Schauspielerin und Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts

© Kurier/Franz Gruber

Stars
05/06/2021

Ulrike Folkerts über Privates und den Shitstorm zu #allesdichtmachen

Die Tatort-Kommissarin gewährt in ihrer Autobiografie "Ich muss raus" ehrliche und tiefe Einblicke in ihr Privatleben.

von Lisa Trompisch

"Ich muss raus", das ist nicht nur das Lebensmotto der deutschen Schauspielerin Ulrike Folkerts (wird am 14. Mai 60), sondern auch der Titel ihrer Autobiografie (Brandstätter Verlag; 22 Euro). Offen und ehrlich zeichnet sie da ein Bild ihres wahren Ichs, lässt auch schmerzliche Erfahrungen nicht aus.

„Eine Autobiografie kann nicht nur die Highlights im Leben beschreiben. Da muss ich schon auch ans Eingemachte und an die Dreh- und Angelpunkte in meinem Leben gehen, wo es eben auch wehtut. Wo ich nicht weiter wusste oder Probleme bewältigen musste. Das macht letztlich ja auch ein Leben reicher und eben auch aus“, erzählt sie nun im KURIER-Interview.

Schwangerschaftsabbruch

Und eine dieser schicksalhaften Entscheidungen musste sie mit 19 treffen, als sie ungewollt schwanger wurde. Das Kind nicht zu bekommen, hat sie aber nie bereut.

„Ich will eigentlich damit erzählen, dass es okay ist, dass man so eine Entscheidung trifft. Ich war völlig unglücklich in dem Moment. Der Typ war über alle Berge. Und wir Frauen sitzen dann da und müssen das Problem bewältigen. Was heißt Problem? Es kann ja auch ein Glücksfall sein, aber ich wäre alleine gewesen mit dem Kind. Ich hätte vielleicht nicht die Schauspielschule besuchen können“, so Folkerts in der Rückblende.

Das ganze Interview:

Belästigung

Als längstdienende Tatort-Kommissarin Lena Odenthal hat sie sich längst einen Namen gemacht, geht auch offen mit ihrer Homosexualität um. Gilt für viele als Vorbild. Doch gerade zu Beginn ihrer Karriere musste sie sich auch mit sexueller Belästigung auseinandersetzen.

„Ich habe das in meinem Buch auch beschrieben, weil ich bei meinem ersten ,Tatort‘ gleich in so eine Situation kam und mich da völlig alleine fühlte und das auch schambesetzt ist, wenn man dann so komische Avancen bekommt oder auch beim Drehen, wenn der Kollege jede denkbare Situation ausnutzt, mich dort anzufassen, wo es eigentlich nicht im Drehbuch stand, oder mich plötzlich überraschend küsst und zum Essen einlädt“, erinnert sich die Schauspielerin.

„Ich habe damals schon eindeutig Nein gesagt. Ein Nein ist ein Nein, aber dem hat es Spaß gemacht, mich so ein bisschen zu verunsichern, ein bisschen aus der Reserve zu locken.“

Mehr Diversität

Folkerts prangert in ihrem Buch auch an, dass oft der Mut fehlt, Schauspielerinnen und Schauspieler gegen ihr Image zu besetzen, sie spricht das Gagengefälle zwischen Mann und Frau an und ist für mehr Diversität im Film.

In die Schlagzeilen ist sie jüngst mit ihrer Teilnahme bei der umstrittenen Netzkampagne #allesdichtmachen, welche die Corona-Maßnahmen „ironisch“ kommentiert, gekommen. Was sie jetzt zutiefst bereut. Der darauf losbrechende Shitstorm habe sie total geschockt, auch, dass die Kampagne von Querdenkern beklatscht wurde.

„Ich gestehe wirklich einen Fehler ein, ich habe das unterschätzt. Vielleicht war ich auch naiv. Vielleicht habe ich mich auch zu wenig damit auseinandergesetzt, was das auslöst. Ich nehme das alles wahnsinnig ernst und es ist furchtbar, dass das so grottenschief gegangen ist“, bekennt sie.

Was ihr ihre Rolle als einziger weiblicher Tod im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen bedeutet hat, und was sie sich zum 60. Geburtstag wünscht, sehen Sie im Video oben.

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