Österreichischer Standard

Der GSÜH240M12 von Gräf & Stift ist der letzte seiner Art. Er hat deutsche Verwandte, erinnert sich an den Eisernen Vorhang und kennt das Wiener Umland wie sein Handschuhfach.

Die Geburtsstunde des Standardbusses schlägt in den 1960er Jahren. Der deutsche "Verband öffentlicher Verkehrsunternehmen" (VÖV) beschloss damals, dass einheitliche Baulinien für zukünftige Buskonstruktionen nötig sind. In dem Kriterienkatalog wurde gefordert, dass Bauteile der Fahrzeuge auch markenüberschneidend ausgetauscht werden können.

Sinn und Zweck dieses Kataloges war es, die betriebliche und technische Infrastruktur von Busbetrieben zu standardisieren und die Abläufe im öffentlichen Verkehr europaweit zu vereinheitlichen. Es zeigte sich, dass vor allem bei Regionalbusbetrieben, welche Stadt- und Überlandverkehr zu bewältigen hatten, die dringende Notwendigkeit, die Bauweise abzugleichen. Ansonsten wären zwei Infrastrukturen unumgänglich geworden. Die deutsche Automobilfabrik MAN schuf deswegen eine ganze Familie von Einheitsbussen, welche sich trotz nahezu identem Aufbau, vom Stadtbus bis hin zum luxuriösen Reisebus individuell gestalten ließen - gleichzeitig aber den Richtlinien der VÖV entsprachen.

Auch in Österreich zeigten die Verkehrsbetriebe reges Interesse und kauften große Stückzahlen. Nachdem in Österreich jedoch andere Einsatzbedingungen als in Deutschland herrschten, erfüllten die Busse nicht alle österreichischen Anforderungen. Die beiden großen österreichischen Nutzfahrzeughersteller ÖAF Gräf & Stift und Steyr erwarben also Lizenzrechte und begannen den Standardbus auf landestypische Verhältnisse umzukonstruieren. Eines der gelungensten Fahrzeuge aus österreichischer Kostrukteursfeder ist der GSÜH240M12 aus dem Hause ÖAF-Gräf & Stift, der ein "austrofiziertes" Lizenzprodukt, des bei MAN gefertigten Standartüberlandbus SÜ240 darstellt.

Deutlichster Unterschied zu den deutschen Fahrzeugen ist die Ausstattung mit verbreiteter, vorderer Einstiegstür und zusätzlichen Schiebefenstern an den Seiten. Vom Typ GSÜH240 M12 wurden zwischen 1974 und 1985 über 500 Exemplare in Wien Liesing gefertigt. Rund 200 Stück gingen an den Kraftwagendienst der ÖBB (KWD-ÖBB). 
Dieser Bus entstammt der letzten Baureihe aus dem Jahr 1983 und wurde im Februar ausgeliefert. Der BB 2073 (im Bild) wurde dem Wiener Raum zugeteilt und war fast die gesamte Einsatzzeit im Wiener Umland unterwegs. Manchmal führte ihn seine Fahrt sogar bis hinauf zum Eisernen Vorhang oder nach Budapest. Über viele Jahre verkehrte er außerdem zwischen dem Schnellbahnhof Floridsdorf und Korneuburg.

Auf dieser Linie beendete er auch 2004 – nach 21 Jahren – als letzter GSÜH240, die Ära der Standardbusse bei den ÖBB. Im selben Jahr wurde er in den Nostalgiestand der ÖBB übernommen und wurde optisch  in seinen Auslieferungszustand, der grau-blauen Europabus-Lackierung, zurückversetzt. 2008 folge schließlich eine  mehrmonatige Restauration. Anschließend ging es zurück auf die Straße. Allerdings ist er heute kein reines Transportmittel mehr, sondern der Star der Touristenattraktion "ErlebnisWeltBahn". Als Nostalgiebus bringt er in Ernstbrunn, die mit dem Nostalgiezug aus Wien angereisten Touristen zu den Attraktionen des Weinviertels. Neugierig geworden? Die ÖBB-Straßennostalgie-Busse werden im Charterbereich (Hochzeiten, Betriebsfeiern, Kundenevents, etc.) und für Transfers, als Naturparkbus beim NostalgieExpress Leiser Berge eingesetzt. Ebenso kann man Tages- und Mehrtagesfahrten unternehmen.

Information und Buchung:

Tel. 0664/6178036
Montag – Donnerstag: 8.00 – 16.00 Uhr,
Freitag: 8.00 – 12.00 Uhr

Steckbrief:

Hersteller: ÖAF-Gräf&Stift Nutzfahrzeuge AG 1230 Wien
Bezeichnung : GSÜH240M12

Sitzplätze: 51
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Audioanlage für Radioempfang und Bordlautsprecher; Anschluß für Kühlbox 24V
(ÖBB/ErlebnisBahn / ozf) Erstellt am
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