Boom bei elektrifizierten Autos - warum sich der Markt plötzlich dreht
Neuartige Akkus sollen E-Autos günstiger machen
Horcht man in den Automarkt hinein, hört man die Worte endlich, stetig, steigend und elektrisch durchklingen. Die Branche blickt auf eine Erholung im vergangenen Jahr zurück, sie nähert sich mit einem Plus von zwölf Prozent bei Pkw-Neuzulassungen wieder der für die heimische Autowelt magischen 300.000er-Schwelle. Zum Vergleich: 2019, im Vor-Corona-Jahr, lag der Wert bei fast 330.000 verkauften Einheiten. Davon war die Branche in den Rezessionsjahren seither weit entfernt, 2025 lieferte nun aber den Ruck nach vorne.
„Es gibt einen großen Nachholbedarf, gerade im privaten Sektor“, analysiert Günther Kerle, Sprecher der Automobilimporteure. Autokäufe wären in den vergangenen Jahren oft verschoben worden, weil Wirtschaftskrise und die Verunsicherung der Konsumenten aufgrund der Transformation hin zu E-Autos schwerer wogen. Das hat das Durchschnittsalter der Pkw auf den heimischen Straßen auf mittlerweile zwölf Jahre angehoben. Jetzt aber würden sich die Menschen wieder trauen, gerade Private, die immerhin ein Drittel aller Autokäufe tätigen. Was dabei auffällt: Erstmals liegen Fahrzeuge mit Elektromotor in der Statistik vorne. Wie das?
Seit 2019 ist der Automarkt in der Krise – jetzt gibt es erstmals wieder eine kräftige Erholung. 285.000 verkaufte Einheiten – und damit Plus zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr – überraschen selbst Branchenvertreter. „Damit nähern wir uns den Stückzahlen vor Corona an“, sagt Günther Kerle, Sprecher der Automobilimporteure.
- Die 2025er-Statistik weist mehrere bemerkenswerte Neuerungen auf: Erstmals liegen Benzin-Hybrid-Autos an erster Stelle (Marktanteil 34,1 %); Benziner verlieren mehr als fünf Prozent (27,9 %), Diesel verliert 25 Prozent (11,6 % Anteil). Der Anteil reiner Elektroautos stieg auf 21,3 Prozent (Plus 36 %). Damit liegt Österreich über dem Europaschnitt von 19 Prozent.
- Bei den Marken bleibt VW Erster mit 14,2 % Marktanteil, vor Skoda (10,6 %), BMW (6,7 %), Audi (5,8 %), Dacia (4,6 %), Mercedes (4,6 %), Hyundai 4,5 %, Seat (4,5 %). Meistverkauftes Auto: Skoda Octavia vor VW Golf und BMW X1. Der Marktanteil aller VW-Konzernmarken liegt zusammen bei 39,6 %.
- Reine Elektroautos haben einen neuen Marktführer: BMW löst Tesla ab. Das Ranking bei E-Autos: BMW (10,9 %), VW (10,8 %), Tesla (10,2 %), Skoda (10,2 %) und BYD (8,7 %).
Hybrid traut man
Dass allein mit Benzin getriebene Autos nicht mehr Bestseller sind, ist ein Novum in der Geschichte des heimischen Automarkts. Hybride liegen erstmals voran (39,3 Prozent Autos mit Verbrenner- und Elektromotor), auch der Anteil reiner E-Fahrzeuge ist auf 21,3 Prozent gestiegen. Insgesamt macht das Segment der verkauften Autos, die (auch) einen Elektromotor haben, mehr als 60 Prozent aus. Damit liegt die Ausrollung der E-Mobilität zwar hinter den hochgesteckten Erwartungen und fernab des Plans – aber die Zulassungszahlen gehen stetig nach oben. Den Trend zur Elektrifizierung sieht auch der ÖAMTC. „In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Gesamtzahl der Diesel-Pkw in Österreich um 350.000 reduziert – die Zahl entspricht dem gesamten Pkw-Bestand Kärntens“, führt Martin Grasslober, Leiter Verkehrswirtschaft ÖAMTC exemplarisch an.
Nichtsdestotrotz: Im Bestand sind von den 5,3 Millionen zugelassenen Pkw in Österreich nur etwa 254.000 rein elektrisch, das entspricht einem Wert von etwa fünf Prozent. Heißt aber im Umkehrschluss: 95 Prozent aller Autos verbrennen immer noch fossilen Treibstoff.
Stetig nach oben
Prognosen von Experten, wie es mit der Marktdurchdringung von Elektroautos weitergehen könnte, sehen den Trend „stetig, fortlaufend nach oben“. Heißt: Kein Kipppunkt, an dem E-Autos plötzlich zum Verkaufsrenner werden. Aber eine weiterhin langsame Entwicklung der Verkaufszahlen nach oben. Grasslober: „Im Moment ist die Hybridisierung das große Thema. Das traut man sich. Studien zeigen, dass der Bestand an reinen E-Autos 2030 in Österreich auf rund 800.000 bzw. 15 Prozent steigen könnte. Für mehr fehlt aktuell das Vertrauen der Konsumenten.“ Günther Kerle sieht Anzeichen, dass die 25-Prozent-Marke bei den E-Auto-Verkäufen erreicht werden könnte: „Wir brauchen jedes vierte Auto elektrisch, um die Klimaziele zu schaffen. Ich sehe diesen Wert für 2026 aber durchaus realistisch.“
Die Hemmnisse für Konsumenten, sich in das „Abenteuer“ Elektroauto zu wagen, bleiben indes unverändert: Es ist eine Frage der Infrastruktur, des Strompreises, der Preistransparenz an der Ladesäule, der Preise für E-Autos und letztlich auch der Förderungen, sind Experten einig. Aktuell halten vor allem die Unternehmen die Elektrofahne hoch – weil sie ihren Fuhrpark CO2-neutral halten müssen, es steuerliche Vorteile und keinen Sachbezug gibt.
- China ist auf dem österreichischen Automarkt angekommen, aber fast ausschließlich in Gestalt einer Marke: BYD bildet die Spitze der chinesischen Präsenz und erreichte 6.899 Neuzulassungen, davon waren 5.262 reine Elektroautos. Damit steigerte der Hersteller seinen Gesamtabsatz im Vergleich zu 2024 um 74,8 Prozent. Erfolgreichstes Modell war der BYD Seal mit 3.277 Einheiten.
- Andere chinesische Marken spielen in Österreich bisher nur eine kleine Rolle. Nach BYD bildet MG mit insgesamt 5.461 Zulassungen die zweitstärkste chinesische Marke. Mit dem ZS stellt sie das einzige weitere chinesische Modell in den Top-20. Kleinere Anbieter wie Leapmotor (zählt zu Stellantis, 848 Zulassungen), XPENG (54) oder Jaecoo (62) sind erst seit Kurzem auf dem österreichischen Markt vertreten.
- Noch geringer ist die Präsenz von NIO (13), Omoda (9), Lync & Co (1) und SWM (1) – sie erreichen derzeit nur einzelne Zulassungen und bauen ihre Vertriebs- und Servicenetze gerade erst auf.
- Insgesamt stammen 16.535 Fahrzeuge aus rein chinesischen Marken, Marktanteil gesamt: 5,8 Prozent. Und damit Platz fünf in der Herkunftsland-Rangliste. Das Plus ist allerdings beachtlich: 48,2 Prozent gegenüber 2024.
(Fabio Ehlers)
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