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Wirtschaft
12/05/2011

Autobranche: Auf der Straße der Sieger

Die Krise von 2009 ist weit weg, die aktuelle Lage vieler Hersteller besser denn je. Für drohende Konjunkturrisiken sehen sie sich gewappnet.

Mehr als 42 Milliarden Euro wird die Autoindustrie weltweit heuer an Gewinnen einfahren. Laut der Berechnung des Unternehmensberaters McKinsey waren es im Vorjahr nur 31 Milliarden Euro, in den Krisenjahren 2008 und 2009 nur drei bzw. vier Milliarden Euro.

Damals überlebten viele Hersteller und Zulieferer nur dank milliardenschwerer staatlicher Stützungsprogramme. Doch nachdem sich die Weltkonjunktur wieder erfangen hat, kletterte auch die Nachfrage steil nach oben. In vielen Ländern gibt es Zulassungsrekorde, neue Werke werden aus dem Boden gestampft und bei einigen Herstellern laufen Sonderschichten, um dem hohen Bedarf ohne zu lange Lieferzeiten gerecht zu werden.

"Wir haben bei den Auslieferungen den besten August hingelegt, auch der September läuft gut", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am vergangenen Wochenende auf der IAA, der weltgrößten Automesse in Frankfurt. Er lässt keinen Zweifel daran, dass das vorgegebene Ziel von 1,6 Millionen Verkäufen heuer erreicht wird. Auch die beiden anderen deutschen Premium-Marken, Audi und Mercedes, können ebenso starke Zuwächse vermelden. In guten Jahren wird gerne zu hochpreisigen Fahrzeugen gegriffen.

Bei Europas Nummer eins, Volkswagen, stehen in den fünf Jahren zwischen 2012 und 2016 weltweit Investitionen von 62,4 Milliarden Euro an. "Die Entwicklung in China und Südamerika ist sehr stark", sagte VW-Finanzchef Dieter Pötsch. In der Tat weisen die Zukunftsmärkte in Asien und Südamerika seit einigen Jahren die größten Wachstumsraten auf. Denn die Motorisierungsrate ist in diesen Ländern weitaus geringer. In China etwa kommen im Durchschnitt 44 Autos auf 1000 Einwohner - in Deutschland sind es 500, in den USA mehr als 800.

Sorgenkinder

Doch nicht bei allen Herstellern ist die Situation Eitel Wonne. Beispiel Opel: Die Tochter des weltgrößten Herstellers General Motors (GM) kam gemeinsam mit der Mutter und der Schwester Saab aufgrund einer verfehlten Modellpolitik ins Schleudern. GM konnte durch die Verstaatlichung gerettet werden.

Mittlerweile ist der Konzern wieder an der Börse und aufgrund einer geglückten Redimensionierung und Umstrukturierung ist der traditionsreiche Hersteller wieder gut unterwegs. Die Staatsgelder sollen bald zur Gänze zurückgezahlt sein. Auch Opel - nach langem Hin und Her letztendlich doch bei GM verblieben - ist auf dem Weg zurück. Im zweiten Quartal wurde erstmals seit Jahren wieder ein Gewinn eingefahren. "Wir haben das Ziel, in diesem Jahr 1,3 Millionen Autos zu verkaufen und nächstes Jahr 100.000 mehr", sagte Opel-Chef Karl-Friedrich Stark. Dann soll auch unterm Strich mit Gewinn abgeschlossen werden. Glücken soll dies mit modernen Modellen, darunter der Elektrowagen Ampera, sowie dem Abbau von 8000 Stellen.

Ebenso auf Staatshilfen angewiesen war Chrysler. Diese wurden heuer vorzeitig zurückgezahlt, so dass der US-Autobauer mit Verlust das Jahr beenden wird. Der Schritt war aber Bedingung von Fiat vor Übernahme von 53 Prozent der Anteile. Beide wollen nun durch Synergien künftig eine globalere Rolle spielen.

Weniger gut läuft es heuer für Japans Autobauer. Gründe sind das Erdbeben vom März sowie der starke Yen, der Exporte verteuert. Toyota hatte 2008 GM als weltweite Nummer eins abgelöst. Nun ist der Hersteller auf Platz drei zurückgerutscht. "Es ist im Moment sehr schwierig", sagte Toshiaki Yasuda, Chef von Toyota Deutschland. Immerhin habe sich die Produktion in Japan zu 100 Prozent normalisiert, es gebe keine Lieferzeitprobleme mehr.

Eintrübung

Noch bis zum Sommer ging die Branche davon aus, dass die Verkäufe zum Vorjahr (weltweit 59 Millionen Pkw) stark zulegen werden. Doch mit Eintrübung der Weltwirtschaft bremst sich laut Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center der Uni Duisburg der Absatz auf etwas mehr als 60 Millionen ein (statt ursprünglich erwarteter 62 Millionen). 2012 werde es zu einer Stagnation bei den Verkäufen kommen.

"Natürlich wünschen wir uns, dass das Wachstum vom ersten Halbjahr anhält", sagt Opel-Boss Stracke. "Aber das ist nicht zu erwarten. Schwarzmalerei ist dennoch nicht angebracht." Bei Daimler sind laut Chef Dieter Zetsche noch keine Auswirkungen der Turbulenzen an den Finanzmärkten zu bemerken, aber generell werde sich das Wachstum der Branche verlangsamen. "Die nächsten Monate werden kein Selbstläufer", meint wiederum VW-Chef Martin Winterkorn.

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