Wirtschaft
02.05.2018

Die Packerlschupfer von DPD: Besuch im größten Paketzentrum Europas

Täglich werden im zentralen Hub des Paketdiensts DPD bei Birmingham 750.000 Sendungen umverteilt.

Die Arbeit ist anspruchsvoll. 18 Uhr, mitten in einer riesigen Halle in der mittelenglischen Stadt Hinckley, rund 40 Kilometer von Birmingham entfernt. Noch ist es relativ ruhig, nur wenige Arbeiter sind zu sehen. Doch nur wenige Minuten später ertönt eine Sirene, Warnleuchten beginnen zu blinken, und lange Förderbänder setzen sich in Bewegung.

Kurz darauf fahren die ersten Pakete auf der 4,2 Kilometer langen Anlage und werden automatisch je nach Bestimmungsort weitergeleitet. „In jeder Nacht werden im Durchschnitt 750.000 Pakete sortiert“, erklärt der oberste Manager James Richards. Spitzenwerte gab es im Vorjahr am Cyber Monday mit 1,4 Millionen bzw. am Black Friday (1,2 Millionen). Damit ist der Superhub von DPD das größte Paketzentrum Europas.

640 Beschäftigte

Rund 640 Mitarbeiter (davon 300 Fahrer) sind seit Eröffnung 2015 in dem Objekt tätig. Die Arbeit ist anspruchsvoll, da zum einen der Betrieb nur nachts läuft (tagsüber werden Instandhaltungs- und Reinigungsarbeiten durchgeführt, nur in der Weihnachtsnacht ruht der Betrieb). Zum anderen müssen die teilweise schweren und sperrigen Waren händisch aus den ankommenden Lkw auf die Förderbänder gelegt und anschließend wieder in die abfahrenden Laster geschichtet werden.

„Wir suchen immer Mitarbeiter“, sagt Richards. Überraschenderweise sind relativ viele Frauen in der Anlage tätig. „40 Prozent der Mitarbeiter sind weiblich“, klärt Richards auf, „so schwer ist die Arbeit nicht, wie es aussieht.“ Dass eines Tages Roboter diese Tätigkeiten verrichten werden, glaubt er nicht. „Wir werden für diese Arbeit immer Menschen brauchen.“

Mehr als 40.000 Pakete gehen täglich in 20 Länder Europas, darunter auch Österreich. Dass der Betrieb durch den Brexit leiden könnte, glaubt Richards nicht. „Es werden sich neue Gelegenheiten bieten.“ In der Tat plant DPD bereits für 2020 die Erweiterung des 13,4 Hektar großen Superhubs.

Hub Linz

Auch im österreichischen Paketzentrum von DPD in Linz-Hörsching, wo die Pakete aus Hinckley ankommen und erneut sortiert werden, steht 2019 die nächste Erweiterung an. „Das ist dann aus Platzgründen der letzte mögliche Schritt an dem Standort“, sagt Rainer Schwarz, Geschäftsführer von DPD Österreich. Zwar werde in Linz nur rund ein Achtel der Paketmenge Hinckleys abgewickelt, dennoch sei es der größte Paketumschlagplatz Österreichs.

Die Zahl der transportierten Pakete stieg im Vorjahr um 6,2 Prozent auf 46,5 Millionen, wobei – sofern es die Logistik zulässt – die Pakete nicht über eines der drei Hubs im Land, sondern direkt an den Zielort geliefert werden. „Je weniger Hubs, desto geringer sind die Kosten“, so Schwarz. Ohnehin kämpfe die Branche seit Jahren mit einem hohen Preisdruck. Billiger sei es auch, Pakete an eine der 1200 Stationen (32.000 in ganz Europa) zu bringen als direkt an den Empfänger. „80 Prozent der Österreicher wollen aber ihre Pakete nach Hause geliefert bekommen“, erzählt Schwarz. In anderen Ländern wie etwa Frankreich sei dieses Verhältnis umgekehrt.

Ob Drohnen eines Tages die Zustellung verändern werden? „Ich liebe das Thema“, sagt Schwarz, „weil es die Branche ins Rampenlicht gebracht hat.“ Realistisch betrachtet werde es aber ein Nischenthema bleiben, zu „hunderttausenden Drohnen“ am Himmel werde es nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen nie kommen.

Hinweis: Der KURIER war auf Einladung von DPD in Hinckley.

DPD - zweitgrößter Paketdienstleister Europas

DPD Austria (Direct Parcel Distribution) ist Teil der dpdgroup, dem zweitgrößten Paketdienstleister Europas. 1988 als erster privater Paketdienst  gegründet, stützt sich DPD Austria auf die Logistikinfrastruktur seiner Gesellschafter (die Speditionen Gebrüder Weiss, Lagermax und Schachinger).  Weiterer Anteilseigner ist mit 25,5 Prozent die  französische Post-Tochter GeoPost.

In Österreich beschäftigt DPD 1700 Mitarbeiter und verfügt über 1000 Fahrzeuge. Weltweit beförderte  DPD 2017 rund 1,2 Mrd. Pakete und erzielte 6,8 Mrd. Euro Umsatz (in Österreich 184 Mio. Euro).