Wirtschaft
12.02.2019

Ansiedelungsrekord: Sogar Roboter fühlen sich in Österreich wohl

ABA-Bilanz: 355 ausländische Betriebe haben sich neu in Österreich niedergelassen. Weniger Italiener, mehr Schweizer und Briten.

Ansiedelungsrekord.

355 Betriebe wurden

ins Land geholt – weniger Italiener, dafür aber mehr Schweizer und Briten.So wie Aeolus Robotics stellt man sich ein typisches kalifornisches IT-Unternehmen vor. Den Start-up-Schuhen ist die Firma entwachsen, aber ihr Produkt – ein Roboter mit künstlicher Intelligenz, gedacht als Haushaltshelferlein (siehe Bild) – wirkt doch eher utopisch. Typisch USA?

Weit gefehlt. Denn Aeolus wurde zwar im Silicon Valley gegründet, ist jetzt aber im biederen Wien angesiedelt. Zehn Mitarbeiter entwickeln hier gemeinsam mit der Technischen Uni Wien die Sensorik für die Greifarme weiter.

Gut die Hälfte nach Wien

Aeolus Robotics ist einer von 355 Betrieben, die sich 2018 mit Hilfe der Ansiedelungsagentur ABA in Österreich niedergelassen haben. Das sei das beste Ergebnis in 37 Jahren Unternehmensgeschichte, resümierte ABA-Chef René Siegl am Dienstag, der damit „im Großen und Ganzen “ zufrieden ist.

Die 355 Betriebe stehen für 2888 Jobs und 734 Millionen Euro Investitionen. Darüber, wie viele im Gegenzug abgewandert sind und wie hohe Förderungen geflossen sind, habe man keinen Überblick. Generell nähmen nur fünf Prozent der Firmen Förderungen in Anspruch.

Bei den ABA-Projekten baute Wien (182 Ansiedelungen) seine Vormachtstellung im Vorjahr deutlich aus. Niederösterreich (32) verdrängte Salzburg (30) vom zweiten Platz. Kärnten (22) ist hinter die Steiermark (29) zurückgefallen, weil weniger italienische Firmen – in Summe 28 – gekommen sind. Was der schwachen Konjunktur geschuldet sein dürfte.

Apropos: Auch Deutschland (108 Ansiedelungen), traditionell das stärkste Herkunftsland, schwächelte im Vorjahr auf hohem Niveau. „Unerfreulich“, so Siegl, aber kein Grund zur Sorge. Viel Freude bereitete die Schweiz: Gleich 36 Betriebe sind über die Grenze gewandert, um vom günstigen Frankenkurs, den EU-Vorteilen und Österreichs Osteuropa-Verbindungen zu profitieren.

Dass sich die Zahl britischer Firmen von 7 auf 14 verdoppelt hat, ist dem Brexit zu verdanken. Und das sei erst der Beginn, prophezeit Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck. Für Londons Finanzindustrie sei Österreich wenig attraktiv, so Siegl. Er denkt an Industriebetriebe, deren Wertschöpfungsketten auf dem Kontinent bedroht sind. Und man stehe mit einer Fluglinie in Verhandlungen. Namen nannte Siegl keinen. Easyjet fliegt bereits seit 2017 unter rot-weiß-roter Flagge.

ABA erhält ein Upgrade

Die Regierung plant bekanntlich, Firmen-Gewinne künftig geringer zu besteuern. Die Körperschaftsteuer spiele als Standortfaktor eine Rolle, wichtiger sei aktuell aber die Verfügbarkeit von Fachkräften, sagte Schramböck. Die ABA erhält mehr Budget und Personal, soll sich aber auch um leichteren Zuzug von Fachkräften kümmern. Zuletzt betrug das ABA-Budget rund 4,7 Millionen Euro.