Karl Wlaschek mit Ehefrau Ricki an seinem 97. Geburtstag

© KURIER/Rainer Eckharter

Self-Made-Milliardär
06/01/2015

Billa-Gründer Karl Wlaschek ist tot

Der erfolgreiche Unternehmer verstarb am Sonntag im Alter von 97 Jahren.

von Franz Jandrasits

Der Billa-Gründer und Immobilieninvestor Karl Wlaschek ist tot. Er verstarb am Sonntag im Alter von 97 Jahren. Wlaschek hat nicht nur die Lebensmitteleinzelhandelskette Billa gegründet, sondern verfügte auch über ein umfangreiches Immobilienimperium. Der Milliardär zählte zu den reichsten Österreichern.

Erfolgsstory nach US-Vorbild

Die Karriere von Karl Wlaschek war die österreichische Variante der klassischen amerikanischen Erfolgsstory "Vom Tellerwäscher zum Millionär" schlechthin. Auch mit der passenden Schluss-Pointe, in der der reich Gewordene oft das Unternehmen kauft, in dem er beruflich die ersten Schritte gemacht hat. Und den Chef feuert, weil dieser ihn damals schlecht behandelt hat.

Karl Wlaschek kaufte sich 2011 das Schlosshotel Velden. Gefeuert wurde niemand, stattdessen engagierte der neue Eigentümer für den Hotel-Betreiber eine Band, "damit die Schlossbar mehr belebt wird." Denn Wlaschek hat unter dem Künstlernamen "Charlie Walker" als Barpianist mit seiner Band in den 1950er Jahren mehrere Saisonen im Seehotel Velden gespielt. "Es ist ein gutes Gefühl", meinte der damals 94-jährige nach dem Kauf der Luxusherberge, "wenn man das kaufen kann, wo man früher einmal gesessen ist und fast nichts gehabt hat."

Karl Wlaschek wurde am 4. August 1917 in Wien geboren. Das Glück seines Lebens sei es gewesen, so Wlaschek bei der Präsentation seiner Biografie im Jahr 2005, die Kriegsjahre heil überstanden zu haben. Bereits während der Schulzeit spielte er, der seit seinem achten Lebensjahr Klavierunterricht hatte, als Pianist in Wiener Kaffeehäusern. Nach der Matura 1935 spielte er mit einer Band oder als Alleinunterhalter am Klavier in Kärntner Hotels. Dort traf er auch seine erste Frau, Hilde Horn, die er 1941 heiratete.

Nach dem Krieg setzte Wlaschek zuerst seine Musiker-Karriere fort. Mit ersparten 35.000 Schilling wollte er sich eigentlich seinen Traum, eine eigene Bar mit Charlie Walker am Klavier, erfüllen. Er kauft aber mit dem Geld dann doch eine Parfümerie, in der er Markenartikel zum Diskontpreis anbietet. Das Konzept ging auf, 1960 betrieb die Firma Warenhandel Karl Wlaschek (WKW) bereits 45 Filialen.

Billa-Gründung

Ein Jahr später weitete Wlaschek KW das Konzept auf den Lebensmittelhandel aus. Und wurde zum Pionier für Selbstbedienungs-Supermärkte, in Österreich damals eine Rarität. Unter dem Namen Billa – für Billiger Laden – expandierte Billa zur einer der größten Handelsketten Österreichs, die Anfang der 1990er Jahre auch ins Ausland expandierte.

Als Wlaschek seinen "Billigen Laden" 1996 überraschend an den deutschen Rewe-Konzern verkaufte, setzte der Konzern (Billa, Merkur, Bipa) mit mehr als 18.000 Mitarbeitern rund 54 Milliarden Schilling (3,9 Mrd. €) um. Rewe legte dafür rund 1,1 Milliarden Euro auf den Tisch.

Mit dem Verkaufserlös wollte er 1996/97 um rund 16 Milliarden Schilling die Creditanstalt kaufen, zog gegen die Bank Austria aber den Kürzeren. Statt die CA kaufte Wlaschek mit dem Erlös aus dem Billa-Verkauf Immobilien. Unter anderem gehören Wlaschek acht Palais in Wien, darunter das Ferstl oder das Palais Kinsky. Das Gesamtvermögen beträgt laut jüngster Aufstellung des Wirtschaftsmagazin trend 4,5 Milliarden Euro, er ist damit der fünftreichste Österreicher.

Mehrere mögliche Erben

Wer das Vermögen künftig verwaltet, ist offen. Als Kronprinz gilt Sohn Karl-Phillipp aus zweiter Ehe. Auch die Verteilung des Erbes dürfte nicht ganz einfach werden. Wlaschek war fünf Mal verheiratet, zuletzt mit Ricki Schenk, die er im Alter von 95 ehelichte. Drei der fünf Ehen endeten mit einer Scheidung, die vierte Ehefrau, Katrin, starb 2003. Ein legendärer Spruch Wlascheks lautete: "Beim Geschäft bin i guad, bei de Weiber bin i a Depp."

Für seine letzte Ruhestätte hat "Charlie Walker" längst vorgesorgt. Er ließ auf Basis eines alten Wiener Gemeindegesetzes im Palais Kinsky ein Mausoleum bauen, in dem seine Eltern und seine vierte Frau Katrin beigesetzt sind.

Eine Begegnung mit Wlaschek

Der Geschäftspartner einer der Immobilienfirmen von Wlascheks Sohn geht unter Tags auf der Kärntnerstraße. Er begegnet Wlaschek und sagt: "Hallo Herr Wlaschek, wie geht's?"

Der schaut ihn nur an.

"Kennen's mi nimma? I bin der .... ."

Wlaschek zeigt keine Reaktion.

"I hob die Firma mit eanan Sohn und einen Millionendeal eingefädelt!"

Darauf Wlaschek: "Und wos mochn's auf der Kärnterstrossn? Hobn's ka Oarbeit?!"

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