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Wirtschaft
08/23/2019

E-Bikes verändern das Stadtbild

Der Boom bei E-Bikes hält an. Vor allem elektrische Lastenräder dürften in drei bis vier Jahren den urbanen Raum beheerrschen.

von Thomas Pressberger

Der Fahrradmarkt boomt wie selten zuvor, die Absatzzahlen schnellen vor allem dank E-Bikes in lichte Höhen. Vor zehn Jahren galten sie als Versehrtengerät, heute reißen sich sogar Junge und Sportler um die auch Pedelecs genannten Fahrräder. Das bringt auch neue Herausforderungen und Berufsbilder mit sich.

Bei den jüngsten Ordertagen in Wels, die der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) und die ARGE Fahrrad organisiert haben, wurde augenfällig, wohin die Reise mit Zweirädern in Zukunft geht. Bei den Ordertagen zeigt die Industrie ihre neuesten Modelle, die Händler bestellen für das nächste Jahr.

Handy und Rad verschmelzen

Hans-Jürgen Schoder, Sprecher der ARGE Fahrrad, sieht drei Trends: Die Integration der elektronischen Teile in das Fahrrad nimmt zu. Der Motor wird immer besser im Tretlager versteckt, der Akku wandert in den Rahmen und von der Verkabelung ist fast nichts mehr zu sehen.

Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. Das Handy wird stärker mit dem Fahrrad verbunden, die Bedeutung des Radcomputers nimmt ab. Einstellungen am Gerät werden über das Handy erledigt, auch die Schaltung wird digitaler. Das Fahrrad soll Teil der Mobilitätswende werden, sagt Schoder. E-Lastenräder würden derzeit eine geringe Rolle spielen, in drei bis vier Jahren würden sie jedoch das Stadtbild verändern.

Plädoyer für „Job-Rad“

Hier sei die Politik gefordert, die nötige Infrastruktur bereitzustellen. Vorarlberg sei ein Vorreiter, in Städten wie Wien und Linz gebe es noch Aufholbedarf. „Wenn bis 2030 wie geplant der Anteil des Radverkehrs von sieben auf 13 Prozent gesteigert werden soll, muss etwas passieren“, sagt Schoder.

Eine Möglichkeit sei, dass Fahrräder im gewerblichen Bereich vorsteuerabzugsfähig werden. Auch ein Job-Fahrrad sollte angedacht werden. In Deutschland sei dies bereits viel verbreiteter als in Österreich – der Arbeitgeber stellt den Mitarbeitern Fahrräder zur Verfügung oder hilft bei der Finanzierung.

Komplizierte Technik

Um die gesteckten Ziele bis 2030 zu erreichen, sollten laut Schoder auch Pendler zum Umstieg auf das E-Bike motiviert werden. Erste Projekte laufen bereits. Damit Fahrradfahrer oder Unternehmen im Falle einer Panne – vor allem mit den wesentlich komplizierter zu reparierenden E-Bikes – nicht alleingelassen werden, sind mobile Radwerkstätten angedacht. Die Fahrräder werden abgeholt, repariert oder gewartet, und wieder zu den Besitzern zurückgebracht.

Um der neuen und komplexeren Technik Herr zu werden, braucht es neue Berufsbilder, denn Fahrradmechaniker kämpfen zunehmend mit der neuen Technik. „Eine Ausbildung in Fahrrad-Mechatronik ist wichtig, es ist schwer, gut ausgebildete Leute zu bekommen“, sagt Schoder. Ab 2021/’22 soll es hierfür einen offiziellen Lehrberuf geben. Als zweiten Lehrberuf wird der Sportartikeltechniker geschaffen. Dieser soll beim Verkauf den Kunden unter anderem die Apps erklären oder das E-Fahrrad richtig einstellen können.

Österreich im Spitzenfeld

Der Fahrradabsatz ist in Österreich 2018 um zehn Prozent auf 457.000 Stück gestiegen, das E-Bike war dabei ein Zugpferd. 570 Millionen Euro wurden umgesetzt, der Durchschnittspreis lag bei 1.265 Euro, ein E-Fahrrad kostet im Durchschnitt 2.698 Euro. Das Wachstum wird vor allem vom E-Mountainbike getragen. Fahrräder machen mittlerweile 20 Prozent des gesamten Sporthandels aus und bringen damit mehr Umsatz als der Ski-Bereich.

Österreich liegt mit einem E-Bike-Anteil von 33 Prozent im europäischen Spitzenfeld. Davor liegen nur Belgien mit 45 Prozent und die Niederlande mit 40 Prozent.

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