Das Operndiva Anna Netrebko singt am 15.01.2013 in der Laeiszhalle in Hamburg. Bei ihrem einzigen gemeinsamen Deutschland-Konzert wurden Netrebko und ihr Lebensgef?hrte Schrott von den Hamburger Symphoniker unter der Leitung von Claudio Vandelli begleitet. Auf dem Programm standen unter anderem Auszüge aus Mozarts "Don Giovanni", Rossinis "Die Italienerin in Algier" und Gershwins "Porgy and Bess2. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Olympia
02/07/2014

Eröffnungsshow: Netrebko singt olympische Hymne

Die Show bietet einen Streifzug durch die russische Geschichte in 18 Kapiteln.

Anna Netrebko, russische Operndiva mit österreichischer Staatsbürgerschaft, singt bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele die olympische Hymne auf Russisch. "Es gelingt ihr ganz prima", sagte der Generaldirektor des russischen Staatsfernsehens, Konstantin Ernst, am Freitag vor der Show in Sotschi.

Die XXII. Olympischen Winterspiele werden am Abend im Fischt-Stadion am Schwarzen Meer von Kremlchef Wladimir Putin eröffnet. Im Stadion gibt es 40.000 Plätze, die Organisatoren rechnen mit weltweit drei Milliarden Fernsehzuschauern.

Die Show bietet einen Streifzug durch die russische Geschichte in 18 Kapiteln. "Es wird unsere Sicht auf Russland sein, aber einfach erzählt, dass es jeder verstehen kann, der wenig über unsere Kultur weiß", so Ernst. Im Vorprogramm tritt das frühere Mädchen-Duo Tatu auf - in der Show selbst gebe es aber nur Musikzitate der Sängerinnen.

Vor allem klassische symphonische Musik soll bei der Feier erklingen. "Wir können nicht wie in London so viel Popmusik bieten. Wir konzentrieren uns auf das Populärste bei uns - die Klassik", meinte Ernst. An der zweieinhalbstündigen Eröffnung wirken mehr als 5.000 Akteure mit. Ein weiterer Höhepunkt soll das Lichtspektakel mit 3.500 Feuerwerkskörpern sein.

Der Sotschi-Sopran

Reden wir auch an dieser Stelle kurz über die olympische Hymne, auch wenn der Name des Komponisten, Spyros Samaras, nicht einmal allen Musikliebhabern geläufig ist.

Dieses Werk wurde für die ersten Spiele der Neuzeit, 1896 in Athen, geschrieben und erklang seit 1964 bei allen Eröffnungen. Es ist ein schwülstiges Stück, mit Fanfaren, die an Wagner erinnern und den Hörer hoffen lassen, dass das Vorspiel endlich im Hochzeitsmarsch aus „Lohengrin“ mündet (was leider nicht passiert). Samaras war ein Spätromantiker, der immer mehr Richtung Verismo tendierte und sogar eine Oper an der Scala herausbrachte.

Warum uns das heute interessieren sollte? Weil diese Hymne in Sotschi von Anna Netrebko gesungen wurde. „Wir sind Olympia“, war in Postings zu lesen – in zynischer Anspielung auf Netrebkos österreichische Staatsbürgerschaft.

Bestimmt wird wieder die Diskussion einsetzen: Darf Netrebko das? Ist es akzeptabel, wenn sie sich in den Dienst von Putin stellt, nachdem sie ja schon in einem Künstlerkomitee für ihn aufgeschienen war? Selbstverständlich. Netrebko ist die größte lebende Sängerin, künstlerisch aufgewachsen in Putins Heimatstadt St. Petersburg. Sie wird es als Ehre empfunden haben, bei diesem Weltereignis aufzutreten, und nicht als politisches Statement.

Und der Schachzug von Putin ist ebenso genial wie jener mit t.A.T.u., den mit lesbischer Liebe kokettierenden Popsängerinnen.

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