Für Sky ist Netflix kein Problem

Ein Mann im Anzug steht vor einer Wand mit dem Sky-Logo.
atSky-Österreich-Geschäftsführer Kai Mitterlechner legte soeben betriebswirtschaftliche Kennzahlen für das von ihm geführte Unternehmen vor. Bei den Abonnenten durchbrach Sky 2013 die Schallmauer von 300.000. Dank eines Netto-Zuwachses von 23.900 Kunden arbeitet das Medienunternehmen nun mit 319.400 Abonnenten. Auch der Umsatz stieg. Und zwar auf 137,7 Millionen. Ein Zuwachs von 10,9 Millionen gegenüber 2012). "Wir liegen nun auf Platz vier der größten Medienhäuser Österreichs. Damit hätte vor fünf Jahren niemand gerechnet", erlärt Mitterlechner im atmedia.at-Interview

atmedia.at: Was sind die Treiber? Ist die wirtschaftliche Situation der Leute kein Problem?
Mitterlechner: Grundsätzlich steigt die Bereitschaft, für gute und exklusive Inhalte Geld zu bezahlen. Dazu kommt, dass wir, und das ist meine feste Überzeugung, die beste Antwort auf das veränderte Mediennutzungsverhalten in Österreich haben. Wir bieten unseren Kunden mit den On-Demand-Services Sky Go, Sky Anytime und der kürzlich gestarteten Online-Videothek Snap unsere Inhalte auf Abruf über alle Devices. Auch bei technischen Innovationen wie HD, 3D oder 4K sind wir Marktführer. Die Menschen haben mittlerweile den großen Unterschied dieser Art des Fernsehens zum klassischen linearen Fernsehen kennen und schätzen gelernt. Es gibt viele, viele Sportereignisse exklusiv bei uns. Hollywood-Filme gibt es ein Jahr vor ihrer Free-TV-Premiere ebenfalls nur bei uns. Wir bauen zudem das Segment Serien ganz groß aus, weil wir der Überzeugung sind, dass Serien eine Art neues Kino sein werden. Der Aufwand, der von der Filmwirtschaft getrieben wird, um Serien auf den Markt zu bringen, erreicht inzwischen Höhen, die man vor wenigen Jahren noch für völlig unvorstellbar gehalten hat. Sky hat hier eine einzigartige Marktstellung: Wir zeigen heuer 80 Serien- und Staffelstarts, viele davon wenige Stunden nach oder sogar zeitgleich zum US-Start . Neben den technischen Innovationen arbeiten wir also stetig daran unsere Content-Position auszubauen. Wir beteiligen uns nun sogar bei einer internationalen Serien-Produktion. Die TV-Serie The Hundred Code wird voraussichtlich ab 2015 zu sehen sein. Weitere Projekte sind in der Pipeline.

atmedia.at: Der österreichische Fernseh-Zuschauer tickt angeblich anders als der deutsche. Ist er tatsächlich weniger sportaffin?
Mitterlechner: Das ist so ein wenig das Henne-Ei-Prinzip. Das Sport-Angebot, das wir Österreichern bieten können, ist anders als jenes in Deutschland zu bewerten. Dort sind die deutsche Bundesliga, die Champions League und die Formel 1 Leuchttürme, was die Nachfrage betrifft. In Österreich ist das Sport-Interesse anders gelagert, wenn man etwa an Ski Alpin denkt, einen Sport-Bereich der nationale Bedeutung hat. Fußball ist auch wichtig, wobei wir anders als in Deutschland durch das wöchentliche Live-Spiel beim ORF nicht die Exklusivität haben. Und natürlich hat die Champions League auch eine völlig andere Bedeutung, wenn, wie in Deutschland, vier Teams unter den letzten 16 mitspielen. Natürlich haben wir dadurch in Österreich einen stärken Film- und Serien-Fokus. Wobei ich nicht sagen würde, dass der Österreicher weniger sportaffin ist.

