Die Initiative ist Teil der Bemühungen der Gruppe der G20, nicht nur Steuerbetrügern das Leben schwer zu machen, sondern Steuerfluchtmöglichkeiten für international tätige Großkonzerne einzudämmen.

© dpa/Franziska Kraufmann

Ab 2017
10/29/2014

50 Staaten segnen Informationsaustausch ab

Für Steuerbetrügern wird es damit immer schwieriger, ihr Geld vor dem heimischen Fiskus zu verstecken.

Mehr als vier Dutzend Länder haben sich im Kampf gegen Steuerbetrug zu einer umfassenden Zusammenarbeit verpflichtet. Ab 2017 wollen sie umfassend, dauerhaft und automatisch Daten über Konten von Ausländern bei ihren Banken mit deren Heimatländern austauschen.

Vertreter von 50 Regierungen, darunter alle Staaten der Europäischen Union, unterzeichneten am Mittwoch bei einer internationalen Steuerkonferenz in Berlin eine entsprechende Vereinbarung. Mehr als ein Dutzend weitere Staaten haben bereits signalisiert, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt folgen wollen. Für Steuerbetrügern wird es damit immer schwieriger, ihr Geld vor dem heimischen Fiskus zu verstecken.

WER IST BETROFFEN?

Der automatische Informationsaustausch hat vor allem private Vermögen im Blick, die ins Ausland gebracht wurden, um heimischen Steuerpflichten zu entgehen. Es geht aber auch um Konten von Treuhändern, Treuhandfirmen, Trusts und Stiftungen, die von vermögenden Privatleuten gerne genutzt werden, um ihre Geldangelegenheiten zu verschleiern.

AB WANN WERDEN INFORMATIONEN AUTOMATISCH AUSGESTAUSCHT?

Erstmals austauschen wollen die 50 Erstunterzeichner des Abkommens Informationen bis zum September 2017, und zwar bezogen auf Vorgänge im Steuerjahr 2016

UM WAS FÜR SUMMEN GEHT ES?

Gesicherte Zahlen, was durch den umfassenden automatischen Informationsaustausch künftig zusätzlich in die Kassen der Steuerbehörden fließen wird, gibt es keine. In Schätzungen gehen Experten aber davon aus, dass zumindest mittlere dreistellige Milliardensummen jährlich durch Steuerbetrug am Fiskus vorbei verschoben werden, was nun unterbunden werden soll.

WAS WIRD GEMELDET?

Gemeldet und ausgetauscht werden nicht nur Daten zur Identität des ausländischen Konto-Inhabers, inklusive seiner Steuer-Identifikationsnummer, sondern auch über alle Arten von Kapitalerträgen sowie Einkünfte, die über das betreffende Konto im Ausland verbucht werden.

WER MUSS MELDEN?

Melden müssen die Steuerdaten neben Banken auch Makler, bestimmte Fonds- und Versicherungsunternehmen sowie Vermögens-Sammelstellen, wie Depotverwaltungen.

WAS SIND DIE KONSEQUENZEN DES NEUEN STEUERAUSTAUSCHES?

Mit dem vereinbarten Informationsfluss neigt sich die Zeit, in der in vielen Ländern das Bankgeheimnis hochgehalten wurde, dem Ende. Die Finanzbehörden erfahren künftig weit mehr als in der Vergangenheit über ausländische Geschäfte ihrer Bürger. In Deutschland wurden Kapitalerträge bislang, weil man sie nicht umfassend und konkret erfassen konnte, pauschal über die Abgeltungssteuer mit 25 Prozent belastet. Dieser Vorteil für Vermögende, deren persönlicher Einkommenssteuersatz über dieser Marke liegt, könnte nun fallen.

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