Bauern fordern verpflichtende Herkunftskennzeichnung im Wirtshaus
Hühnerfleisch aus Deutschland, Eier aus Polen, Gemüse aus Spanien – internationale Lebensmittel sind in vielen Wirtshausküchen gang und gäbe. Die Gäste bekommen davon meist nichts mit. Geht es nach dem Österreichischen Bauernbund, soll sich das ändern. Denn dieser fordert aktuell erneut eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Lebensmittel in der Gastronomie.
„Konsumenten müssen auch außer Haus klar und einfach erkennen können, woher Fleisch, Milch, Eier und weitere sensible Produkte stammen“, heißt es in einer Aussendung. Es gehe um Transparenz und Ehrlichkeit, sagt Bauernbund-Direktorin Corinna Weisl.
Wiener Schnitzel mit Fleisch aus den Niederlanden
„Es kann nicht sein, dass Gäste ein Wiener Schnitzel bestellen und am Ende Kalbfleisch aus dem Ausland, etwa aus den Niederlanden, am Teller liegt“, sagt Weisl weiter. Sie verweist damit auf eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des Recherchenetzwerks The Marker aus Dornbirn. Diese ergab, dass Kalbfleisch für den österreichischen Klassiker häufig aus den Niederlanden stammt, wo Tiere unter problematischen Bedingungen gehalten werden.
Europas Landwirtschaft stehe aktuell unter massivem Druck durch steigende Kosten, hohe Auflagen und sinkende Erzeugerpreise. Auch der EU-Mercosur-Deal, der am Samstag unterzeichnet wurde, würde den Wettbewerb weiter verschärfen.
Freihandelsabkommen würden dazu führen, dass „Produkte aus Drittstaaten mit niedrigeren Produktionsstandards in den europäischen Markt drängen“. Weisl: „Gerade wenn unterschiedliche Standards aufeinandertreffen, braucht es klare Spielregeln und volle Transparenz.“
Gastronomie-Vertreter wehren sich gegen Verpflichtung
Gegenwind gibt es von Vertretern der Gastronomie: Eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung sei etwa für Alois Rainer, Fachverbandsobmann bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), aus mehreren Gründen abzulehnen. Sie würde etwa eine „enorme bürokratische Belastung für die von Klein- und Mittelbetrieben geprägte Branche“ bedeuten, teilt Rainer dem KURIER mit.
Der Fachverbandsobmann warnt etwa vor „umfangreichen Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten und vor häufigen Änderungen der Speisekarte. Bereits jetzt seien die Betriebe durchschnittlich zehn Stunden pro Woche „mit bürokratischen Tätigkeiten belastet“.
Auch das EU-Recht stünde einer verpflichtenden Herkunfskennzeichnung entgegen, da diese nur dann vorgeschrieben werden dürften, wenn „nachweislich eine Verbindung zwischen bestimmten Qualitäten des Lebensmittels und seinem Ursprung oder seiner Herkunft besteht“, so Rainer. Für neue, freiwillige Modelle der Herkunftskennzeichnung zeigt sich der Fachverband Gastronomie grundsätzlich offen.
Auch bei der Wintertagung des Ökosozialen Forums geht es heuer um Transparenz. Hundert Expertinnen und Experten sprechen auf der größten agrarpolitischen Diskussionsveranstaltung über den Wert von Lebensmitteln.
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