atmedia.at: Die österreichische fußball-Bundesliga müssen Sie ja mit dem ORF teilen, was gar nicht freut.
Mitterlechner: Es ist nun mal so, dass hier der eine oder andere Schritt in die Zukunft noch nicht stattgefunden hat. Darüber kann man sich jeden Tag den Kopf zerbrechen oder man akzeptiert das fürs Erste als Faktum. Es tut der Entwicklung von Sky Österreich keinen Abbruch. Vor fünf Jahren hätte niemand geglaubt, dass es hier einmal ein Entertainment-Unternehmen geben könnte, das neben dem ORF und den wenigen Privaten einen dreistelligen Millionen-Euro-Umsatz erzielen kann. Wir versuchen natürlich, unsere Marktposition jedes Jahr weiter auszubauen und den Markt weiter zu verändern und zu entwickeln.

atmedia.at: Die starke, nun positive Entwicklung von Sky könnte vom US-Online-TV-Anbieter Netflix bedroht werden, mit dessen Start im deutschsprachigen Raum im Herbst gerechnet wird. Wie sieht man diesen bei Sky?
Mitterlechner: Netflix ist in USA zweifelsohne sehr erfolgreich. In Österreich und Deutschland hat Sky aber nahezu alle wesentlichen Rechte auf Jahre hinaus gesichert. Das gilt für aktuelle Filme, Serien und Live-Sport. Wir zeigen ja auch die Netflix-Serie House of Cards, deren zweite Staffel seit einigen Tagen - übrigens parallel zum US-Start - komplett bei uns zu sehen ist. Und mit unserer neuen Online-Videothek bieten wir seit Dezember ein Angebot mit tausenden Filmen und Serien auf Abruf. Sollte Netflix also tatsächlich hier starten, sagen wir deshalb "herzlich Willkommen". Denn in einem noch unterentwickelten Markt sind wir lieber der beste Anbieter als der einzige.

Drei Männer unterschiedlichen Alters zeigen den Daumen nach oben.
Hans Krankl und Morgan Heath, die das Vater-Sohn-Gespann in den Sky-TV-Kampagnen in Österreich geben, mit Sky-Marketingleiter Walter Fink. (c: stemper christian)

atmedia.at: Die Werbung von Sky war eben bei der jüngsten Reihung der impactstärksten TV-Spots auf dem zweiten Rang platziert. Welche Marketing-Philosophie steht dahinter?
Mitterlechner: Das ist das Resultat der jahrelangen, erfolgreichen Zusammenarbeit mit unserem Testimonial Hans Krankl, der aus der österreichischen Werbelandschaft kaum mehr wegzudenken ist. Wir setzen hier auf Emotion und Kontinuität. Und es funktioniert hervorragend.

atmedia.at: Sky lässt Werbung über die IP Österreich vermarkten.
Mitterlechner: So ist es, und wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Denn wir haben uns dank unseres Vermarkters IP Österreich zu einem aktiven Player im Werbemarkt weiter entwickelt. Wir verfügen über eine Qualitätszielgruppe und platzieren Werbung in Österreich vor allem im Sportumfeld. Wir vermarkten sie mit kreativen Ideen und Sonderwerbeformen. Werbung soll ein organischer Bestandteil unseres Programms sein, weshalb sie auch akzeptiert wird. Deshalb limitieren wir Werbung auf Sky auch, Werbestrecken von vier bis sechs Minuten wären bei uns undenkbar. Wir versuchen da, eine vernünftige Balance zwischen den Wünschen unserer Abonnenten und jenen der Werbewirtschaft zu finden.

atmedia.at: Ihre Erwartungen für 2014?
Mitterlechner: Wir werden weiter wachsen, es gibt überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln. Wir werden als Gesamtkonzern nochmals einen großen Schritt beim Ergebnis machen, nachdem Sky heuer erstmals schwarze Zahlen geschrieben hat. Das ist ein wichtiger Meilenstein, aber auch nicht mehr, denn die Geschichte ist noch nicht fertig.

Zur Person Kai Mitterlechner

Mitterlechner wurde 1972 in Wiesbaden geboren.Ist aber Österreicher. Er kam 2003 zu Sky - vormals Premiere - und war seither für diverse Bereiche, darunter als Vice President Technik, Plattform und Einkauf sowie als Vice President Strategy & Products, verantwortlich. 2009 übernahm Mitterlechner die Geschäftsführung von Sky Österreich. Seit Mai 2011 leitet Mitterlechner zusätzlich die Abteilung Business Development der Sky Deutschland AG.

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