Die Deutsche Bahn will auf gr├╝ne Energie umsteigen

┬ę APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
12/06/2020

Corona-Strategie der Deutschen Bahn wackelt

Vor der Coronakrise gab der Staat eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 vor - Im Aufsichtsrat gibt es nun grundlegende Bedenken.

Nach dem beispiellosen Einbruch der Fahrgastzahlen bei der Deutschen Bahn werden Zweifel an der langfristigen Strategie des Konzerns laut. "Die Pandemie hat katastrophale wirtschaftliche Folgen", sagte der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Klaus-Dieter Hommel, der Vize-Chef des Bahn-Aufsichtsrats ist. "Die bisher geplante Verdopplung der Reisenden im Fernverkehr bis 2030, ein wesentliches Ziel der "Starken Schiene", ist nicht mehr realistisch."

Unter "Starke Schiene" firmiert seit 2019 die ├╝bergreifende Strategie des Konzerns. Das Bundesunternehmen zog damit einen Schlussstrich unter fr├╝here internationale Expansionspl├Ąne. Alles, was die Bahn tut, soll sich auf die St├Ąrkung der Eisenbahn in Deutschland ausrichten.

Zu den Zielen z├Ąhlt es, die Fahrgastzahl im Fernverkehr auf mehr als 260 Millionen im Jahr zu erh├Âhen. Das w├Ąre doppelt so viel wie 2015. Im Regionalverkehr werden eine Milliarde zus├Ątzliche Fahrg├Ąste angestrebt - im vergangenen Jahr waren es knapp 2,5 Milliarden. Im G├╝terverkehr soll die Transportleistung um 70 Prozent wachsen.

"Die Bedingungen der Zeit vor Corona werden nicht mehr wiederkommen", sagte Hommel zur Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Die Hoffnung, dass die Menschen mit einem Impfstoff wieder so in die Z├╝ge kommen werden wie fr├╝her, wird sich nicht erf├╝llen." Die Gewohnheiten ├Ąnderten sich. Besonders Gesch├Ąftsleute ersetzten Reisen durch Videokonferenzen.

Immerhin: Die Fernz├╝ge der Deutschen Bahn waren im November so p├╝nktlich unterwegs wie seit 2005 in diesem Monat nicht mehr: 80 Prozent der Fahrten kamen ohne Versp├Ątung an, wie der bundeseigene Konzern am Sonntag mitteilte. Das waren fast 8 Prozentpunkte mehr als im November des Vorjahres und 1,2 Punkte mehr als im Oktober. Hauptgrund ist erneut die Coronakrise, aufgrund derer die Auslastung in den Z├╝gen zuletzt wieder deutlich gesunken ist.

Doch auch in den Sommermonaten, als nach einigen Lockerungen der Coronama├čnahmen die Z├╝ge wieder deutlich voller waren, lag die Bahn bei der P├╝nktlichkeit ├╝ber den Vorjahreswerten. Aus ihrer Sicht machen sich ein besseres Baustellenmanagement und eine wachsende Zugflotte allm├Ąhlich bemerkbar.

Aufsichtsrat Hommel betonte mit Blick in die Zukunft, notwendig seien eine andere Priorisierung und realistische Ziele in der Konzernstrategie. "Wir m├╝ssen die zeitlichen Abl├Ąufe ├╝berpr├╝fen", forderte der Gewerkschafter mit Blick auf die Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Die Bahn m├╝sse neue Gesch├Ąftsmodelle st├Ąrker vorantreiben und eine Plattform f├╝r Mobilit├Ątsdienste ├╝ber verschiedene Verkehrsmittel hinweg werden. "Wir wollen die Investitionen, die ohnehin knapp sind, nicht an der falschen Stelle t├Ątigen."

Die Deutsche Bahn erwartet einen Coronaschaden von bis zu 11 Mrd. Euro. Allein heuer d├╝rfte die Konzernbilanz einen Verlust von 5,6 Mrd. Euro ausweisen, wie aus Unternehmenskreisen verlautet. Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, die Zahl der Bahnkunden bis 2030 zu verdoppeln. Der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte am Donnerstag: "Wir werden das Ziel der Verdoppelung der Fahrg├Ąste nicht aus den Augen verlieren." Die Bahn m├╝sse wieder Rekordzahlen erreichen. Eine Jahreszahl nannte er nicht, verwies aber auf den Koalitionsvertrag.

Bei der FDP-Bundestagsfraktion hie├č es, die Coronapandemie wirke wie ein Brennglas auf die strukturellen Probleme der Deutschen Bahn. "Der heutige DB-Konzern ist zu gro├č, zu schwerf├Ąllig, hat zu viele Hierarchieebenen, verzettelt sich im Ausland und leidet unter den Eigeninteressen von Politik und Gewerkschaften", sagte der Obmann im Ausschuss f├╝r Verkehr und digitale Infrastruktur, Torsten Herbst. Es brauche einen schlankeren und kundenorientierten Mobilit├Ątsdienstleister mit klarem Fokus auf das Inland. Um mehr Wettbewerb und mehr Angebotsvielfalt auf der Schiene zu erreichen, sei zudem die Trennung zwischen der Infrastruktur und den Bahnbef├Ârderungsunternehmen notwendig.

Jederzeit und ├╝berall top-informiert

Uneingeschr├Ąnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare