren. Traditionelle Fluggesellschaften würden zum Teil nur mit 70 oder 80 Prozent Belegung der Sitzplätze fliegen, während Easyjet mit einer durchschnittlichen Auslastung von 92 Prozent unterwegs sei. Lundgren hält es daher für sinnvoller, auf eine Kerosinsteuer zu setzen, "weil das den Einsatz effizienter Flugzeuge fördert".

Das deutsche Bundeskabinett will in der kommenden Woche die Langfassung des Klimaschutzpakets der Regierung beschließen. Änderungen der Luftverkehrsabgabe sollen zum Jahreswechsel in Kraft treten.

EasyJet an Thomas Cook interessiert

Der britische Billigflieger Easyjet hat nach Worten seines Chefs Johan Lundgren womöglich Interesse an Teilen des insolventen Reise- und Fluganbieters Thomas Cook. Die deutsche Thomas-Cook-Airline Condor ist davon aber ausgenommen.

"Wir haben nicht das Gefühl, dass wir etwas machen müssten", sagte Lundgren in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit "Welt"-Online auf die Frage, ob Easyjet Interesse an einem Einstieg bei Condor habe. "Unser Hauptfokus liegt auf organischem Wachstum." Gleichwohl schloss Lundgren nicht aus, Geschäftsteile aus dem sonstigen Netzwerk des pleite gegangenen Reisekonzerns zu übernehmen. "Natürlich werden wir uns, wie alle Fluggesellschaften und Reiseunternehmen, anschauen, was aus dem Thomas-Cook-Netzwerk für uns von Interesse sein könnte", sagte Lundgren.

Condor hat sich mit einem Schutzschirmverfahren in Deutschland vom Mutterkonzern abgespalten, um nicht mit in die Pleite gerissen zu werden. Die deutsche Regierung und das Land Hessen wollen dem Ferienflieger mit einem Brückenkredit von 380 Millionen Euro die Stange halten, damit neue Investoren gefunden werden können.

Die schon länger schwelende Krise von Thomas Cook habe Easyjet schon genützt, erklärte Lundgren weiter. Mit Easyjet-Hotels bietet die Fluggesellschaft seit dem vergangenen Jahr auch Pauschalreisen an. "Wir haben bereits im Sommer davon profitiert, dass es Hotels gab, die mit uns zusammenarbeiten wollten, weil sie nicht sicher waren, wie die Zukunft mit Thomas Cook aussieht."

Easyjet hatte im vergangenen Jahr einen Teil von Air Berlin übernommen und ist seither Platzhirsch am Flughafen Berlin Tegel. Das hatte den Briten 2018 einen Verlust von 171 Millionen Euro eingebrockt. In diesem Sommer habe sich das Geschäft aber verbessert, sodass für dieses Jahr ein geringerer Verlust zu erwarten sei.

Die in Deutschland geplante Erhöhung der Luftverkehrsabgabe hält Lundgren grundsätzlich für falsch. Er sprach sich aber dafür aus, dass auf Flüge in der ersten Klasse oder der Businessklasse wegen des größeren Platzverbrauchs eine höhere Abgabe erhoben werden sollte. Sinnvoller wäre es aber, eine Kerosinsteuer einzuführen, weil das den Einsatz effizienterer Flugzeuge fördere.

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