Die Job-Plattform mit "Skill Matching" sei vergleichbar mit einer Partnerbörse.

© KURIER/Gilbert Novy

Arbeitslosigkeit
12/16/2014

AMS: Job-Portal nach Vorbild von Partnerbörsen

Mehr Angebot für Arbeitssuchende im Internet. Berater sollen von Routinetätigkeiten freigespielt werden.

Das Arbeitsmarktservice (AMS) will sich durch die Verlagerungen von Leistungen ins Internet für die Zukunft rüsten. Die Selbstbedienung im Internet wurde bereits massiv ausgebaut: Seit 2011 gibt es das eAMS-Konto, in den vergangenen Monaten folgten ein Ratgeber, ein Neuorientierungskompass und eine Job-App. Bis 2016 wird eine Job-Plattform entwickelt, bei der nach Kompetenzen gesucht werden kann.

In Österreich gibt es eine Rekordarbeitslosigkeit und ein Rückgang ist nicht in Sicht. Um Berater von Routinetätigkeiten freizuspielen, werde die Selbstbedienung im Internet weiter forciert. "An konkrete Einsparungen können wir nicht denken. Das ist eine Antwort auf die steigende Dynamik und die zusätzlichen Aufgaben des AMS, um nicht unterzugehen und keine Dienstleistungen mehr bieten zu können", sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf am Dienstag vor Journalisten.

Einsparung von 6,3 Mio. Euro

Als eine konkrete Einsparung nannte er aber Arbeitslosengelder in Höhe von 6,3 Mio. Euro, die durch die Frühmeldung entstanden sei, weil sich dadurch die Arbeitslosendauer im Durchschnitt um zwei Tage verkürze. Mehr als die Hälfte der Frühmeldungen erfolgten in den ersten drei Quartalen 2014 elektronisch.

Weitere Bewerbung des eAMS-Konto

Insgesamt verwenden 36 Prozent der Jobsuchenden ein elektronisches AMS-Konto. Kopf nannte als Ziel diese Zahl auf 50 bis 60 Prozent in den nächsten zwei bis drei Jahren zu steigern. Bei den Unternehmen nützen mehr als 14 Prozent das eAMS-Konto und da sei das Potenzial auch nicht annähernd so hoch, weil es schwierig sei, Unternehmen zu überzeugen, die bisher von AMS-Betreuern laufend besucht werden.

Die Registrierung für das eAMS-Konto ist über Finanzonline möglich oder die Zugangsdaten können auf der AMS-Website oder in der Geschäftsstelle beantragt und mit eingeschriebenen Brief erhalten werden. Es können damit sämtliche zentrale Dienstleistungen, wie Job- oder Personalsuche, Arbeitslosengeld und Förderungen, abgewickelt werden.

"Skill Matching"

Die Job-Plattform mit "Skill Matching" sei vergleichbar mit einer Partnerbörse, erklärte Kopf. Es wurden bereits Fähigkeiten ("Skills") für die Berufe definiert, wonach Arbeitssuchende bzw. Unternehmer suchen können. "Ein Arbeitssuchender kann mit einem Schieberegler die Skills verändern und sieht mit jeder Veränderung wie viele Treffer er österreichweit hat", so Kopf. Der Vorbereitungsprozess für die Job-Plattform dauere bis Ende März 2015 und koste eine knappe Million Euro, erklärte AMS-Vorstand Herbert Buchinger. Danach gebe es den genauen Kosten- und Zeitplan, der Start ist für Mitte 2016 geplant.

"Tool für Arbeitsmarkt von morgen"

Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit in der Wirtschaftskammer (WKÖ), bezeichnete die neue AMS-Jobbörse am Dienstag in einer Aussendung als "zukunftsweisendes Tool für den Arbeitsmarkt von morgen". "Ich rechne damit, dass mit Hilfe der neuen Jobbörse der Vermittlungsprozess reibungsloser, weil schneller erfolgen kann. Je früher die Jobsuche beginnt, desto bessere Chancen bieten sich den Arbeitssuchenden."

Insgesamt 886.000 Personen waren 2013 mindestens einen Tag arbeitslos, was 30 Prozent mehr als vor 20 Jahren waren. Gleichzeitig seien auch mit 401.000 freien Stellen dem AMS um 57 Prozent mehr gemeldet worden. Zudem arbeiten fast 46 Prozent der Frauen in Teilzeit-Berufen - mehr dazu hier.

OECD kritisiert Rot-Weiß-Rot-Karte

Die OECD sieht Verbesserungsbedarf bei der Rot-Weiß-Rot-(RWR)-Karte für die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern. Das 2011 eingeführte Zulassungsverfahren nach Punktesystem sei viel zu komplex und müsste daher nachjustiert werden.

Nur jeder dritte Antragsteller bekomme tatsächlich die begehrte Karte. Mehr zu dem Thema lesen Sie hier.

"Heuschrecken"-Alarm bei Kursen

Wie sehr nagen „Heuschrecken“ am AMS-Kuchen? Tatsächlich sehen in- und ausländische Finanzinvestoren in der Aus- und Weiterbildung von Arbeitslosen offenbar ein lukratives Geschäft.

Die kürzliche Übernahme des AMS-Schulungspartner ibis acam durch den deutschen Finanzinvestor Quadriga Capital – der KURIER berichtete – lässt bei der FPÖ jetzt die Alarmglocken schrillen. In einer parlamentarischen Anfrage an Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer fordern sie Aufklärung: Wird das AMS bald zum Spielball von Spekulanten? Haben womöglich auch AMS-Mitarbeiter Anteile von „Heuschreckenfonds“ gezeichnet, die sich an Schulungsfirmen beteiligt haben? Und versickern die Gewinne dieser Schulungsfirmen gar irgendwo auf Steuerinseln?

Die Antwort Hundstorfers fällt dürftig aus. Aus Ressortsicht sei die Qualität der Kurse vorrangig, nicht die Eigentümerstruktur der Anbieter. Er verweist auf die strengen Auflagen durch das Bundesvergabegesetz. Eine Bestimmung gegen „Heuschreckenfonds“ bzw. Einschränkung der Eigentümerstruktur finde sich hier nicht. Eine Weisung gegen eine Vergabe an Fonds wäre daher nicht gesetzeskonform.

Wo diese Fonds ihre Gewinne versteuern, falle nicht in seine Zuständigkeit. Die Frage, ob er ausschließen könne, dass auch AMS- oder Ministeriums-Mitarbeiter Anteile von Heuschreckenfonds gezeichnet haben, die an Schulungsfirmen beteiligt sind, beantwortet Hundstorfer schlicht mit „Nein“.

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