Wie Mercedes-Chef Källenius den Konzern wieder flott kriegen will
Bei der Vorstellung der erneuerten S-Klasse vor zwei Wochen ist an die fantastischen Gewinne erinnert worden, die das Flaggschiff von Mercedes einst erzielt hat. Es sollen zeitweise Bruttomargen von 40 Prozent gewesen sein. Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Am Donnerstag hat der Stuttgarter Autobauer dramatische Gewinneinbrüche und Umsatzrückgänge vermeldet. „War alles prognostiziert“, sagt Mercedes-Chef Ola Källenius. „2025 war für Mercedes ein Jahr zum ’Abhaken’“, stellt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nüchtern fest.
Strafzölle, das schwache China-Geschäft und Wechselkurseffekte machten Mercedes zu schaffen. Dass der Durchschnittspreis eines verkauften Mercedes im Jahresvergleich um 3.000 Euro gesunken ist, spricht eine deutliche Sprache. Konkret brach der Gewinn von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro ein, der Umsatz um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro. Kosteneinsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte haben laut Källenius einen Teil des Gegenwinds kompensiert.
OffensiveDer Konzern hat schon im Vorjahr mit einem Sparprogramm und einem Stellenabbau reagiert, nun sollen überarbeitete Modelle – wie etwa C-Klasse und S-Klasse – helfen. Im Laufe des Jahres werden die wichtigen SUV, wie GLA und GLC, mit neuem Elektroantrieb in den Verkauf gehen. „Von der Produktseite hat Mercedes 2026 damit etwas Rückenwind“, sagt Dudenhöffer. Auch hat Källenius die Abkehr von seiner Luxusstrategie eingeleitet. Ein neues Modell der Kompaktklasse ist geplant, der Bau der A-Klasse wird verlängert.
Vertriebschef Mathias Geisen räumte Fehler in der Vergangenheit ein. Mercedes habe die Geschwindigkeit überschätzt, wie schnell die Kunden auf E-Autos umsteigen. Auch das Design bei den E-Autos (EQ-Modelle) sei nicht passend gewesen. Entsprechend habe Mercedes seine Strategie angepasst. So werden die neuen Modelle als Verbrenner und E-Auto angeboten. Optisch ähneln die E-Modelle wieder den Verbrennern.
Insgesamt verkaufte Mercedes im Vorjahr etwas mehr als 1,8 Millionen Pkw, ein Minus von neun Prozent. Im wichtigen chinesischen Markt fiel der Rückgang mit 19 Prozent stark aus. Bis spätestens 2029 peilt der Konzern insgesamt wieder zwei Millionen Verkäufe an.
Dass die Produktion der A-Klasse nach Ungarn verlegt wird, wirft ein Schlaglicht auf das drängendste Problem: Mercedes verlagert aus Kostengründen Produktion und Jobs nach Osteuropa und China und in die USA.
Für 2026 rechnet Mercedes mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau, das operative Ergebnis soll deutlich über dem Vorjahr liegen. Allerdings dürfte die von 8 auf 5 Prozent gesunkene Marge im Pkw-Geschäft noch etwas geringer ausfallen. Die Dividende je Aktie soll von 4,30 auf 3,50 Euro schrumpfen. Auch die Mitarbeiterprämien werden deutlich gekürzt.
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