© REUTERS/Kai Pfaffenbach

Wirtschaft
07/07/2019

Deutsche Bank: Sanierung kostet 7,4 Milliarden Euro- 18.000 Jobs weg

Die Deutsche Bank muss sanieren. Zuletzt brach das sogenannte Investmentbanking ein. Mit dramatischen Folgen.

Die Deutsche Bank wird saniert. Der Konzernumbau wird bis Ende 2022 voraussichtlich 7,4 Mrd. Euro kosten, teilte der Dax-Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung am Sonntag in Frankfurt mit. Wegen der Kosten für den Umbau schreibt die größte deutsche Bank im zweiten Quartal einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro nach Steuern. Rund 18.000 Stellen fallen den Schrumpfkur zum Opfer. Die Bank wird damit nach dem Umbau noch rund 74.000 Vollzeitstellen haben.

Manager werden ausgetauscht

Der Vorstand wird grundlegend umgebaut. Privatkundenchef Frank Strauß und die für Regulierungsthemen zuständige ehemalige Bankenaufseherin Sylvie Matherat verlieren ihre Posten. Bereits am Freitag hatte die Bank bekanntgegeben, dass Investmentbankchef und Konzernvize Garth Ritchie das Institut zum 31. Juli verlassen wird. Ihre frei werdenden Posten werden im Zuge interner Rochaden beziehungsweise von außen nachbesetzt.

Rückzug aus Aktiengeschäft

Konzernchef Christian Sewing hatte bei der Hauptversammlung im Mai „harte Einschnitte“ angekündigt. Schon damals war klar, dass das seit zwei Quartalen verlustreiche Kapitalmarktgeschäft dabei im Fokus stehen würde.

Am Sonntag teilte die Bank mit, dass sie sich aus dem Aktienhandelsgeschäft zurückziehen wird. Darüber hinaus soll das Handelsgeschäft, insbesondere der Handel mit Zinsprodukten, angepasst werden. Um Bilanzpositionen in Höhe von 74 Milliarden Euro aus diesen Geschäftsfeldern abzuwickeln, gründet die Bank eine interne sogenannte „Bad Bank“.

Sewing hatte im Mai gesagt, die Bank werde „konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche“ ausgerichtet, die für die Kunden besonders wichtig seien. „Wir haben immer noch zu hohe Kosten, die wir nicht direkt einer Leistung für unsere Kunden zuordnen können.“

„Müssen noch schneller und radikaler umbauen“

Zum Investmentbanking gehört beispielsweise die Beratung von Firmen bei Börsengängen oder Übernahmen sowie der Handel mit Wertpapieren und Devisen. Im sogenannten Transaction Banking, das Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen umfasst, zählt die Deutsche Bank zur Weltspitze.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Deutsche Bank ihren ersten Jahresgewinn seit 2014. Doch das erste Quartal des laufenden Jahres zeigte, wie angespannt die Lage nach wie vor ist: Die Deutsche Bank verdiente in den drei Monaten gerade einmal 201 Millionen Euro, während die US-Konkurrenz Milliardengewinne einfuhr.

Vom Goldesel zum Schuldenbringer

In den Jahren vor der Finanzkrise 2007/2008 war das Investmentbanking zeitweise eine Goldgrube für die Deutsche Bank. Die Sparte steuerte den Löwenanteil zum Konzerngewinn bei. Doch die Krise offenbarte die Schattenseiten vieler Geschäfte: Über Jahre musste sich der DAX-Konzern danach mit Klagen und Geldwäscheskandalen herumschlagen und zahlte etliche Milliarden an Geldstrafen.