Robert Chvatal, CEO der tschechischen Sazka-Group

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Wirtschaft von innen
03/13/2020

Casinos-Großaktionär fordert: "Besserer Schutz gegen illegales Spiel"

Sazka-Chef Robert Chvatal im Interview über die Zukunft der Casinos, Lotto-Produkte und ein neues Glücksspielgesetz

von Andrea Hodoschek

Die Sazka-Group ist erleichtert, dass sich die Parteipolitik aus den Casinos verabschiedet und setzt auf Innovationen und Spielerschutz. Das Unternehmen soll in drei Jahren besser aufgestellt und wertvoller sein. Von der Regierung erwartet der neue Casinos-Mehrheitsaktionär ein neues Glücksspielgesetz zur Eindämmung des illegalen Online-Gamings.

KURIER: Wird der Casag-Konzern in drei Jahren noch zu erkennen sein?

Robert Chvatal: Wir müssen uns zuerst klarmachen, wie wichtig es ist, dass die zwei größten Aktionäre jetzt an einem Strang ziehen. Das Unternehmen war in den letzten Jahren nicht auf das Tagesgeschäft fokussiert, sondern ständig in den Medien. Die Mitarbeiter mussten dauernd über Postenschacher, Politeinfluss, Aktionärsstreit, einen nicht funktionierenden Vorstand etc. lesen. Das war für uns als größter Aktionär nicht akzeptabel. Jetzt haben wir einen Syndikatsvertrag, können endlich arbeiten und sind weg von der Politik. Ich bin sicher, in drei Jahren wird die Casag ein noch besseres, stärkeres und wertvolleres Unternehmen sein.

Im Unternehmen muss vieles verändert werden, etwa die aufwendigen Strukturen.

Man sagt doch, der Fisch stinkt beim Kopf. Der Vorstand muss der Hebel für die Veränderung sein. Ich habe volles Vertrauen in Bettina Glatz-Kremsner und Martin Skopek. Die Richtung sind Innovationen und Responsable Gaming, also Spielerschutz.

Gibt’s neue Produkte?

Wir sind ein internationaler Player und wollen alles was in anderen Märkten als Best Practice gut funktioniert, nach Österreich bringen. Es gibt aber auch gute Ideen in Österreich, die wir in andere Märkte exportieren können.

Zum Beispiel?

Die Glücksbörse – man kann in den Trafiken sein Konto für Online-Gaming aufladen. Diese Mischung aus Online und Offline im Vertrieb gefällt mir sehr gut. Oder die Sonderziehung der Lotterien, die jetzt erstmals getestet wird. Freitag, der 13., ist für viele Menschen ein besonderes Datum. Wann, wenn nicht an diesem Datum, kann man Gelegenheitsspieler ansprechen. Beim Lotto soll es nicht nur um Jackpots gehen. Sonderziehungen, etwa auch an Silvester, bringen Farbe ins Spiel.

Gibt’s Lotto demnächst in den Supermärkten?

Jedes Unternehmen muss dort sein, wo die Kunden sind. Die Trafiken sind nach wie vor mit Abstand der wichtigste Vertriebskanal für Lotto. Aber man kann noch aktiver verkaufen. Denken Sie an die Rubbellose, diese sind sehr akzeptiert und im Gegensatz zu Automaten kein problematisches Spiel. Niemand kauft 50 Rubbellose auf einmal, man kauft vielleicht zwei Mal in der Woche im Vorbeigehen ein Rubbellos und weiß sofort, ob man gewinnt. In Europa geht der Trend klar zu Rubbellosen, sie wachsen am stärksten. Dazu muss man im Einzelhandel allerdings etwas bewegen.

Was planen Sie bei den Inlandscasinos? Von den 12 Standorten spielen nur Bregenz und Wien Gewinne ein.

Das kann ich nicht bestätigen. Aber generell stehen die Casinos vor drei großen Herausforderungen: Das Rauchverbot beeinflusst das Geschäft negativ. Dann das Corona-Virus. Die Hälfte der Besucher sind Ausländer. Die Casinos werden höchstwahrscheinlich weniger ausländische Gäste haben, auch aus Asien. Und der Trend zum Online-Spiel.

Laut Gesetz dürfen Sie aber keinen Standort schließen.

Das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam mit der ÖBAG lösen müssen. Zwischen den Bereichen gibt es Quersubventionierungen. Das sollten alle Aktionäre wissen und sich fragen, ob das so gewünscht ist. Ich will hier jedoch keine einzelnen Standorte kommentieren.

Die Cashcow Lotterien subventioniert vermutlich alles.

Nicht wirklich.

Erwarten Sie von der Regierung ein Online-Gesetz, das illegales Spielen über IP-Blocking verhindert?

Die Hälfte des Online-Marktes in Österreich ist illegal. Dort sind die Kunden nicht so geschützt wie bei win2day der Casag. Sazka geht nur in hundertprozentig regulierte Märkte. Der Staat profitiert dabei von hohen Steuern und dem Spielerschutz. Jeder weiß, das Unternehmen sitzt in Wien, Rennweg 44 und nicht irgendwo in Gibraltar oder Schweden. Wir wollen das weiterhin gewährleisten, erwarten uns aber einen besseren Schutz gegen illegales Spiel als heute.

Sehen Sie Handlungsbedarf bei den Personalkosten?

Das ist eine Frage des Syndikatsvertrages, die wir mit der ÖBAG abstimmen müssen. Wir haben die Kosten noch nicht mit der ÖBAG diskutiert. Die Ertragskraft der Casag könnte besser sein, oder? Wir sind ein langfristiger Investor und gekommen, um zu bleiben. Wir konzentrieren uns nicht auf den ROI, den Return on Investment. Zuerst die Fokussierung auf der Kerngeschäft und die Steigerung der Werthaltigkeit, dann verbessert sich logischerweise auch der ROI.

Ist ein Börsegang der Casag ein Thema?

Aus heutiger Sicht kurzfristig nicht. Aber langfristig kann das Unternehmen nur profitieren, wenn es börsefit wird und es wäre eine Bereicherung für die Wiener Börse.

Erzrivale Novomatic will sich aus dem operativen Geschäft in Österreich zurückziehen. Ist Sazka interessiert?

Nein, laut Syndikatsvertrag dürfen wir nicht bei Mitbewerbern investieren.

Karriere

Bereits während des Wirtschaftsstudiums in Prag jobbte der 51-jährige Chvatal als Assistant Brand Manager bei Procter&Gamble. 2007 bis 2012 Chef von T-Mobile Austria, er war Georg Pölzl (heute Post-Chef) nachgefolgt. Dann wechselte Chvatal an die Spitze von Sazka. Vize-Aufsichtsratschef der teilstaatlichen   Casinos (Casag)

Sazka-Group

Die internationale Glücksspielgruppe  gehört zum Mischkonzern KKCG des Milliardärs Komarek.  Sie ist auf Lotto spezialisiert und betreibt Lotterien in Tschechien, Italien und Griechenland.  Hält seit dem Ausstieg von Novomatic 53 Prozent an der Casag und schloss kürzlich  einen  Syndikatsvertrag mit der Staatsholding ÖBAG. Diese hat ein Drittel der Casag-Anteile.