China dämpft Hoffnungen auf Hilfe
China will eine "helfende Hand ausstrecken" und mehr in den europäischen Ländern und den USA investieren". Das sagte Ministerpräsident Wen Jiabao am Mittwoch zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in der chinesischen Hafenstadt Dalian. Einen Tag später hat China übergroße Hoffnungen auf eine Rettung des krisengeschüttelten Europas wieder gedämpft. Der Vizevorsitzende der mächtigen Reform- und Entwicklungskommission (NDRC), Zhang Xiaoqiang, forderte die europäischen Länder am Donnerstag beim "Sommer-Davos" auf, vielmehr ihr eigenes Haus in Ordnung zu bringen. "Jedes Land sollte die ihm angemessene Verantwortung erfüllen."
China werde "innerhalb unserer Möglichkeiten" weiterhin europäische Staatsanleihen kaufen. In der internationalen Krise werde sich China zudem weiter für die wirtschaftliche Kooperation mit anderen Länder öffnen. Ohnehin stiegen Chinas Importe in diesem Jahr schneller als seine Exporte, hob Zhang Xiaoqiang hervor. Und indem China die Qualität seines Wachstums verbessere, nehme das Land seine Verantwortung für die Welt und seine eigene Entwicklung wahr, sagte der einflussreiche Vizeminister, der sich etwas verwundert über aufkeimende Hoffnungen in
Europa zeigte, dass China zum Retter der von Schulden geplagten europäischen Ländern werden könnte. "Die großen Industrieländer müssen eine korrekte Politik umsetzen und ihrer Verantwortung nachkommen", betonte Zhang Xiaoqiang.
Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der China Construction Bank, Guo Shuqing. Er warnte davor, die Rolle Chinas in der Weltwirtschaft zu überschätzen. Die Volkswirtschaften der USA und der Europäischen Union zusammen hätten immerhin einen Anteil von 60 Prozent, während China nur auf 9,5 Prozent komme.
Amerikaner wenden sich mehr und mehr Asien
Die US-Amerikaner wenden sich einer Umfrage zufolge mehr und mehr Asien zu. Europa gerät demgegenüber ins Hintertreffen. 51 Prozent der befragten Amerikaner betrachten demnach Partnerstaaten in Asien wie Japan, China oder Südkorea als "wichtiger für das nationale Interesse" als EU-Länder. Demgegenüber sind für 38 Prozent europäische Staaten wichtiger als asiatische. Die Umfrage Transatlantic Trends im Auftrag mehrerer amerikanischer und europäischer Institutionen wurde heuer zum zehnten Mal durchgeführt. Es war das erste Mal, dass in den USA Asien gegenüber Europa in Führung ging.
US-Außenamts-Staatssekretär Philip Gordon, Abteilungsleiter für Europäische und Eurasiatische Angelegenheiten, wollte die Ergebnisse bei der Präsentation der Studie nicht missverstanden wissen. "Das geht nicht auf Kosten der Europäer", betonte er. Im Gegenteil, Europa sollte sich mehr Sorgen machen, wenn die USA kein Interesse an Asien zeigten.
Studienleiter Zsolt Nyiri bezeichnete die
EU als Vorteil der Europäer in der Gestaltung ihres Verhältnisses zu den USA, wenn Europa aber auch mit verschiedenen Stimmen spreche. Zudem sei Europa nach wie vor der größte Wirtschaftsblock der Welt.
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