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Wirtschaft
08/06/2019

China weist US-Vorwurf der Währungsmanipulation zurück

Die starke Abwertung des Yuan sei durch den Markt bewirkt worden, erklärte Chinas Notenbank.

China hat den Vorwurf der USA zurückgewiesen, das Land manipuliere seine Währung. Die jüngste scharfe Abwertung des Yuan sei vielmehr durch den Markt bewirkt worden, heißt es in einer Erklärung der chinesischen Notenbank vom Dienstag.

Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten.

China werde seine Währung nicht aus wettbewerblichen Gründen abwerten oder sie als Instrument im Handelsdisput mit den USA einsetzen, erklärten die Währungshüter. Der Yuan-Kurs werde auf einem angemessenen, ausgewogenen Niveau gehalten. Ähnlich hatte sich am Montag bereits der Chef der chinesischen Notenbank, Yi Gang, geäußert.

Tiefster Stand seit 11 Jahren

Am Montag hatte der Yuan im Vergleich zum US-Dollar stark an Wert verloren und war auf den tiefsten Stand seit mehr als elf Jahren gefallen. Die Abwertung war als weitere Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China gewertet worden, weil der Yuan nicht gänzlich frei schwankt, sondern durch die chinesische Notenbank beeinflusst wird. Die USA hatten China daraufhin der Währungsmanipulation bezichtigt.

Dass das US-amerikanische Finanzministerium China nun offiziell als Währungsmanipulator einstuft, verschreckt Devisenanleger. Der an Börsen außerhalb des chinesischen Festlandes gehandelte sogenannte „Offshore-Yuan“ fiel am Dienstag zeitweise auf ein Rekordtief.

Im Gegenzug stieg der Dollar an Handelsplätzen wie Hongkong oder Singapur um bis zu 0,6 Prozent auf 7,1397 Yuan. An den chinesischen Festlandbörsen stabilisierte sich der Kurs bei 7,0357 Yuan.

Intervention stoppt Kursverfall

Nach der Ankündigung der chinesischen Zentralbank, in Hongkong kurz laufende Yuan-Anleihen im Volumen von umgerechnet 3,8 Mrd. Euro ausgeben zu wollen, drehte der Dollar-Kurs ins Minus und verlor 0,5 Prozent auf 7,0661 Yuan. Derartige Emissionen dienten dazu, Wetten auf einen weiteren Kursverfall der chinesischen Währung zu verteuern, sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou.

Allerdings bereite Investoren allein die Tatsache Kopfschmerzen, dass der Dollar erstmals seit 2008 die psychologisch wichtige Marke von sieben Yuan wieder durchbrochen habe, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Zuletzt hatte die chinesische Zentralbank bei Eskalationen interveniert, auch um die Handelsgespräche nicht zu gefährden. Diesmal ließ die People's Bank of China den Markt gewähren. Vielleicht ein Zeichen, dass Peking kaum noch Hoffnung auf eine baldige Einigung mit den USA hat.“

Erinnerung an 2015

Anleger fühlten sich zudem an 2015 erinnert, als Chinas Zentralbank die Währung abwertete, um eine Abkühlung der Konjunktur abzufedern, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets.

Die aufkeimende Furcht vor möglichen Folgen für die Weltwirtschaft stürzte damals die Börsen weltweit in Turbulenzen.

Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, sondern darf an den Festlandsbörsen einen von der Notenbank täglich vorgegebenen Kurs nur in einer bestimmten Spanne über- oder unterschreiten. Rein rechnerisch würde ein Dollar-Kurs von 7,40 Yuan die Beeinträchtigung der chinesischen Konjunktur durch die US-Strafzölle ausgleichen, sagte Deutsche-Bank-Experte Stephan. „7,20 Yuan pro US-Dollar scheinen mir aber als 'neue Grenze' für die Zentralbank zunächst realistischer.“