Wirtschaft
20.02.2018

Chinas Skispaß, am besten "made in Audili"

Nach Korea ist vor China: Die heimische Ski-Industrie nimmt den größten Hoffnungsmarkt ins Visier.

Die Werbung beginnt bereits beim Eintritt: Wer ins Österreich-Haus zu PyeongChang will, muss erst mit einer eigenen Liftkarte ein Zutrittssystem der Salzburger Firma Axess überwinden. Das taten dieser Tage etliche Olympiasieger, einige prominente Politiker, Dutzende Sportlegenden und sogar eine weltberühmte Querflötistin – und doch sorgte ein bestimmter Gast schon im Vorhinein für besondere Aufregung im Österreich-Haus: Gou Zhongwen, Chinas Sportminister.

Seinetwegen verwandelte sich der zweistöckige Block in ein "Who’s who" der österreichischen Ski-Industrie, selbst Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und ÖOC-Chef Karl Stoss waren mit von der Partie, um das chinesische Regierungsmitglied von der Skination Österreich zu begeistern. Die Gunst des Gastes versuchte Stoss mit einem Österreich-Skioutfit dieser Spiele als Geschenk zu erobern, Strache überreichte seinem Amtskollegen bei seinem Debüt als internationaler Vertreter Österreichs im großen Stil indes eine übergroße Flasche mit heimischem Birnenschnaps.

Warum aber will man einem Chinesen überhaupt von Österreichs Know-how im Skibereich vorschwärmen, wenn Olympia gerade in Südkorea Station macht?

Verordnetes Skifahren

Der Grund ist ein simpler: Der südkoreanische Ski-Markt ist schlicht kein Wachstumsmarkt. "Er stagniert auf sehr niedrigem Niveau", erklärt Fischer-Chef Franz Föttinger. Derzeit, schildert der Ski-Fabrikant, liegt das Augenmerk der gesamten Wintersport-Industrie auf China: "Es ist der einzig echte Zukunftsmarkt mit viel Potenzial." Schließlich finden in China 2022 die nächsten Olympischen Spiele statt. "Die Regierung will, dass bis dahin 300 Millionen Chinesen mit Wintersport beginnen", erklärt Zhongwen. Nachsatz: "Wir sind auf diesem Gebiet aber sehr schlecht entwickelt, brauchen also Hilfe ausländischer Firmen" – und zwar vor allem aus " Audili" (chinesisch für Österreich), wie er sagt.

Den gesamten Vormittag hörte sich die Delegation rund um den chinesischen Politiker in einem von der Wirtschaftskammer organisierten Event an, was die Heimat von Marcel Hirscher in puncto Ski-Industrie zu bieten hat. Die Lifte, schlug ein Vertreter des Weltmarktführers Doppelmayr den Gästen vor, könnten sie freilich wie auch hier in PyeongChang zur Verfügung stellen. Und weil es in China leider kaum Naturschnee gibt, erklärte Michael Mayr, Asien-Chef des (Süd-)Tiroler Schneekanonen-Herstellers Technoalpin wenig später, werde man wohl auf einen starken Partner in der Kunstschnee-Erzeugung zurückgreifen müssen. Der Fischer-Chef pries indes die Ski des Innviertler Familienunternehmens an, wenig später bewarb Axess seine Zutrittssysteme. Allerdings muss man die Chinesen laut Föttinger zuvor noch davon überzeugen, auf Qualität anstelle billiger Nachbauten zu setzen.

Und dafür müssen sie erst einmal das Skifahren erlernen. Laut dem Sportminister werde man in den kommenden Jahren einige Tausend Skilehrer brauchen. Auch hier steht eine österreichische Lösung parat: Die Wiener "Snowsports Academy" bringt mit ihren rund 50 Skilehrern weltweit – auch im Iran, Afghanistan und Griechenland – den ortsansässigen Ausbildern richtiges Skifahren bei.

Wie viel Geld letztlich in China zu holen ist, kann man laut Mayr noch nicht abzuschätzen. Nur so viel: "Da geht’s wirklich um ganz viele Millionen."

Der KURIER ist auf Einladung der Wirtschaftskammer in Südkorea.