Sydney zählt zu den bevorzugten Zielen der reichen Chinesen.

© APA/EPA/JOEL CARRETT

Kapitalflucht
07/13/2015

Chinesen heizen Immopreise im Ausland kräftig an

Immer mehr superreiche Chinesen ziehen ihr Geld aus der Heimat ab.

von Franz Jandrasits

Die Achterbahnfahrt der vergangenen Wochen an den chinesischen Börsen heizt den Immobilien-Boom außerhalb Chinas gehörig an. Denn reiche Chinesen legen ihr Geld seither noch öfter in Immobilien im Ausland an. Bevorzugtes Ziel ist häufig Australien, aber auch bei Maklern in London ist die Nachfrage groß. Ed Mead, Makler beim britischen Immobilienkonzern: „Das ist eher ein Zeichen für Kapitalverschiebung, als dass nur Einzelne nach Parkmöglichkeiten für ihr Geld suchen.“ Sein Unternehmen habe kürzlich Anfragen von zwei chinesischen Investoren bekommen, die ganze Wohnblocks in London suchten.

Kapitalflucht

Die Ultrareichen fliehen mit ihrem Vermögen bereits seit 2000 aus China. Seit damals beantragten 91.000 vermögende Chinesen eine zweite Staatsbürgerschaft. Die meisten von ihnen, die ein Vermögen von mehr als eine Million Dollar besitzen, zieht es in die USA, nach Hongkong oder nach Großbritannien. Laut Colliers International haben Chinesen im ersten Halbjahr 2015 rund 5 Milliarden Dollar in US-Häuser investiert. In London, Sidney und Vancouver wird nun Kritik laut, weil die Chinesen die Preisspirale nach oben treiben. Die Probleme im Reich der Mitte könnten allerdings bald weit mehr auslösen als Preisblasen bei Immobilien.

Olivier Blanchard, Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), sieht „größere Schwierigkeiten in Chinas Übergang zu einem neuen Wachstumsmodell“, was sich an den Turbulenzen an den Finanzmärkten ablesen lasse. Diese Schwierigkeiten seien ein neues Risiko für die Weltwirtschaft. Ähnlich sieht es Sandra Heep, Expertin des China-Instituts in Berlin: „Es besteht die Gefahr, dass der Börsenabsturz Chinas Wachstumsraten noch weiter einbrechen lässt, was zweifellos negative Folgen für die Weltwirtschaft hätte.“ Wegen der starken Verflechtung mit China würden in erster Linie andere asiatische Länder von der chinesischen Krise getroffen werden.

Schwaches Wachstum

Die Gefahr ist durchaus realistisch, schließlich wächst Chinas Wirtschaft derzeit so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das offiziell verlautbarte Plus von 7 Prozent gilt bei Experten als geschönt, als realistisch gelten 5 Prozent. Zwischen Jänner und Ende Juni sanken die Importe der Volksrepublik um 15,5 Prozent, die Exporte stiegen nur um 0,9 Prozent. Mit der vom Staat begünstigten Blase an der Börse wollte China dieses Problem offenbar lösen. Hohe Börsenkurse erleichterten Staatsunternehmen, durch Kapitalerhöhungen an frisches Geld zu kommen. Weil der Immobilienmarkt nicht mehr so attraktiv war, floss das Geld in den Aktienmarkt. Der schwächelnden Wirtschaft halfen die explodierenden Aktienkurse allerdings nicht. Der Kursrutsch um rund ein Drittel sorgt zunehmend auch für sozialen Sprengstoff. Denn die Leidtragenden sind vor allem unerfahrene Kleinaktionäre, die an die Börse gelockt wurden und jetzt ihr Geld verloren haben.

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