Wirtschaft
05.10.2018

Aufseher sind besorgt: Banken vergeben zu locker Kredite

Finanzaufsicht: Digitales Zeitalter birgt neue Risiken. „Die nächste Krise wird sicher kommen“, warnt Chefaufseherin Nouy.

Früher musste sich ein Kunde zumindest zur Bank bequemen, wenn er Geld benötigte. Im Zeitalter von Online-Banking, Apps und sozialen Medien sind Kredite oft nur einen Mausklick entfernt. Den Kunden werden Angebote fast schon aufgedrängt.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) ist besorgt, dass so vermehrt Kredite abgeschlossen werden, die die Konsumenten gar nicht brauchen, sagte FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller am Donnerstag bei der Aufsichtskonferenz in Wien. Noch dazu, wo die Computeralgorithmen oft den maximal möglichen Kreditrahmen gleich mit ausspucken.

„Ja, wir sehen auch auf europäischer Ebene, dass die Banken die Kreditvergabe-Standards lockern“, sagte Danièle Nouy, Europas oberste Bankenaufseherin, zum KURIER. Das habe zunächst gehebelte Kredite betroffen, zusehends aber auch andere Arten.

Billiges Geld

Zum Teil sei das sogar verständlich: „Wenn reichlich billiges Geld verfügbar ist und die Gewinne gering sind, gehen die Banken höhere Risiken ein.“ Die Aufseher achten nun strikter darauf, dass grundlegende Kredit-Vergabekriterien befolgt werden.

Bessere rechtliche Handhabe wünscht sich die FMA auch für Kryptowährungen wie Bitcoin und damit verbundene Geldbeschaffungsaktionen. Bereits jede zweite FMA-Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft entfalle auf den Bereich, sagte Kumpfmüller: „Was wie ein Finanzinstrument wirkt, muss wie ein solches beaufsichtigt werden.“

Geldwäsche-Probleme

Eine Lehre aus der Krise von 2008 war, dass globale Banken nicht von einem Flickwerk nationaler Aufseher gebändigt werden können. Nouy verantwortete die Etablierung des europäischen Aufsichtsmechanismus (SSM) mit. Heute sei dieses Netzwerk mit 26 Behörden aus 19 Ländern, dessen Fäden bei der EZB in Frankfurt zusammenlaufen, der größte Bankenaufseher der Welt.

Für den Kampf gegen Geldwäsche hat der SSM freilich keinen Auftrag, das ist noch nationale Angelegenheit. Der Fall der dänischen Danske Bank, der nun von der US-Justiz hohe Milliardenstrafen drohen, weil sie im Baltikum gegen Anti-Geldwäscheregeln verstoßen hat, zeige, dass eine europäische Behörde ähnlich dem SSM sinnvoll wäre, sagte Nouy.

Ende 2018 wird die Französin nach fünf Jahren im Amt ausscheiden. Die Nachfolge ist noch nicht entschieden, als Favoriten werden die irische Notenbankerin Sharon Donnery, der Chef der europäischen Bankenbehörde EBA, der Italiener Andrea Enria, und der Leiter der französischen Aufsicht Robert Ophele gehandelt. Der- oder diejenige müsse „fair und hart zugleich“ sein, sagte Nouy. Und bereit, viel zu arbeiten. Denn die nächste Krise werde mit Sicherheit folgen.