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wirtschaft von innen
05/29/2021

Bundesrechenzentrum: Chefsuche für die Datenhochburg

Ausschreibung im letzten Moment, Besetzung mit Schramböck-Kabinettschef politisch zu heiß geworden

von Andrea Hodoschek

Die Daten, die über das Bundesrechenzentrum (BRZ) laufen, sind noch heikler als jene des BVT. Der Großteil der öffentlichen Verwaltung wird über das Bundesrechenzentrum abgewickelt. Alle Ministerien, Bundeskanzleramt, Höchstgerichte, das AMS – das BRZ versorgt als digitale Lebensader die halbe Republik. 1.400 Mitarbeiter, 351 Millionen Euro Umsatz, 5,3 Millionen Staatsbürger als Kunden, 30.000 betreute IT-Arbeitsplätze und eines der größten Rechenzentren des Landes.

Entstanden im Finanzministerium, immer komplexer und größer geworden und ausgegliedert, wanderte das BRZ ins Wirtschaftsministerium zu Margarete Schramböck. Weil die ÖVP-Ministerin für Digitalisierung zuständig ist.

Die Fünf-Jahres-Verträge der beiden Geschäftsführer, Cristine Sumper-Billinger (47)und Markus Kaiser (49) sind mit 30. April ausgelaufen. Das wäre noch nicht sonderlich spannend. Interessanter ist das Prozedere drum herum.

Es schaut ganz so aus, als ob bei der Besetzung der mit je rund 250.000 Euro dotierten Jobs ganz bewusst auf Zeit gespielt wird. Beide BRZ-Chefs wurden nur provisorisch um ein halbes Jahr verlängert. Ziemlich unüblich für Führungspositionen. Das Auslaufen der Verträge kam wenig überraschend.

Erst heute, Samstag, wird die Ausschreibung veröffentlicht, die dem KURIER bereits vorliegt. Das ist laut Stellenbesetzungsgesetz der letzte Tag. Die Ausschreibung dürfte eher auf Manager in der öffentlichen Verwaltung ausgerichtet sein als auf Kandidaten aus der Privatwirtschaft. Auffallend ist auch, dass beim kaufmännischen Geschäftsführer zwar die Verantwortung für das IT-Kompetenzzentrum hervorgestrichen wird, aber der Begriff IT im Anforderungsprofil nicht vorkommt.

Gut informierte Kreise berichten, dass Schramböcks Kabinettschef und Generalsekretär Michael Esterl sehr konkrete Ambitionen auf den Job hatte. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte aber gegenüber dem KURIER, Esterl „ist und bleibt Generalsekretär“ und werde „sich definitiv nicht bewerben“.

Politisch nicht opportun

Da dürfte sich die Einsicht durchgesetzt haben, dass eine Top-Postenbesetzung mit einem Kabinettschef, der mit IT bisher nichts am Hut hatte, derzeit politisch nicht opportun wäre.

An der Gerüchtebörse wird der Vize-Kabinettschef im Finanzministerium, Manuel Zahrer, gehandelt. Da würde die Qualifikation schon besser passen, Zahrer war schon im Bundeskanzleramt für IT zuständig und gilt als ausgewiesener Experte.

Dasselbe gilt für Maximilian Schnödl, Aufsichtsratsvorsitzender des BRZ. Er kommt aus der digitalen Wirtschaft und wurde 2020 zum Direktor der Staatsholding ÖBAG bestellt. Im BRZ-Aufsichtsrat saß Schnödl schon vorher. Auch Manager von A1 werden ins Spiel gebracht, Schramböck war dort einmal kurz die Chefin.

Obwohl Sumper-Billinger und Kaiser der ÖVP zugerechnet werden, sind ihre Chancen auf eine Wiederbestellung schwer abschätzbar. Sumper-Billinger war Vize-Kabinettschefin bei Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, wurde aber 2007 von dessen ÖVP-Nachfolger Wilhelm Molterer ins BRZ geholt. Kaiser kam unter ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling.

Die Performance der Noch-Chefs wird unterschiedlich gesehen, in Wirtschaftskreisen eher kritischer. Insider meinen, Schramböck sei womöglich immer noch sauer wegen des „Kaufhaus Österreich“. Das BRZ hatte den veritablen Flop programmiert. Wobei, die IT funktionierte tadellos.

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