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Wirtschaft
09/05/2019

Aufregung um fünften Vorstand bei der OMV

Der Öl- und Gaskonzern will eine Frau in die Führungsetage holen. Spekuliert wird auch über zwei Ex-Ministerinnen.

von Andrea Hodoschek

Es geht um einen der wirklich gut bezahlten Vorstandsjobs in Österreich. Mit einer Jahresgage in der Größenordnung von 1,3 Millionen Euro. Der teilstaatliche, börsenotierte Öl- und Gaskonzern OMV beschloss mit dem Abgang von Vorstand Manfred Leitner im Mai eine Neuorganisation und Zweiteilung des Downstream-Bereiches (Raffinerien, Tankstellen, Öl- und Gashandel). Heißt, der bisher vierköpfige Holding-Vorstand wird von vier auf fünf Mitglieder aufgestockt.

Leitner wurde intern bereits mit dem OMV-Urgestein Thomas Gangl nachbesetzt. Der neu geschaffene Vorstandsjob umfasst Marketing und Trading, die Kandidatensuche läuft derzeit über einen Headhunter.

Ursprünglich gingen Insider davon aus, dass OMV-Chef Rainer Seele seinen engsten Mitarbeiter Markus Friesacher in den Vorstand hieven werde.

Der bestens vernetzte Salzburger hatte die sogenannte Hofer-Tankstellenkette aufgezogen. Einer der ersten Deals von Seele als neuem OMV-Boss war Ende 2015 die Übernahme dieser FE-Trading, Friesacher kam als Büroleiter von Seele an Bord der OMV.

In letzter Zeit sollen sich die Ambitionen des OMV-Chefs, Friesacher zu forcieren, eingebremst haben, hört man aus dem Unternehmen. Friesacher werde auch nicht sonderlich oft in der Firma gesichtet, wird kolportiert.

Inzwischen lautet die Devise, eine Frau muss in den derzeit ausschließlich männlich besetzten Vorstand. Das werde von der Qualifikation her allerdings schwierig, soll Seele bei einer Aufsichtsratssitzung angedeutet haben.

Im Konzern und auch in der Branche und in Wirtschaftskreisen wird heftig spekuliert. Wie immer bei der Besetzung von Topjobs im teilstaatlichen Bereich und kurz vor der Nationalratswahl erst recht. So viel ist sicher. Die Entscheidung wird vom Ablauf her bedingt nach der Wahl fallen.

An der Gerüchtebörse werden die ÖVP-Ex-Ministerinnen Margarete Schramböck und Elisabeth Köstinger genannt. Mit dem Argument, Schramböck habe Erfahrung im Spitzenmanagement und Köstinger könne das Umwelt- und Nachhaltigkeitsthema einbringen, bei dem die OMV Expertise dringend brauche.

Schramböck, Spitzenkandidatin für die ÖVP in Tirol, dementiert ebenso wie Köstinger, die in Kärnten als Nummer eins gesetzt ist. „Ich habe mich dafür entschieden, in die Politik zu gehen und widme mich nun voll und ganz dieser Aufgabe“, erklärt Schramböck gegenüber dem KURIER. Politikerin sei für sie ein „Fulltime-Job, der mich mit viel Freude erfüllt.“

„Mein Platz ist in der nächsten Bundesregierung“, erklärt Köstinger dazu. An den OMV-Gerüchten sei „nichts wahr, das ist nicht mein Interessensgebiet.“

MINISTERRAT: SCHRAMBÖCK
HINTERGRUNDGESPRÄCH "CLEARING-STELLE DES PARLAMENTS BEI SEXUELLER BELÄSTIGUNG UND MACHTMISSBRAUCH": KÖSTINGER

Bild links: © APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

Bild rechts: © APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTH

Dementiert: Ex-ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger // Will in der Politik bleiben: Ex-ÖVP-Ministerin Schramböck // 

Aufsichtsrat

Anlass für diese Spekulationen dürfte die ÖVP-Dominanz an der Spitze des OMV-Aufsichtsrates sein. Wie berichtet, rückte der langjährige Aufsichtsrat Wolfgang C. Berndt heuer an die Spitze des Gremiums. Als die ÖVP ihre Parteispender für 2017 bis 2019 veröffentlichte, schienen Berndt und seine Frau mit insgesamt 65.000 Euro auf.

Vize-Präsident des Aufsichtsrates ist Thomas Schmid, Vorstand der Staatsholding ÖBAG und ebenfalls ÖVP-nahe.

Unter den inländischen Kandidatinnen wird noch Valerie Hackl genannt. Sie hat Erfahrung im Vorstandsbereich. Die Managerin war im Vorstand des Personenverkehrs, einem Teilkonzern der ÖBB, und ist derzeit im Vorstand der Flugsicherung Austro Control. Auch sie dementiert.

Vom Anforderungsprofil her wird’s bei inländischen Kandidatinnen ohnehin schwierig. Die neue Vorstandsfrau bei Österreichs wichtigstem Energieversorger sollte, jedenfalls nach dem Anforderungsprofil, internationale Erfahrung und Kontakte im Öl- und Gasgeschäft haben, am besten im Downstream-Bereich.

In der Branche wird die Norwegerin Maria Moraeus-Hanssen genannt. Die Vize-Chefin von Wintershall hat vor Kurzem angekündigt, mit Jahresende den deutschen Öl- und Gaskonzern zu verlassen. Seele kommt selbst von Wintershall, das Unternehmen ist bei fast allen internationalen Projekten der OMV mit dabei.

Spekuliert wird auch über die Britin Christina Verchere, die Chefin der rumänischen OMV-Tochter Petrom. Die ehemalige BP-Managerin gilt schon länger als Personalreserve der OMV.