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Wirtschaft

Coronakrise bereitet Entsorgern Sorgen

Branche will 70-Millionen-Euro-Paket. Kommende Woche Runder Tisch um PET-Einwegpfand.

von Wolfgang Unterhuber

05/29/2020, 05:00 AM

Die Altstoff Recycling Austria (ARA) schlĂ€gt wegen der Corona-Krise Alarm: Die sogenannte Kreislaufwirtschaft mit ihren Sammel- und Verwertungssystemen stehe vor dem Kollaps. „Derzeit werden jene Mengen entsorgt, die durch die HamsterkĂ€ufe im MĂ€rz und die gestiegenen Onlinebestellungen anfallen“, sagt ARA-Vorstandssprecher Christoph Scharff.

Das Problem: Die Nachfrage nach fertig verarbeiteten SekundĂ€rrohstoffen wie etwa Kunststoffen fĂŒr die Industrie sei gleichzeitig wegen der Rezession eingebrochen. Zehntausende Tonnen Material mĂŒssten bereits zwischengelagert werden, weil sie keinen Abnehmer fĂ€nden, ergĂ€nzt Vorstand Werner Knausz. Selbst wenn die Konjunktur bald wieder voll anspringen sollte, wĂŒrde es gut eineinhalb Jahre dauern, bis die jetzt ĂŒberschĂŒssigen Mengen abgebaut wĂŒrden.

Die ARA fordert daher fĂŒr die Branche ein 70-Millionen-Euro-Hilfspaket. Man sei schon in GesprĂ€chen mit der Politik. Wobei die Zeit drĂ€nge. Knausz spricht von 14 Tagen. Der Ball liege nun im Umwelt- und Energieministerium von Leonore Gewessler (GrĂŒne).

Dort hĂ€lt man in einer Stellungnahme gegenĂŒber dem KURIER fest: „Der anfĂ€nglich zurĂŒckgegangene Anteil an GewerbeabfĂ€llen nimmt mit der schrittweisen Öffnung zahlreicher Wirtschaftsbetriebe wieder an Fahrt auf, ebenso wie die AbfĂ€lle aus dem Bauwesen.

Im Bereich der getrennten Sammlung von Wertstoffen sind ebenso keine derart relevanten RĂŒckgĂ€nge zu verzeichnen, die auf eine Bedrohungslage schließen lassen.“ Im speziellen Fall könnten aber Unternehmen auf die bisherigen „umfangreichen Maßnahmen und Hilfspakete“ zurĂŒckgreifen.

Runder Tisch zu Einwegpfand

Am kommenden Dienstag werden sich jedenfalls Vertreter der Branche und Ministerin Leonore Gewessler bei einem Runden Tisch begegnen. Dabei geht es aber nicht nur um ein Hilfspaket, sondern um die Debatte, ob ein Einwegpfandsystem fĂŒr PET-Flaschen eingefĂŒhrt werden soll. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie. Europaweit muss bis 2030 mehr MĂŒll recycelt werden. In Österreich wird zu wenig Kunststoff gesammelt. Laut Scharff muss man wegen der Richtlinie das gesamte Kunststoffrecyclingsystem in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahre verdoppeln.

Was die PET-Flaschen angeht: Hier werden je nach Angaben 70 bis 76 Prozent zur Wiederverwertung den Sammelsystemen zugefĂŒhrt. 90 Prozent mĂŒssen es in neun Jahren sein. Die Idee: Konsumenten, die einen Pfand auf Plastikflaschen fĂŒr etwa Mineralwasser und Limonade entrichten mĂŒssen, sind eher bereit, diese wieder zurĂŒckzutragen.

Bei der ARA hĂ€lt man nichts davon. „Wir sind auf der Suche nach 90.000 Tonnen Steigerung im Bereich des Recyclings von Kunststoffverpackungen, um die EU-Ziele zu erreichen. PET-Flaschen bringen neun Prozent davon.“ Das derzeitige Sammelsystem koste 100 Millionen Euro. Durch das Einweg-Pfand mĂŒsse man ein Parallelsystem schaffen, das weitere 30 Millionen koste.

Im Ministerium will man sich dazu im Vorfeld nicht Ă€ußern. Ende JĂ€nner wurde jedenfalls eine Studie prĂ€sentiert, die das Einwegpfandsystem empfiehlt. Anfang MĂ€rz wurde eine weitere Studie prĂ€sentiert. In dieser sprechen sich 83 Prozent fĂŒr ein Pfandsystems aus. Wenn die Wirtschaft die Kosten trĂ€gt.

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