Wirtschaft
07.06.2018

Demmer gibt Tee und Trzesniewski-Brote aus der Hand

Wiener Unternehmerfamilie trennt sich von Demmer Tee und Trzesniewski-Brötchen.

Das „R“ in Trzesniewski spricht man nicht aus, korrigiert Andrew Demmer noch immer geduldig jeden, der den Namen seines Belegte-Brötchen-Unternehmens falsch ausspricht. 1978 hat der Wiener Geschäftsmann mit britischen Wurzeln den Betrieb von der polnischen Firmengründerin Maria Trzesniewski übernommen. Die Dame hatte keine Nachkommen, „das Unternehmen war ihr Kind“, sagt Demmer. Jahrelang hätte er ihr Blumen gebracht, bis er sie endlich überzeugt hatte, dass er gut für ihr „Kind“ sorgen würde. Zudem musste er eine Prüfung bestehen, erläutert er schmunzelnd: „Zehn Mal hintereinander fehlerfrei ’Trzesniewski’ sagen.“

Aufstrich und Tee

In den vergangenen 40 Jahren hat Demmer das Unternehmen auf eine Gruppe mit elf Standorten und einen Jahresumsatz von knapp sechs Millionen Euro ausgebaut. Im 23. Wiener Gemeindebezirk werden die Aufstriche produziert – und dabei unter anderem zwei Millionen Eier verarbeitet. Danach kommen die Aufstriche in die Filialen, wo sie Tag für Tag auf Brote des Wiener Bäckers Mann geschmiert werden. Etwa die Hälfte der Brote geht ins Catering.

Demmer wird das künftig nur noch aus der Ferne beobachten. Er übergibt die Firma an das Management. So wie auch jenes seines Teehauses Demmer, zu dem nicht nur die vier eigenen Filialen, sondern auch 20 Franchise-Standorte gehören.

Seine vier Kinder hätten zwar alle zumindest als Ferialpraktikant in einem der Unternehmen gearbeitet, ein Sohn sogar für Demmer in Indien. Letztlich hätten sie aber andere Berufswege eingeschlagen, erzählt der 72-Jährige ohne Wehmut.

Auf die Frage, ob es leichter ist, mit Tee oder mit belegten Broten Geld zu verdienen, sagt Demmer wie aus der Pistole geschossen: „In der Gastronomie. Da ist mit einer großen Wahrscheinlichkeit am Abend alles verkauft. Man hat einen hohen Umschlag bei geringen Lagerkosten.“ Im Teegeschäfte (rund vier Millionen Euro Umsatz) habe er sich bei der Fracht immer wieder die Finger verbrannt.

Die beiden Unternehmen erwirtschafteten zusammengenommen zuletzt 800.000 Euro Gewinn vor Steuern.