Willem-Alexander ist zehn Jahre Oranje-König: Krone ohne Glanz

Willem-Alexander ist zehn Jahre Oranje-König: Krone ohne Glanz
Ein König zum Anfassen, modern und volksnah. Doch er kommt vom Jetset-Image nicht los.

Es war ein historischer Moment: Willem-Alexander stand in der Nieuwe Kerk in Amsterdam, den roten, mit Hermelin gefütterten Königsmantel um seine Schultern gehängt, und hob die Hand zum Schwur. Am 30. April 2013 wurde Willem-Alexander zum König der Niederlande ernannt.

Für ihn sei es eine fast unwirkliche Erfahrung gewesen, erinnert er sich in einem Podcast zum zehnjährigen Thronjubiläum, eine "out-of-body experience" (außerkörperliche Erfahrung) - "als ob ich über mir schwebte". Und er habe sich die Frage gestellt: "Was tue ich hier um Himmels willen? Wer denkst du, dass du bist?"

Inzwischen ist der König wieder mit beiden Füßen auf der Erde gelandet, und zwar ziemlich unsanft. Bereits das dritte Jahr in Folge sanken seine Beliebtheitswerte in Meinungsumfragen. Zwar standen am Donnerstag wieder landesweit die großen Feiern zum "Königstag", dem Geburtstag von Willem-Alexander, an. Doch gerade einmal ein mageres "ausreichend" geben die Niederländer ihrem nun 56 Jahre alten König. So miese Noten hatte er noch nie. Auch bei seiner Frau Máxima (51) blättert der Glanz: Die Beliebtheit der Blondine aus Argentinien hat ebenfalls deutlich abgenommen.

Ursache ist das Paar selbst: Es trat während der Corona-Pandemie in so ziemlich jeden Fettnapf, der sich bot. Zum Beispiel jetteten die beiden in eine Ferienvilla nach Griechenland, während die Niederländer zu Hause bleiben sollten. Nach kaum 24 Stunden kehrten sie zwar zurück und sagten in einer TV-Ansprache zerknirscht "Sorry". So ganz wurde ihnen die Entschuldigung aber nicht abgenommen. Wenig später feierte die Familie den Geburtstag von Kronprinzessin Amalia groß - während bei anderen Bürgern die Partys ausfallen mussten.

"Cringe", fällt der Sängerin Izaline Calister ein, wenn sie an den König denkt. "Peinlich eben", sagte sie kürzlich bei einer TV-Debatte zum Thronjubiläum. Und das finden viele, vor allem junge Leute.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Mit Traumnoten für Monarchie und König. Willem-Alexander war ein "König zum Anfassen", jung und modern. Fast 75 Prozent der Bürger sprachen ihm vor zehn Jahren ihr Vertrauen aus - inzwischen sind es nur noch 46 Prozent.

Als im Sommer 2014 die Passagiermaschine mit Flugnummer MH17 über der Ostukraine mit einer russischen Luftabwehrrakete abgeschossen wurde, stand der König seinem zutiefst geschockten Volk zur Seite. Die meisten der 298 Todesopfer waren Niederländer. Der Monarch tat das, was er versprochen hatte: "das Volk verbinden, repräsentieren und ermutigen".

Willem-Alexander sucht die Nähe zum Volk - und unterscheidet sich dadurch gerade von seiner Mutter, Prinzessin Beatrix (85), die 33 Jahre lang auf dem Thron saß. Sie war eine Majestät und legte Wert darauf.

Wer ihm persönlich begegnet, trifft einen charmanten, warmherzigen Mann mit viel Humor. Als Kronprinz galt Willem-Alexander noch als "Feierbiest", das gern ein Pilsje trank, und als Sportfan. Letzteres ist er immer noch - kaum spielt irgendwo eine Oranje-Mannschaft, sitzt er auf der Tribüne.

Und er präsentiert sich als stolzer Familienvater, der sich freche Kommentare von seinen Töchtern Amalia (19), Alexia (17) und Ariane (16) sogar vor laufenden Kameras gefallen lässt. Die Herrschaft der Frauen im Palast aber, so sagte er neulich, habe eine Grenze: bei seinem Vollbart. "Aber die vier Damen bei Ihnen zu Hause, die haben doch auch eine Meinung dazu", wurde er jetzt gefragt. "Ja", räumte er lachend ein, "aber ich habe den Rasierapparat in der Hand".

Die Volksnähe hat Schattenseiten, wie die Kolumnistin und Máxima-Biografin Marcia Luyten meint. "Ein König, der gewöhnlich sein will, der erlebt, dass man sein Haushaltsbuch durchsucht. Und weg ist die Magie." Den Luxus, das Jetset-Leben und sicher das Jahresgehalt von gut einer Million Euro steuerfrei - das finden eben immer mehr Niederländer gar nicht so königlich.

Um vom negativen Image wegzukommen, kurbelte der Hof die PR-Maschine an. Zum Thronjubiläum ließ sich der König für einen zehnteiligen Podcast - "Mit den Augen des Königs" - befragen. Allerdings nicht von einem kritischen Journalisten, sondern einem Radio-DJ. Mit dem plaudert er locker, ohne peinliche Ausrutscher, aber auch ohne große Weisheiten.

Die zehn Jahre seien so schnell vorbeigegangen, wundert sich der König. "Es ist so unglaublich viel geschehen in den Niederlanden, der Familie, aber auch in Europa und in der Welt." Er mache sich im Übrigen nicht allzu viele Sorgen über die schlechten Umfrageergebnisse. Schließlich habe auch das Vertrauen in andere Institutionen abgenommen. Außerdem sei es ja auch nur eine Momentaufnahme.

Zumindest hat er wohl noch viel Zeit, die Werte zu drehen: Die Oranjes bleiben oft mehr als drei Jahrzehnte auf dem Thron. Willem-Alexander macht das auch immer noch gerne, wie er sagt. "Dass ich das tun darf. König sein von diesem schönen Land."

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