© APA/HERBERT NEUBAUER

ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz
01/20/2015

Wehrschütz-Auftritt bei ÖVP-Klubklausur wird Fall für ORF-Ethikrat

Redakteursprecher Bornemann sieht klare Unvereinbarkeit.

Empörung und Ärger herrscht unter ORF-Journalisten über den jüngsten Auftritt des ORF-Korrespondenten Christian Wehrschütz bei der ÖVP-Klubklausur. Der Osteuropaexperte hatte bei dem ÖVP-Treffen über die Lage in der Ukraine referiert. Für ORF-Redakteursratsvorsitzender Dieter Bornemann eine klare Unvereinbarkeit. In der ORF-Geschäftsführung sieht man hingegen kein Problem im Vorgehen Wehrschütz.

Der Auftritt von Wehrschütz war jedenfalls mit der ORF-Führung abgestimmt. Formal sei das Referat als journalistischer Experte nicht genehmigungspflichtig gewesen, der ORF hat aber grünes Licht gegeben, teilte ein Sprecher des öffentlich-rechtlichen Senders auf APA-Anfrage mit. Wehrschütz würde ein solches Referat auch bei jeder anderen Partei halten, hieß es weiter. Wehrschütz selbst erklärte gegenüber dem "Standard", dass er Vorträge dort halte, wo er eingeladen werde. "Auch bei Neos, Grünen, SPÖ oder FPÖ, wenn sie mich einladen".

"Journalisten sollten berichten, nicht beraten"

Der Verhaltenskodex für ORF-Journalisten hält freilich fest, dass politische und wirtschaftliche Verquickungen, die geeignet sein könnten, Zweifel an der Unabhängigkeit aufkommen zu lassen, zu vermeiden sind. "Das wird ein Fall für den Ethikrat", erklärte denn auch Redakteurssprecher Bornemann am Dienstag gegenüber der APA. "Journalisten sollten berichten, nicht beraten. Wenn jemand Politikberater sein will, soll er den Job wechseln."

Für Bornemann steht der ÖVP-Auftritt von Wehrschütz, der bis Anfang der 2000er-Jahre FPÖ-Mitglied war, jedenfalls nicht im Einklang mit ORF-Regularien und ORF-Gesetz. "Mit der Unabhängigkeit eines ORF-Journalisten ist das unvereinbar. Und die Pflicht zur Unabhängigkeit kann auch nicht dadurch ausgehebelt werden, indem man wo gratis auftritt. Das ist nicht unsere Aufgabe. Wir sind keine Politikberater. Dass das ausgerechnet jemand macht, der den Titel 'Journalist des Jahres' trägt, ist besonders bedauerlich."

Schon in der Vergangenheit hatten Auftritte von ORF-Journalisten bei Parteiveranstaltungen für Diskussionen gesorgt. 2007 hielt etwa der damalige FPÖ-nahe zentrale Chefredakteur Walter Seledec bei einer FPÖ-Klubklausur ein Referat über den ORF. ORF-Chef Alexander Wrabetz hatte den Auftritt genehmigt. Im ORF-Publikumsrat gab es an dieser Entscheidung Kritik. Zugleich wurde Richtung ORF-Spitze die Bitte geäußert, künftig bei derartigen Entscheidungen "die notwendige Sensibilität" walten zu lassen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.