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Wirtschaft
08/14/2019

Debit, Kredit oder Maestro? Kartenzücken voller Tücken

Kartenvielfalt und höhere Sicherheitsstandards überfordern viele Konsumenten - und Händler. Worauf ist zu achten?

von Anita Staudacher

Wie funktioniert das jetzt mit den Karten? Erste Bank und Sparkassen verschicken derzeit 1,4 Millionen Mastercard Debitkarten an ihre Kunden und sorgen damit für Verunsicherung.

Schließlich lösen die neuen Karten die seit Jahrzehnten gewohnte und bewährte Maestro-Bankomatkarte ab, obwohl deren Gültigkeit bei vielen Kunden noch gar nicht abgelaufen ist.

Der Kartentausch ist nur eine von vielen Maßnahmen, die aufgrund neuer Regularien auf Bankkunden zukommen. Der KURIER fasst die wichtigsten Fragen zusammen:

Warum heißt die Bankomatkarte jetzt Debitkarte?

Der Vereinheitlichung wegen. Eine EU-Richtlinie besagt, dass Bankkarten, die beim Bezahlen eine direkte Abbuchung vom Konto veranlassen, als Debitkarten zu bezeichnen sind. Karten mit einem späteren Zahlungszeitpunkt heißen Kreditkarten.

Ist nicht auch die Maestro-Bankomatkarte eine Debitkarte?

Ja, sie ist sogar die meist verbreitete Debitkarte weltweit. Bei Maestro handelt es sich um eine Marke des US-Kreditkartenanbieters Mastercard. Bei Konkurrent Visa heißt die Debitkarte V-Pay. Nachteil der Maestro-Karte ist, dass damit nur eingeschränkt im Internet bezahlt werden kann.

Die für Online-Transaktionen weiterentwickelte Debit Mastercard verfügt über einen 16-stellige Kartennummer auf der Vorderseite und kann daher als Alternative zur Kreditkarte verwendet werden. PIN-Code, Konditionen und Kartenlimits bleiben unverändert.

Was ist der Unterschied zwischen Debit- und Kreditkarte?

Bei der Kreditkarte erhält der Kunde einen Kredit, der in der Regel einmal monatlich beglichen wird. Bei der Debitkarte (lat. debere, schulden) wird das Konto sofort belastet.

Kreditkarten bieten ferner Extra-Leistungen wie Reiseversicherungen, Zugang zu Airport-Lounges, exklusive Gourmetservices oder Bonusprogramme.

Werden auch andere Banken die Maestro- Bankomatkarten austauschen?

Jedenfalls nicht sofort. UniCredit Bank Austria und Raiffeisen warten vorerst ab, die Bawag setzt auf die V-Pay von Visa. Hintergrund der Umstellung ist die zunehmende Konkurrenz durch FinTechs wie N26 oder Apple, deren digitale Zahlungslösungen am Smartphone auf Debit- und Kreditkarten basieren.

Wird die Debit Mastercard schon überall akzeptiert?

Im stationären Handel sollten anfängliche Probleme weitgehend behoben sein, heißt es bei der Erste Bank. Auch kontaktloses Bezahlen mittels NFC-Funktion ist nach erstmaligem Einstecken in das Lesegerät möglich.

Einzelne Problemfälle seien aber nicht ausgeschlossen. Händler, die ältere Bezahlterminals verwenden, müssen Software-Updates einspielen. Auch die meisten Zigarettenautomaten (Altersangabe) sollten schon umgestellt sein.

Noch nicht möglich ist die Bargeldbehebung bargeld2go bei Billa. In zwei bis vier Wochen sollte es soweit sein. Im Internet hängt die Akzeptanz vom Online-Shop ab, die Verbreitung in Österreich ist ausbaufähig.

Wie sieht es mit den Gebühren aus?

Wer Bargeld im Inland abhebt, sollte die Debitkarte verwenden, da bei der Kreditkarte Gebühren anfallen. Im Nicht-EU-Raum sind sowohl Kartenzahlung als auch Bargeld abheben mit hohen Spesen verbunden. Einen Überblick bietet die Arbeiterkammer unter bankenrechner.at

Ab 14. September gelten in der EU höhere Sicherheitsstandards bei Online-Zahlungen. Was bedeutet das für mich?

Die EU-Zahlungsdiensterichtlinie schreibt dann eine Zwei-Faktor-Authentifizierung vor, dh. ein Kunde muss sich bei Bezahlung via Internet doppelt identifizieren – etwa mit Passwort und Transaktionsnummer am Smartphone.

Die Banken stellen derzeit ihr Online-Banking-System auf ein höheres Level (z.B. s-Identity) um, auch Kredit- und Debitkarten müssen die Vorgaben erfüllen. Im Schadensfall haftet dafür die Bank. Bernd Lausecker, Bankenexperte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), kritisiert die „Zwangsbeglückung“ der Kunden mit bestimmten Systemen, die rein auf Smartphone-Nutzung beruhen.

Hier müsste es mehr kostenlose Alternativen geben. Es seien auch noch viele Fragen rund um die 2-Faktor-Authentifizierung ungelöst. Nicht nur viele Konsumenten, auch Online-Händler tappen im Dunkeln.

Wird der September-Termin verschoben?

Laut Finanzmarktaufsicht erhalten die Händler einen Aufschub für die Umsetzung. Wie lange, wird demnächst entschieden. „Wenn das Bezahlen nicht funktioniert, wird es viele Kaufabbrüche geben“, fürchtet Rainer Will vom Handelsverband. "Wir weisen bereits seit Monaten auf die kurze Umsetzungsfrist hin und haben durch Gespräche mit Stakeholdern erfreulicherweise einen Aufschub erwirken können. Nun zählt die Planbarkeit", so Will.

Wie viele Karten sind in Österreich überhaupt im Umlauf und wie wird im Web bezahlt?

In Österreich gibt es etwa zehn Millionen Maestro-Bankomat- und 3,3 Millionen Kreditkarten. Im Internet werden rund 35 Prozent der österreichischen Einkäufe mit Kreditkarte gezahlt, der Rest auf Rechnung, mit PayPal oder per Direktabbuchung vom Konto.