In Sotschi werden 2.453 Proben genommen und auf Doping getestet.

© APA/EPA/Tobias Hase

Doping-News
02/07/2014

Experte warnt vor Nikotindoping

Der Deutsche Pharmakologe Sörgel erwartet, dass neue fantastisch wirkende Dopingmixturen ausprobiert werden.

Der Deutsche Pharmakologe Fritz Sörgel erklärt, dass es Athleten gebe, die Doping-Mischungen in speziellen Kombinationen herstellen lassen. Darunter falle auch Nikotindoping, eine nur schwer nachweisbare Rezeptur. Der Pharmakologe geht von einem hohen Potenzial für Nikotindoping in bisher unverdächtigen Wintersportarten, wie Eishockey, aus. Dadurch werde die Reaktionsschnelligkeit und die Kombinationsfähigkeit gefördert.

„Ihre Konzentration ist niedrig“, sagt der Experte in Bezug auf die speziellen Kombinationen, und, dass die Rezepturen daher schwer nachweisbar wären. Dass derartige Mischungen in Sotschi zur Anwendung kommen, sei nicht ausgeschlossen, „aber rein spekulativ“, so der Pharmakologe.

Außerdem erwähnt Sörgel, dass in bisher unverdächtigen Wintersportarten wie Eishockey einiges probiert wird.

Zweifel meldete Sörgel an, ob die Rekordzahl an Doping-Kontrollen von 2.453 Proben - 14 Prozent mehr als in Vancouver 2010 - helfen wird, mehr Dopingsünder zu entlarven. Das sei in der Praxis nie bewiesen worden. "Die Zahl des Dopings überführter Sportler steigt nicht signifikant. In Deutschland ist sie schon lange mehr oder weniger konstant."

Gendoping noch nicht entwickelt

Eine neue Gefahr durch Gendoping droht dem Sport nach Erkenntnis von Sörgel nicht. Bisher gebe es keine Gentherapie, die einen manipulierten Übermenschen schaffen könnte. "Wenn ein Wissenschaftler dies schaffen würde, wäre er in erster Linie daran interessiert, den Nobelpreis zu bekommen und nicht einen Olympiasieger zu schaffen und anonym im Hintergrund zu bleiben - mag man ihm auch Millionen bieten", sagte Sörgel. "Gentherapie ist Zukunftsmusik."

Dies gilt für den Missbrauch mit dem Wachstumshormon (HGH) nicht. Für Wirbel hatte eine ARD-Recherche gesorgt, in der über Geschäfte eines Mitarbeiters der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau mit dem bisher unbekannten Dopingmittel Full Size MGF berichtet wurde. "Ich bin schockiert, weil das Mittel bisher nur an Tieren ausprobiert wurde", sagte David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA).

Die WADA kündigte allerdings in Sotschi an, dass der schon länger existierende HGH-Test noch einmal überprüft wurde und in den kommenden Wochen wieder zugelassen wird. Athleten, die HGH als illegalen Starkmacher bei den Winterspielen nutzen, freuen sich deshalb zu früh. Die rund 2.500 Olympia-Proben werden zehn Jahre für Nachtests eingefroren.

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