AMS-Zentralbetriebsrat fordert weiterhin deutlich mehr Personal

2020 soll der AMS-Algorithmus in Echtbetrieb gehen
Urabstimmung über gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen läuft noch bis Freitagnachmittag, Ergebnisse am kommenden Montag.

Der Zentralbetriebsrats-Vorsitzende des Arbeitsmarktservice (AMS), Heinz Rammel, ist mit dem von Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) angekündigten Stellenaufbau beim AMS nicht zufrieden. Statt den 250 zusätzlichen Planstellen in der Vermittlung brauche es 700 bis 800 Stellen, sagte Rammel zur APA. Bis heute Nachmittag läuft im AMS noch die Urabstimmung zu gewerkschaftlichen Maßnahmen.

Das AMS muss sich aufgrund der Coronakrise um viele Arbeitslose und Kurzarbeitsanträge kümmern. Ende August waren knapp 423.000 Personen ohne Job beim Arbeitsmarktservice vorgemerkt, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Personen in Kurzarbeit belief sich zuletzt auf knapp 400.000. Die türkis-grüne Bundesregierung hat außerdem eine Corona-Arbeitsstiftung für bis zu 100.000 Personen ab Herbst angekündigt, die auch vom AMS mitorganisiert werden soll.

Bei der aktuell noch laufenden Mitarbeiter-Urabstimmung im Arbeitsmarktservice ist die Beteiligung laut dem Betriebsrat "sehr hoch". Er rechnet mit einer Beteiligung von rund 80 Prozent, die Ergebnisse werden am Montag vorliegen. Auf Details zu möglichen gewerkschaftlichen Kampfmaßnahmen wollte Rammel nicht näher eingehen. Aufgrund der Coronapandemie werde es aber keine physische Betriebsversammlung geben. Betriebsrat Rammel will vorerst den am Dienstag tagenden AMS-Verwaltungsrat abwarten, bei dem der Stellenaufbau fixiert werden soll.

Arbeitsministerin Aschbacher und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) hatten am Dienstag einen Aufbau von 500 Stellen beim AMS verkündet. Der für heuer geplante Stellenabbau beim Arbeitsmarktservice von zusätzlichen 150 Planstellen wurde gestoppt. Bis Ende 2023 erhält das Arbeitsmarktservice außerdem zusätzliche 350 Planstellen, davon 250 für die Vermittlung. 100 Personen von der Buchhaltungsagentur des Bundes werden an das AMS übermittelt. "Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung", kommentierte der Zentralbetriebsrat die Ankündigung. Es brauche aber viel mehr weitere Planstellen, weil die Mitarbeiter "am Limit" arbeiten würden, etwa bei der Telefonhotline. Die Mitarbeiter der Buchhaltungsagentur würden sich um Abrechnung der Kurzarbeit kümmern, aber nicht um die Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen, so der AMS-Betriebsrat.

Seit einem halben Jahr haben die Auswirkungen der Coronapandemie den heimischen Arbeitsmarkt fest im Griff. Seit dem historischen Arbeitslosenrekord Mitte April mit 588.000 Personen ohne Job gehen die Arbeitslosenzahlen kontinuierlich wieder zurück. Zum Höhepunkt der Krise waren zusätzlich mehr als 1,3 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Die Corona-Arbeitsmarktkrise sei "eine Herkulesaufgabe" für die AMS-Mitarbeiter, sagte der Betriebsrat.

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