Chinas Hafen der Superlative

Shanghai: Mehr als 30 Kilometer vor der Küste wurde der Tiefwasser-Hafen Yangshan "aus dem Nichts" ins Meer betoniert.

Container so weit das Auge reicht. Der Tiefwasser-Hafen von Yangshan sieht aus wie viele andere seiner Art. Geschäftiges Treiben und riesige Kräne inmitten weitläufiger und für Außenstehende unüberwindbarer Containerschluchten - doch Yangshan ist "anders" - Yangshan ist komplett auf dem Reißbrett entstanden. Containermassen für die größte Metropolregion Chinas, Shanghai, werden dort verarbeitet. Jahrhundertelang waren die Handelsschiffe direkt nach Shanghai gefahren. Yangtse und Huangpo hinauf, bis an die Docks der Stadt. Die geographische Nähe zur Stadt erweist sich inzwischen als entscheidender Nachteil. Die beiden Flüsse transportieren Unmengen an Sand und Schlamm stromabwärts, senken die Wassertiefe erheblich. Für moderne Containerschiffe mit mehr als 12 Meter Tiefgang ist die Fahrrinne schlicht zu seicht und zu eng (an den mit knapp 300m breiteren Stellen könnten die Mega-Frachter nur mit größter Mühe wenden). Aus diesem Grund entschied man sich - um im "Marktplatz-Kampf" mit Singapur und Hongkong konkurrenzfähig zu bleiben - eines der ehrgeizigsten Bauprojekte der Geschichte in Angriff zu nehmen. Auf der der Stadt südöstlich vorgelagerten Yangshan-Inselgruppe sollte der modernste Tiefwasser-Hafen der Welt entstehen. Einziges Problem: Es gab weder Land auf dem gebaut werden konnte, noch hätten etwaig angelieferte Waren "an Land" transportiert werden können. Doch davon ließen sich die Ingenieure nach abhalten. Ab 2001 sollte das Projekt in vier Phasen seinen Abschluss finden. Milliarden Tonnen Erdreich mussten zunächst bewegt werden, um Landmasse zu gewinnen. Am Ende der Bauarbeiten, die für 2020 geplant sind, soll die gewonnene Küstenlinie nicht weniger als 11 Kilometer lang sein und ... ... 33 bis 35 Schiffe der Postpanamax-Klasse (also Schiffe die den Panamakanal - in seiner aktuellen Form - aufgrund ihrer Breite und ihres Tiefgangs nicht befahren dürfen) gleichzeitig be- und entladen können. Das Megaprojekt, welches Chinas Vormachtstellung als Drehscheibe des internationalen Warenverkehrs weiter ausbauen und sichern soll, wird in etwas weniger als 20 Jahren knapp 20 Milliarden Dollar an Baukosten verschlingen. Gleichzeitig ... ... gewinnt die Wirtschaftsregion aktuellen Schätzungen zufolge bis zu 30.000, teils temporäre, Arbeitsplätze hinzu. Um jedoch ... ... die gigantischen Containermassen auch an die entsprechenden Empfänger zu bringen, war eine ... ... weitere architektonische Meisterleistung notwendig. Die Donghai-Brücke führt fast 32-Kilometer über das offene Meer. Sie ist S-förmig geschwungen, sodass Schiffe die Gezeiten und Strömungen optimal ausnutzen können. Während für einen Großteil des Weges tief im Meeresboden verankerte Pfeiler Fahrbahn tragen, ist die Brücke an zwei Stellen als Tragseilbrücke angehoben, um den Containerschiffen die Durchfahrt zu ermöglichen. Auf der Brücke, welche neben den Gezeiten auch schweren Taifunen ausgesetzt ist, befinden sich in beide Fahrrichtungen je drei Spuren und es gilt ein strenges - im Kontrollzentrum am Containerhafen strikt überwachtes - Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde. Alleine der Bau der Brückenverbindung nahm zweieinhalb Jahre in Anspruch und sicherte 6000 Menschen Arbeit. Gemeinsam mit seinem "Schwester-Hafen" in Shanghai-City wird der Yangshan Tiefwasserhafen im Vollbetrieb der größte Containerhafen der Welt sein. Einige Experten vermuten, dass der auf Schiffe mit bis 15 Metern Tiefgang ausgelegte Yangshan-Port sogar alleine ... ... zum größten Containerhafen der Welt avancieren könnte. Zum Vergleich: Der hierzulande bekanntere Hamburger Hafen setzt aktuell ein Fünftel der Waren und knapp weniger als die Hälfte der Container des Hafens von Shanghai um. In der letzten Ausbaustufe, wird diese Zahl nach aktuellen Schätzungen nicht mehr für den gesamten Hafen, sondern nur für Yangshan alleine gelten.
(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?