Wirtschaft
18.05.2018

Apothekenmarkt soll liberalisiert werden

Bundeswettbewerbsbehörde empfiehlt Ende des Monopols. Das könnte zu besserer Beratung und längeren Öffnungszeiten führen.

Die Bundeswettbewerbsbehörde hält den Gebietsschutz der Apotheken für "überschießend" und fordert eine Liberalisierung. "Aus der derzeit bestehenden Bedarfsprüfung folgt, dass die Apotheken im Wesentlichen frei von Wettbewerbsdruck agieren können, weshalb die wirtschaftliche Existenz auch für jene Apotheken gesichert ist, die ineffizient sind oder für den Konsumenten mangelhaft geführt werden."

Die BWB spricht von einer "monopolartigen Wettbewerbsposition" und verweist in dem am Freitag veröffentlichen Bericht zum Apothekenmarkt auf die Vorteile einer Liberalisierung. "Eine Deregulierung des Marktzutritts für Apotheken würde Apotheken erlauben, miteinander in Wettbewerb zu treten und damit positive Auswirkungen für die Konsumenten mit sich bringen sowie erhebliche Wohlfahrtseffekte generieren." Insbesondere zeige die Erfahrung aus deregulierten Ländern, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Arzneimittelversorgung am Land gibt.

Die Wettbewerbshüter halten auch eine Lockerung der gesetzlichen Regelung für empfehlenswert, damit Apotheken durch zusätzliche Dienstleistungen miteinander in vermehrten Qualitätswettbewerb treten können. Ein Qualitätswettbewerb verbunden mit Deregulierung könnte zu besserer Beratung, neuen Dienstleistungen, kürzeren Wartezeiten und längeren Öffnungszeiten führen, ist die Behörde überzeugt. Den Apotheken sollte es zum Beispiel erlaubt werden, ihre Aufsperrzeiten an die allgemeinen Ladenöffnungszeiten anzupassen.

Bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamente (OTC-Arzneimittel) erachtet die Behörde einen Preiswettbewerb, auch online, für zielführend - bei rezeptpflichtigen Arzneien ist dieser ohnehin nicht möglich.

Kritik

Die Apothekerkammer und der Verband der Arzneimittel-Größhändler (Phago) finden keinen Gefallen an Wettbewerb am Apothekenmarkt. Sie warnen vor einer Verschlechterung der Medikamentenversorgung und sehen die Gesundheit der Menschen in Gefahr. Die Drogeriekette dm verspürt durch den Bericht der Wettbewerbsbehörde BWB Rückenwind für den Verkauf rezeptfreier Arzneimittel.

"Wer die Qualität unseres Gesundheitssystems ausschließlich mit den Regeln des Wettbewerbs misst, der spielt mit der Gesundheit, im schlimmsten Falle sogar mit dem Leben von Patienten", erklärt die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, Ulrike Mursch-Edlmayr, am Freitag in einer Aussendung.

Die Annahme, dass mehr Wettbewerb zu besserer Beratung führe, sei nicht nur naiv, sondern einfach falsch. Mehr Wettbewerbsdruck zwinge die Apothekenunternehmen, Fachpersonal einzusparen und darüber hinaus den Verkauf über die Beratung zu stellen. Eine Deregulierung des Apothekenmarktes würde der Machtkonzentration durch einige wenige Akteure Tür und Tor öffnen.

Phago-Präsident Andreas Windischbauer brachte ähnliche Argumente wie die Apothekerkammer vor. Im Vordergrund stehe nicht der Wettbewerb, sondern die flächendeckende Versorgung der Patienten. "Derzeit schaffen es Apotheker und Großhandel gemeinsam, eine gut funktionierende Arzneimittelversorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Der Großhandel garantiert, dass er binnen 2 Stunden an jeden Ort Österreichs Medikamente liefern kann. Sollten diese Empfehlungen umgesetzt werden, droht eine Verschlechterung der Arzneimittelversorgung."

Drogeriekette

Die Drogeriemarktkette dm hingegen, die gerne rezeptfreie Medikamente verkaufen würde, fühlt sich durch die BWB gestärkt. "Das entspricht auch unserer Argumentation, dass wir mit unseren über 1.200 ausgebildeten Drogisten eine hervorragende Basisberatung sicherstellen können", sagte dm-Geschäftsführer Harald Bauer. Die Sichtweise der Wettbewerbshüter decke sich mit der Wahrnehmung der Konsumenten. Der BWB-Bericht widerlege die Behauptungen der Apotheker-Interessenvertreter.