Lohndumping? Schwere Vorwürfe gegen bekannte Traditionsbäckerei
Zusammenfassung
- Mehr als 30 Ex-Mitarbeiter der Salzburger Bäckerei Essl werfen dem Betrieb seit 2024 vor, Löhne nicht oder zu gering ausbezahlt zu haben.
- Die Geschäftsführerin Stefanie Essl weist die Vorwürfe zurück und betont, alle gerichtlichen Zahlungen geleistet zu haben.
- Gegen das Unternehmen läuft seit September 2024 ein Insolvenzverfahren, aktuell sind vier arbeitsrechtliche Verfahren anhängig.
Die Salzburger Traditionsbäckerei Essl, die in der Landeshauptstadt mehrere Filialen betreibt, steht im Verdacht, seit Jahren Löhne gar nicht, nicht fristgerecht oder in viel zu geringer Höhe ausbezahlt zu haben.
Wie die Plattform ZackZack und die Salzburger Nachrichten berichten, haben sich seit 2024 mehr als 30 Ex-Mitarbeiter an die Arbeiterkammer Salzburg gewandt. "In der Dimension ist das unüblich", sagte Heimo Typplt, der Leiter der AK-Rechtsschutzabteilung.
Verfahren am Arbeits- und Sozialgericht
"Die Leute arbeiten, werden aber nicht ordnungsgemäß bezahlt. Dann treten sie vorzeitig aus. Oder das Dienstverhältnis wird von der Essl GmbH beendet, wenn sich die Leute an uns wenden." Nur in wenigen Fällen sei auf Intervention der Arbeiterkammer der eingeforderte Lohn oder zumindest ein Teil davon nachbezahlt worden. In den anderen Fällen hat die AK Klage beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht - was bedingte Zahlungsbefehle durch das Gericht zur Folge hatte.
Zwar habe es dann in einigen Fällen überraschend außergerichtliche Einigungen gegeben, sagte Typplt, oft wurden aber auch nach Erhalt des Zahlungsbefehls die geforderten Beträge nur teilweise nachbezahlt. Und: Mit Stand Ende Jänner 2026 waren laut SN erneut vier Verfahren am Arbeits- und Sozialgericht anhängig.
Geschäftsführerin von Essl weist Vorwürfe zurück
Operative Geschäftsführerin der Bäckerei ist Stefanie Essl, frühere ÖVP-Gemeinderätin und seit März 2023 Bezirksobfrau des Wirtschaftsbundes Salzburg-Stadt, auch wenn im Firmenbuch ihr Vater als Geschäftsführer aufscheint. Die 41-Jährige studierte Wirtschaftswissenschafterin hält 91 Prozent der Gesellschaftsanteile.
Gegenüber ZackZack und SN versicherte sie, dass die vom Gericht beauftragten Zahlungen erledigt seien. Sie habe grundsätzlich immer den vereinbarten Lohn ausbezahlt. "Es liegt mir fern, Mitarbeiter nicht rechtens zu bezahlen." Leider seien Mitarbeiter unberechtigt vorzeitig ausgetreten. "Ich sehe bei mir keine Versäumnisse." Zu den vier offenen Verfahren könne sie derzeit nichts sagen. Sie glaube, dass die ehemaligen Beschäftigten "einen wahnsinnigen Hass" auf sie hätten. "Weil ich die Einhaltung der Arbeitszeiten einfordere. Wir sind oft nicht im Guten auseinandergegangen."
Funktion im Wirtschaftsbund ruhend gestellt
In einer Medieninformation am Mittwoch erklärte Essl, ihre Funktion als ehrenamtliche Bezirksobfrau des ÖVP-Wirtschaftsbundes in der Stadt Salzburg ab sofort ruhend zu stellen. "Meine volle Kraft werde ich der positiven Abwicklung des laufenden Insolvenzverfahrens widmen." Bis dahin rücke ihr Stellvertreter Florian Ritter als geschäftsführender Bezirksobmann nach.
Wirtschaftsbund kündigt Presseinformation an
Der Wirtschaftsbund hat am späten Mittwochvormittag für den Laufe des Tages eine Presseinformation angekündigt.
Über die Essl GmbH wurde im September 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Laut AK datieren die ersten Beschwerden aber bereits aus der Zeit davor. Die Verbindlichkeiten betrugen damals 482.000 Euro. Die Gläubiger nahmen den vorgelegten Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent an, die Zahlungsfrist endet im Dezember 2026. Der Betrieb wurde weitergeführt. Laut Firmenbuch beschäftigte die Essl GmbH zuletzt 25 Mitarbeiter.
Kommentare