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Wirtschaft
09/02/2019

Bittere Pleite eines Vereins zur Schaffung von Arbeitsplätzen

Das AMS fordert vom Verein Förderungen zurück und stellte weitere Förderungen ein. Damit ist das Aus besiegelt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Ein wesentlicher Teil der Finanzierung erfolgt über Fördergelder des AMS. Im Zuge einer turnusmäßigen Überprüfung durch die Buchhaltungsagentur des Bundes wurden offenbar Abrechnungsunstimmigkeiten durch das AMS geltend gemacht, welches nunmehr zehn Prozent der Fördergelder für die Jahre 2010 bis 2018 in der Höhe von 498.232 Euro rückfordert. Zugleich wurden weitere Förderungsleistungen eingestellt“, heißt es zu dieser Pleite von der Gläubigerschutzverbänden AKV und Creditreform. "Dadurch kann der Vereinsbetrieb nicht mehr aufrechterhalten werden."

Der „CHAMÄLEON – Verein zur Schaffung von Arbeitsplätzen“ musste nun Insolvenz anmelden. 26 Mitarbeiter sind laut KSV1870 betroffen.

"Der am 23. September 1988 gegründete und registrierte gemeinnützige Verein ist nicht auf Gewinn ausgerichtet und hat die Förderung und Betreuung von benachteiligten Menschen, welche aus dem Arbeitsprozess herausgefallen sind, mit dem Fokus auf Reintegrierung insbesondere von Langzeitarbeitslosen durch Beschäftigung zum Ziel", heißt es weiter. "Die Finanzierung erfolgt insbesondere über Mitgliedsbeiträge, Subventionen, Erlöse von Veranstaltungen, Spenden und sonstige Zuwendungen." Rund 500.000 Euro bis 600.000 Euro flossen pro Jahr vom AMS an den Verein.

Von der Textilwerkstatt bis zum Verkaufsladen

Obfrau des Vereins ist Frau Anna Fink, Kassier ist Herr Alois Suppan, welcher zugleich aufgrund der Vereinsstatuten als Geschäftsführer den Verein vertritt. Schriftführer ist Konrad Rupert. Der Verein betreibt eine Textilwerkstatt, ein Reinigungsservice, Dienstleistungen wie Übersiedelungen, Winterdienst und Schneeräumungen, Landschaftspflege sowie Recycling von Elektroschrott.

Und einen Verkaufsladen: "Unser Verkaufsladen bietet Ihnen ein ständig wechselndes Angebot an handgefertigten, regionalen Heimtextilien aus unserer Werkstatt. Er ist uns ein ganz besonderes Anliegen, da er unseren Näherinnen und Schneiderinnen Gelegenheit und Raum bietet, ihre Ideen umzusetzen und eigene Kreationen zu päsentieren. Die kreative, eigenständige Tätigkeit führt nicht nur zu wunderschönen Kreationen, sondern verhilft unseren Transitarbeitskräften auch zu neuem Selbstvertrauen und Freude an der Arbeit. Und diese sind wichtige Voraussetzungen für ein erfülltes zukünftiges Berufsleben", heißt es auf der Vereins-Homepage.

Im November 2016 erhielt der Sozialökonomische Betrieb Chamäleon mit Sitz in Feldbach, Steiermark,"im Beisein von Sozialminister Alois Stöger und AMS-Chef Johannes Kopf das Gütesiegel für Soziale Unternehmen".

Schulden und Vermögen

Die Schulden werden laut Creditreform mit 684.000 Euro beziffert, davon entfallen 498.232 Euro auf das AMS, 120.000 Euro auf Beendigungsansprüche der Mitarbeiter, 33.000 Euro auf Löhne und Gehälter (August), 22.000 Euro auf die Gebietskrankenkasse (GKK), 6.000 Euro auf sonstige Verbindlichkeiten und 5.000 Euro auf die Finanz.

Das Vermögen (Liquidationswert) wird mit 162.325 Euro beziffert, davon entfallen 85.000 Euro auf Bankguthaben, 30.000 Euro auf Forderungen gegen Kunden, 21.000 Euro auf Anzahlungen für Kraftfahrzeuge, 20.000 Euro auf Fahrzeuge und 645 Euro auf die Geschäfts- und Betriebsausstattung. Der Verein hat keinen Liegenschaftsbesitz, die Miete für den Vereinssitz in Feldbach beträgt rund 2300 Euro im Monat.

 Und weiter heißt es: "Nachdem eine Fortführung nach Aufkündigung der Fördervereinbarung durch das AMS wirtschaftlich nicht darstellbar ist, ist zeitnahe mit einer Schließung zu rechnen."

Die Firmengeschichte

Die ESTO Leuchtenfabrik in St. Egyden wurde  laut KSV1870 im Jahr 1969 von Peter Stroj  gegründet. 1972 wurde die Elektronic-Service-Gesellschaft m.b.H. errichtet und wurde der Sitz der Firma 1974 nach Lind ob Velden am Wörthersee verlegt. Im Jahr 2003 erfolgte die Gründung der ESTO Lighting GmbH.

Die ESTO lighting GmbH hält zudem Anteile an den Vertriebstöchtern Rasveta d.o.o., Serbien (70-Prozent-Anteil) und ESTO Rasvjeta d.o.o., Bosnien (60-Prozent-Anteil). Bei der ESTO (Jiangmen) Lighting & Electric Application Co. Ltd handelt es sich um das ehemalige Fertigungszentrum in Jiangmen, welches geschlossen wurde und nicht mehr operativtätig ist. Die VENTINI-kreative Produkte GmbH war für den Online-Vertrieb und ESTO Smartlighting zuständig. Diese wird laut KSV1870 mittlerweile liquidiert.