Schauspieler Reiner Schöne verlor Kultrolle an Richard Gere
Schauspieler Reiner Schöne
Mit seiner charismatischen Präsenz und seiner unverwechselbaren Stimme bewegt sich Reiner Schöne (84) seit Jahrzehnten souverän zwischen internationalem Kino, deutscher Fernsehlandschaft und der Kunst der Synchronisation.
Jetzt hat der deutsche Hüne (1,95 Meter) seine über 400 Seiten starke Biografie „Immer Sehnsucht nach der Ferne – mein Leben“ herausgebracht.
Ehrliche Zitate wie „Ich bin seit 50 Jahren Berufsjugendlicher“ oder „Ich habe nie Wurzeln geschlagen“ findet man da genauso, wie tiefe Einblicke in sein Leben von Kindheit an.
Er schreibt detailreich über seine Flucht 1968 aus der DDR und seine fast 20 Jahre in Los Angeles, bis hin zu zeitgeschichtlichen Ereignissen.
Fast vier Jahre hat Reiner Schöne an dem Buch gearbeitet und obwohl er seit seinem Abschied aus der DDR regelmäßig Tagebuch führt und es davon Kisten gibt, hat er „tatsächlich alles aus der Erinnerung heraus geschrieben“, wie er in der KURIER TV-Sendung „Herrlich ehrlich – Menschen hautnah“ erzählt.
Herrlich ehrlich: Reiner Schöne
Zu groß fürs Schiff
Man erfährt auch, dass er ursprünglich Seemann werden wollte, sich sogar an der Seefahrerschule in Wustrow beworben hat, aber für zu groß befunden und daher abgelehnt wurde.
„Ich war damals 1,90, inzwischen bin ich 1,95. No way, da wird man sich die Birne stoßen. Ich hab dann in Amerika einen Schiffsarzt kennengelernt, allerdings bei der Marine, und der war zwei Meter zwei und er meinte, da bückt man sich eben“, erzählt er augenzwinkernd.
Schon seine Mutter wollte Schauspielerin und Sängerin werden, nur, ihr wurde dieser Weg verwehrt, aber daher dürfte Schöne auch sein Talent geerbt haben. Der Weg in diesen Beruf war aber anfangs kein leichter, auf der Filmhochschule wurde er zum Beispiel abgelehnt. Er wurde kurzerhand Bühnenarbeiter.
„Und ich muss sagen, das ist die beste Lehre. Ben Becker war auch Bühnenarbeiter. Das ist eine wunderbare Geschichte, denn man bekommt den ganzen Probenprozess mit. Man hat eine Demut, die oft Schauspielern fehlt, die von den Schauspielschulen kommen. Und dann bin ich doch Schauspieler geworden, weil es dort eine wunderbare Schauspielschule gab, die mich dann genommen hat. So ging es voran.“
Um seinen Thüringer Dialekt wegzubekommen, daran musste er anfangs auch hart arbeiten und ab und zu bricht er auch heute noch ein wenig durch.
„Es kann passieren, wenn ich leicht oder sehr betrunken bin, dass ich manchmal noch das verräterische Thüringer A habe. Und mein Optimus-Prime-Dialogregisseur Tobias Meister hat gesagt: Optimus Prime (ja genau, Schöne erweckt auch den Hauptprotagonisten der Transformers-Reihe mit seiner Stimme zum Leben) kommt nicht aus Weimar“, erzählt er lachend.
Dreh trotz Armbruch
1985 wanderte er endgültig in die USA aus und drehte mit Hollywoodgrößen wie Kris Kristofferson (gest. 2024), Clint Eastwood, Lee Van Cleef (gest. 1989) oder George Kennedy (gest. 2016).
Selbst ein gebrochener Arm vor Drehbeginn zum Film „The Gunfighters“ (1987) konnte ihn nicht abhalten. „Der Orthopäde hat mir einen ganz dünnen Glasfieberverband drübergemacht und einen Handschuh gegeben. Es war schwierig, denn es war ein actionreicher Western und es gab ein Peitschenduell in einem Saloon, wo wir 16 Stunden am Stück gedreht haben. Aber man hat es geschafft.“
Kein „Pretty Woman“
In seiner Biografie verrät Schöne auch, dass er fast in „Pretty Woman“ die Hauptrolle gespielt hätte. „Vier Wochen lag ich auf der Rolle und dann hat es doch letzten Endes Richard Gere bekommen und ich hab’s ihm gegönnt.“
In den USA lernte er auch Schauspieler Albert Fortell kennen und die beiden wurden „ziemlich beste Freunde“. Schöne war dann auch bei der Hochzeit mit Barbara Wussow Trauzeuge und schrieb für die beiden, da er ja auch Sänger und Songwriter ist, ein Liebeslied.
Hierzulande ist vor allem auch Reiner Schönes Stimme bekannt, synchronisierte er doch schon Mickey Rourke, Sam Elliot, Darth Vader oder eben auch Willem Dafoe. Und Letzteren hat er auch schon mehrmals persönlich getroffen. „Er ist ein ganz reizender, wunderbarer, herzlicher Mensch. Wir freuen uns, wenn wir uns sehen und uns umschlingen können.“
Seinem jüngeren Ich würde der Schauspieler heute gerne Folgendes sagen: „Bemühe dich immer, ein guter Mensch zu sein, Respekt zu haben, deinen Humor zu behalten und Güte. Ich empfinde, dass Güte, Humor und Respekt drei Zutaten sind, die der Herr uns mitgeben sollte. Das finde ich ganz wichtig. Und lasse dich nicht von Menschen beeindrucken, die dich zwingen wollen, irgendwas zu tun, nur weil es vielleicht gerade opportun ist.“
Noch mehr Schmankerl aus seinem bewegten Leben und ein paar Hollywood-Geheimnisse gibt’s im Video oben und am Sonntag um 18:30 Uhr auf KURIER TV.
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