Wirtschaft
21.03.2018

BMW will Dieselskandal fernhalten

Nach Hausdurchsuchungen: Vorstand spricht von Irrtum bei falscher Software und hebt lieber Rekordzahlen hervor.

Nun also auch BMW. Nach dem VW-Konzern und Daimler ist BMW ins Visier der deutschen Staatsanwaltschaft geraten. Der Verdacht: Manipulation von Abgaswerten. Hausdurchsuchungen am Konzernsitz in München und im oberösterreichischen Steyr am Dienstag – just einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz. Die Steilvorlage für die anwesenden Journalisten wollte Konzernpressesprecher Maximilian Schöberl gleich zu Beginn der Veranstaltung am Mittwoch abwehren. In einem vorbereiteten Statement stellte er nochmals klar, dass es sich „um keine gezielte Manipulation“ gehandelt habe. „Wir nehmen den Fall ernst und unterstützen die Behörden.“ Mehr werde der Vorstand nicht dazu sagen. In der Tat wurden Nachfragen zur Causa mehr oder weniger abgeblockt.

Wie berichtet, ist die Grundlage für die Durchsuchungen, die in München mehr als sieben Stunden dauerten, das „irrtümliche“ Aufspielen einer falschen Software bei 11.400 Autos. BMW habe den Irrtum selbst bemerkt und das Kraftfahrzeugbundesamt informiert. Dieses schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Ob der Zeitpunkt der Durchsuchung absichtlich gewählt wurde (bei Audi war es im Vorjahr sogar am Tag der Bilanzpräsentation), um medial noch stärker mit Geschäftigkeit in der Diesel-Causa zu glänzen, wird in München zumindest nicht als „Schmarrn“ abgetan.

Wie auch immer. BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich betonte, dass bei allen Autos die Software generell kontinuierlich weiter entwickelt werde. 2014 sei bei den betroffenen Autos eine falsche Version aufgespielt worden. Die Abgaswerte hätten sich nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch auf dem Prüfstand verschlechtert. Eine bewusste Manipulation für diese geringe Stückzahl wäre somit sinnlos.

Die entsprechenden Motoren wurden in Steyr entwickelt, daher auch dort die Ermittlungen. Laut der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien erfolgte die Durchsuchung auf Rechtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft München. Gegen heimische BMW-Mitarbeiter werde nicht ermittelt.

Viel Geld für Forschung

BMW hält auch weiterhin am Diesel fest. „Er ist wichtig, um die -Ziele in der EU zu erreichen“, sagte Vorstandschef Harald Krüger. Fahrverbote seien der falsche Weg. Und Fröhlich zeigte sich sicher, dass BMW diese trotz „moderat sinkender Dieselzahlen“ auch erreichen und keine Strafen (ab 2021) zahlen werde müssen. Ein Mittel dazu sei die Elektromobilität. Heuer sollen mindestens 140.000 Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge von BMW vom Band rollen, 2017 waren es 103.000. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen von 6,1 auf sieben Milliarden Euro steigen, vor allem für E-Mobilität und autonomes Fahren. Dennoch strebt Krüger das neunte Rekordjahr in Folge an. Schon 2017 machten Rekordwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis BMW laut seiner Aussage zur erneuten Nummer eins im Premiumsegment (siehe BMW in Zahlen) .

Erfreute Aktionäre

Die Aktionäre freut’s, die Dividenden wird angehoben. Größte Nutznießer sind die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten, die für ihre 47 Prozent der Anteile 1,12 Milliarden Euro Ausschüttung erhalten.

Weniger erfreut könnten aber einige BMW-Käufer sein. BMW stoppt bei einigen Modellen die Produktion für den europäischen Markt, da sie erst die neuen, strengeren Abgastests durchlaufen müssen. Das könne bis zu einem Jahr dauern. Grund sind laut Fröhlich die zu kurzen Umstellzeiten sowie Engpässe bei den Zulassungsbehörden. BMW sei vergleichsweise gering betroffen, aber das Thema sei eine große Herausforderung für die gesamte Autoindustrie.

Hinweis: Der KURIER war auf Einladung von BMW in München.