Italienische Zeitung: Was den luxuriösen Lebensstil von Ex-Prinz Andrew erklären würde

Das Vereinigte Königreich steht am Morgen nach der Festnahme des früheren Prinzen Andrew unter Schock.
Ex-Prinz Andrew Mountbatten-Windsor hält sich die Hand an die Stirn und trägt einen dunklen Anzug.

Das Vereinigte Königreich steht am Morgen nach der Festnahme des früheren Prinzen Andrew unter Schock. Der jüngere Bruder von König Charles III. war am Donnerstag abgeführt und zu seiner Verbindung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befragt worden. Ihm wird vorgeworfen, in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter vertrauliche Dokumente an den 2019 verstorbenen US-Unternehmer weitergeleitet haben.

Fragwürdiger luxuriöser Lebensstil

Zur Festnahme des früheren britischen Prinzen Andrew und dessen Verstrickungen in Skandale schreibt die italienische Zeitung Corriere della Sera am Freitag: "Nach dem Sexskandal um (Jeffrey) Epstein, der Andrew alle Titel kostete, sind inzwischen auch seine lockeren Geschäftsgebaren ins Rampenlicht geraten. Laut seinem Biografen hat Andrew während seiner Reisen als britischer Handelsgesandter weltweit bereitwillig Millionenschmiergelder angenommen, oft von korrupten Regimen. Das würde erklären, wie der Ex-Prinz stets einen luxuriösen Lebensstil führen konnte, weit über seine offiziellen Möglichkeiten hinaus. Über Andrew sollen umfangreiche Dossiers, auch mit Fotos, in den Händen feindlich gesinnter Regime liegen - von Russland bis China - die sowohl seine sexuellen Eskapaden als auch seine Habgier dokumentieren. Der ehemalige Prinz wäre damit erpressbar - eine tickende Zeitbombe für die Monarchie. Ein schwarzes Schaf, das sich nicht mehr weißwaschen lässt."

Auch die Zeitung Times sieht einen Wendepunkt: "Die Festnahme von Andrew. Andrew Mountbatten-Windsor wurde gestern in der Früh auf dem königlichen Familiensitz Sandringham festgenommen - und löste die größte Krise für die Monarchie seit der Abdankung (von König Edward VIII. 1936) aus."

Familie von Epstein-Opfer Virginia Giuffre: Andrew "war nie ein Prinz" 

König Charles III. hatte seinem Bruder wegen des Epstein-Skandals bereits Ende vergangenen Jahres alle Titel und Ehren entzogen, nachdem posthum die Memoiren des Epstein-Opfers Virginia Giuffre erschienen waren. Giuffre hatte darin detailliert ihren Vorwurf erneuert, der damalige Prinz Andrew habe sie missbraucht, als sie erst 17 Jahre alt war.

Die Familie von Giuffre äußerte sich nach der Festnahme von Andrew erleichtert. "Endlich, heute wurde unser gebrochenes Herz durch die Nachricht getröstet, dass niemand über dem Gesetz steht, nicht einmal die Königsfamilie", teilten die Geschwister der mittlerweile gestorbenen Giuffre mehreren Medien mit. Andrew sei "nie ein Prinz" gewesen, heißt es darin weiter. Giuffre hatte im Vorjahr im Alter von 41 Jahren Suizid begangen.

Epstein stand unter Verdacht, mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen sexuell missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe. Einen Monat nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben beging er Suizid.

Kommentare