Chinas erster Flugzeugträger

Die renovierte "Shi Lang" stammt aus Russland. Offiziell dient Chinas erster Flugzeugträger der Wissenschaft.

China ließ im August seinen ersten Flugzeugträger in See stechen. Die "Shi Lang" (so der vorläufige Name) begann Tests vor der Küste. Ein symbolischer Schritt für die Volksrepublik, die damit ihre jahrelangen Bemühungen um eine eigene Flugzeugträger-Präsenz im Pazifik krönt. Das Schiff wurde bis dahin im Hafen von Dalian renoviert und mit Waffen bestückt. Wie auf dieser Aufnahme von 6. August zu sehen ist, scheinen die Werft-Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Auch Flugzeuge für das Schiff stehen schon bereit. Chinas J-15 "Flying Shark" sind mehr oder weniger Kopien von russischen Suchoi-33 Kampfjets. Nach seiner Fertigstellung soll das Schiff der Forschung, Training und wissenschaftlichen Experimenten dienen, zumindest behauptete das chinesische Verteidigungs-Ministerium bisher selbiges. Das 300 Meter lange Schiff der sowjetischen Admiral-Kusnezow-Klasse wurde im Hafen von Dalian mit Kraftwerk, Antrieb, Elektronik und jeder Menge Waffensystemen bestückt - zur Forschung selbstverständlich. Beobachter entdeckten bereits... ... mehrere Raketenwerfer rund um das 14.700 Quadratmeter große Flugdeck. Außerdem werden Close-In Weapon Systeme (CIWS), Gatling-Kanonen mit jeweils 10 Läufen, die 5.800 Geschosse pro Minute verschießen können, installiert. Chinas Kriegsmarine hatte die Shi Lang über skurrile Wege... ... in ihren Besitz gebracht. Unter dem Namen "Varyag" wurde das Schiff 1985 von der Sowjetunion gebaut. "Varyag" war der Name eines im Russisch-Japanischen Krieg 1904 versenkten Kreuzers gewesen. Durch den Fall der Sowjetunion wurde das Schiff nie vollendet. Die Ukraine erhielt eine funktionslose Hülle. Im Jahr 1998 wurde die Varyag von einem chinesischen Reisebüro für 20 Millionen Dollar erworben. Dieses behauptete, aus dem Schiff ein schwimmendes Casino vor Macau machen zu wollen. Unter größtem Aufwand wurde das Schiff (hier vor dem Bosporus) nach China geschleppt. Vor allem die Durchfahrt durch die Meeresenge von Istanbul beanspruchte riesigen Aufwand. Über 20 Schlepper mussten den trägen Koloss auf Kurs halten. Später, bei einem Sturm in der Ägäis, kam sogar ein Matrose eines der Schlepper-Schiffe ums Leben, als der losgerissene Flugzeugträger wieder "eingefangen" werden musste. Nachdem der Varyag-Besitzer (das Reisebüro) keine Casino-Lizenz für Macau erhalten hatte, wurde das Schiff in einem Trockendock in Dalian geparkt. Das Schiff wurde sandgestrahlt, später in Militärfarbe gestrichen und in "Shi Lang" umbenannt. Damit war klar, dass der Staat das Schiff übernommen hatte. Der Name "Varyag" lebt unterdessen weiter. Ein russischer Kreuzer trägt ihn heute - zusammen mit der Flagge der alten, versenkten Varyag von 1904.

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(KURIER / dav) Erstellt am
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